×
Ikonische Architekturbauten

Diese Bauwerke in der Region könnten bald ausgezeichnet werden

Im Rahmen des kantonalen Architekturpreises wird erstmals auch ein Publikumspreis verliehen. Unter den 124 Nominierten befinden sich auch 20 Bauten aus dem Zürcher Oberland.

Erik
Hasselberg
Donnerstag, 28. Juli 2022, 20:30 Uhr Ikonische Architekturbauten

Im Oktober dieses Jahres ist es wieder soweit. Dann wird der Architekturpreis des Kantons Zürich verliehen. 124 Bauwerke sind nominiert. Und erstmals vergibt die im Jahr 2000 gegründete Stiftung für die Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zürich zudem einen Publikumspreis. 

Kriterium für die Eingabe war, dass die Gebäude zwischen 2019 und 2021 vollendet wurden. Neben dem Publikumspreis prämiert eine achtköpfige Jury unter den 124 Bauten sieben beispielhafte. «Mit der Auszeichnung werden Bauherrschaften und Architekturschaffende bedacht, die sich in vorbildlicher Weise für die Realisierung qualitätsvoller Architektur engagiert haben», heisst es auf der Website zur Preisvergabe. 

Das Bewusstsein für die aktuelle Baukultur im Kanton Zürich solle damit gefördert und die öffentliche Diskussion über das Bauen angeregt werden.

Abstimmung bis Ende August

Bis zum 31. August können jetzt Interessierte im Rahem des Publikumspreises ihre Stimme abgeben und mitentscheiden, wo ihrer Meinung nach das schönste Gebäude des Kantons steht.

Unter den Nominierten befinden sich auch 20 Bauwerke aus der Region. Darunter sind private Wohnhäuser und -siedlungen, aber auch öffentliche Gebäude wie der Werkhof in Bubikon oder das Feuerwehrgebäude im Innovationspark in Dübendorf. 

Wir stellen eine Auswahl davon vor. 

Vollzugszentrum Bachtel in Hinwil

Foto: PD

44,5 Millionen Franken kostete der Gefängnisneubau mit fünf Gebäuden im Weiler Ringwil, der vor zwei Jahren eröffnet wurde. In der kantonsrätlichen Debatte umstritten und von bürgerlicher Seite als Luxusbau bezichtigt, ist der Komplex mit seinen in rotweinfarbenen gehaltenen Fassadentönen von ringsherum sichtbar. 

Im Kurztext der Preisverleiherin heisst es, für die Gebäude habe man eine Sprache gesucht, «die weder romantisierend ländlich noch zu nüchtern wirkte und auf den Ort Bezug nimmt». Und so sagte auch der Zürcher Regierungsrat und Baudirektor Martin Neukom (Grüne) bei der Schlüsselübergabe: «Von aussen sieht diese Anlage nicht wie ein Gefängnis aus.»

Geplant wurde der Bau vom Architekturbüro ARGE Loewensberg Gross Ghisleni, das in Rapperswil, St. Gallen, Zürich und Zug Standorte betreibt. Und ihre Arbeit scheint beim Voting gut anzukommen. Mit bis am Donnerstag 329 eingegangen Stimmen ist das Vollzugszentrum Bachtel überraschend der Spitzenreiter in der Region, vor dem Gesundheitszentrum Wald mit 288 Stimmen. 

Giessenturm in Dübendorf 

Foto: PD

Seit März 2021 bietet der 85 Meter hohe Giessenturm mit seinem länglichen, viergeschossigen Sockelbau Platz für das Wohn- und Pflegezentrum Tertianum. Das Haus verfügt über 80 Appartements, 60 Einzel-Pflegezimmer, Aufenthaltsräume, ein öffentliches Restaurant mit sonniger Terrasse sowie eine Tiefgarage. Zur Infrastruktur gehören derweil auch eine hauseigene Spitex, Physiotherapie sowie ein Coiffeur. Seniorenwohnungen sind bereits ab 1695 Franken inklusive Nebenkosten erhältlich.

«Als Teil des Giessenareal-Masterplans markiert das Hochhaus die Schnittstelle zwischen dem suburbanen Gewerbe- und Industriebereich und dem gewachsenen, kleinkörnigen Kern der historischen Gemeindestruktur Dübendorfs», wie es über das Projekt heisst.

Die «ikonographisch und prägnant ausformulierte städtebauliche Figur» ist derweil nur eines von mehrere Hochhausprojekten in Dübendorf und dessen Skyline. Geplant wurde der Bau von den atelier ww Architekten SIA AG und kommt in der Abstimmung bislang auf 103 Stimmen.

Zellweger Park, Baufeld D in Uster

Foto: PD

Zu den Spitzenreitern in der Publikumsabstimmung gehört mit bislang 236 Stimmen die Überbauung der EM2N Architekten im Zellweger Park in Uster. Im Rahmen einer Arealentwicklung hat das Büro eine vier Mehrfamilienhäuser, einen Velopavillon und eine Kunsthalle konzipiert.

Letztere wird seit Frühling dieses Jahres von der Walter-A.-Bechtler-Stiftung genutzt und bespielt. Prunkstück der Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst ist «The 2000 Sculpture» des US-amerikanischen Künstlers Walter de Maria (1935-2013). Die Skulptur, die aus 2000 diagonal angeordneten Gipsobjekten besteht, ist eine der grössten Bodenskulpturen weltweit.

Bürogebäude Brick in Kemptthal

Foto: PD

2019 hat das Architekturbüro Ernst Niklaus Fausch Partner AG auf dem ehemaligen Industrieareal der Maggi ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude um zwei Geschosse aufgestockt und zum Bürohauptsitz des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan umgebaut. Innenräumlich ist das Gebäude geprägt durch überhohe Geschosse mit innenliegenden Galerien.

Erstellt wurde das Bauwerk bereits 1931 als Kistennaglerei, bevor es nur neun Jahre später bereits ein erstes Mal um zwei Stockwerke erhöht wurde für eine Suppenabfüllerei.

Schon 148 Personen haben dem Bürogebäude ihre Stimme gegeben. 

Busdepot und Schulhaus Schellerstrasse in Wetzikon

Foto: PD

Nur fünf Stimmen weniger, nämlich 143, sind bislang für das Busdepot und Schulhaus an der Schellerstrasse in Wetzikon eingegangen. 2020 war ein Teil der Busflotte der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) von Robenhausen an den neuen Standort umgezogen. Der Bau der neuen Halle, die Platz für 42 Busse bietet, hatte zweieinhalb Jahre gedauert. 

Über der Einstellhalle des Depots wurden im ersten und zweiten Obergeschoss zudem ein Schulgebäude mit 37 Klassenzimmern, Vorbereitungs- und Schulverwaltungsräumen, zwei Turnhallen und eine Mensa erstellt. Momentan sind diese von der Gewerblichen Berufsschule Wetzikon (GBW) belegt, ehe 2024 die Wirtschaftsschule KV Wetzikon den Standort übernehmen wird. 

Im Beschrieb des Bauwerks heisst es, das Programm des Gebäudes zeige mit seiner «überraschenden Kombination von Busdepot und Schule den Willen der Verantwortlichen, Ressourcen zu schonen und Synergien zu nutzen». Das Gebäude an Schellerstrasse leiste einen Beitrag zur Verdichtung der Siedlungsstrukturen und damit zum Schutz der Landschaft und des Bodens.

Sanierung eines historischen Wohnhauses in Bauma

Foto: PD

Dass es sich bei den Nominierten nicht nur um Grossprojekte handelt, beweist die Sanierung eines historischen Wohnhauses in Bauma. 

Ausserhalb der Bauzone, in einer Ecke des Tösstals, befindet sich die Liegenschaft aus dem 18. Jahrhundert. Es besteht aus einem Wohnhaus welches als Strickbau errichtet wurde und einer Erweiterung in Riegelbauweise die als Webstube für Heimarbeit diente. Dieser zusätzliche Anbau wurde vermutlich nur wenige Jahrzehnte später erstellt. Dadurch bildet sich ein aussergewöhnliches historisches Ganzes. Mit minimalen pflegerischen und ergänzenden Eingriffen wurde die grösstenteils originale Substanz den heutigen Bedürfnissen angepasst.

Ziel war, ein selbstverständlicher und pragmatischer Umbau, wie er über die Jahrhunderte immer wieder geschieht und dabei den Charakter des Hauses respektiert. 20 Stimmen haben dem Projekt bisher ihre Stimme gegeben.

Kommentar schreiben