×
Hohe Beamtenlöhne

Immer weniger Putzkräfte, immer mehr Studierte

In der Bundesverwaltung sinkt die Zahl der gering Qualifizierten, gleichzeitig steigen die Personalkosten steil an. Die SVP bläst nun zum Angriff auf die Privilegien der Angestellten.

Redaktion
Tamedia
Dienstag, 13. September 2022, 15:00 Uhr Hohe Beamtenlöhne
Reinigung der Eingangshalle im Bundeshaus.
Weniger Personal mit tiefen Löhnen: Reinigung der Eingangshalle im Bundeshaus.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Immer mehr Bundesangestellte verdienen immer besser. In den letzten zehn Jahren ist ihre Zahl um gut 9 Prozent gewachsen. Heute sind es rund 40’000, die sich 36’000 Vollzeitstellen teilen. Aber noch steiler stiegen im gleichen Zeitraum die Personalkosten. 2011 waren es knapp 5 Milliarden Franken. Jetzt liegen sie um 20 Prozent höher, bei gut 6 Milliarden. 

Gemäss einer neuen Studie verdienen Bundesangestellte nicht nur immer mehr, sondern auch markant besser als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Privatwirtschaft. Der durchschnittliche Jahreslohn beim Bund beträgt 117’000 Franken. Bei privaten Firmen sind es lediglich knapp 90’000 Franken. 

Tabelle

Für die stark steigenden Personalkosten beim Bund macht die SVP nun aber nicht nur die steigenden Löhne verantwortlich, sondern eine bemerkenswerte Verschiebung: Obwohl immer mehr Leute für den Bund arbeiten, nimmt die Zahl derjenigen, die in den untersten Lohnklassen eingestuft sind, immer mehr ab. Dafür wächst die Zahl der gut und sehr gut verdienenden Bundesangestellten.

Mehr Stellen im Hochlohn-Bereich

In einem neuen Positionspapier der SVP heisst es dazu, nicht nur sei der Durchschnittslohn der Bundesverwaltung im letzten Jahrzehnt «markant um beinahe 10 Prozent gestiegen». Auch der Anteil der Bundesangestellten in den höheren Lohnklassen sei stark «überproportional um 21 bis 28 Prozent» gewachsen.

Auf Nachfrage präzisiert das Eidgenössische Personalamt diese Zahlen. Der Durchschnittslohn sei nicht um 10, sondern um 6,5 Prozent gestiegen, sagt der Sprecher des Personalamts, Janand Jagtap. 

Aufgeschlüsselt nach Lohnklassen, sieht es so aus: In der Kategorie mit Jahreslöhnen von rund 63’000 bis 110’000 Franken nahmen Vollzeitstellen um 7 Prozent ab. In den Lohnklassen von 110’000 Franken aufwärts gab es demgegenüber eine Zunahme von 25 Prozent.

Tabelle

Der Sprecher des Personalamts weist aber darauf hin, dass in den allerobersten Lohnklassen die Zahl der Vollzeitstellen um 7 Prozent abgenommen hat. Das betrifft Bundesangestellte mit Gehältern von rund 200’000 bis knapp 390’000 Franken jährlich.

Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Jagtap verweist auf den lang anhaltenden Trend zu höheren Anforderungen und höherwertigen Stellen. «Es wurden zahlreiche weniger hoch qualifizierte Stellen abgebaut und gleichzeitig höher qualifizierte Stellen neu geschaffen.» 

Beim Bund finden sich in den untersten Lohnklassen 1 bis 11 Funktionen, für die es keine Berufslehre braucht: Personal bei den Empfangslogen und bei der Reinigung oder auch Betriebspersonal der Armee.

In den nächsthöheren Lohnklassen sind handwerkliche Berufe eingereiht, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung nötig ist. Dort figurieren aber Sekretärinnen und Sekretäre. «Diese gibt es heute so nicht mehr», sagt Jagtap, «weil die Fachspezialisten ihre Texte nun selbst schreiben.»

Eine weitere Ursache sind laut dem Personalamtssprecher «Internalisierungen»: Der Bund hat externe Mitarbeitende durch die Schaffung gut bezahlter bundesinterner Stellen ersetzt. Dabei handle es sich um eine Sparmassnahme, sagt Jagtap: «Mit der Schaffung dieser Stellen konnten bundesweit finanzielle Entlastungen realisiert werden.»

Radikalkur beim Personal

Verantwortlich für das SVP-Finanzpapier ist Nationalrat Lars Guggisberg. Er möchte beim Personal einen harten Sparkurs fahren: «Mittelfristig ist die Zahl der Vollzeitstellen von 38’000 auf 35’000 zu reduzieren.» 


Zudem müsse Schluss sein mit den Privilegien für das Bundespersonal: «Wie in der Privatwirtschaft soll der Bund nicht mehr als 50 Prozent an die berufliche Vorsorge bezahlen.» Zudem müssten fünf Wochen bezahlte Ferien reichen. Heute sind es bis zu sieben.

Generell sieht Guggisberg die stetig steigenden Bundesausgaben kritisch: «Seit 1990 sind die Bundesausgaben um 160 Prozent gewachsen, das Bruttoinlandprodukt nur um 90 Prozent.» Das müsse aufhören, das Ausgabenwachstum dürfe das Wirtschaftswachstum nicht übersteigen. «Wir fordern, dass das Volk über grosse Bundesausgaben abstimmen kann, mit einem fakultativen Finanzreferendum.» Die SVP will in der laufenden Herbstsession entsprechende Vorstösse lancieren. (Fabian Renz / Edgar Schuler)

Karikatur: Felix Schaad

Kommentar schreiben