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Hochhaus und neuer Bushof

Wie das Effretiker Zentrum attraktiver werden soll

Effretikon wird in naher Zukunft ein lebenswertes Zentrum erhalten. Wichtige Bestandteile sind der direkt beim Bahnhof geplante neue Bushof und das Geschäfts- und Wohnhaus Rosenweg. Nach einem Studienauftrag stehen jetzt die Siegerprojekte fest.

Erik
Hasselberg
Montag, 31. Januar 2022, 16:30 Uhr Hochhaus und neuer Bushof
Visualisierung des neuen Bushof und Hochaus in Effretikon.
So soll es bald im Zentrum von Effretikon aussehen: neuer Bushof, neues Geschäfts- und Wohnhaus (rechts die Bahngleise).
Visualisierung: pool Architekten / huggenbergerfries Architekten AG

Ein attraktives Stadtzentrum, gemischte Nutzungen mit Läden, Flächen für Dienstleistungsbetriebe und Wohnraum: All das wurde vor rund vier Jahren vom Stadtrat in Illnau-Effretikon im Masterplan Zentrumsentwicklung Bahnhof West festgesetzt. «Wir wollen ein Zentrum, das lebenswert und belebt ist», sagte Stadtpräsident Ueli Müller.

Dazu beitragen sollen jetzt zwei neue zentrale Vorhaben im Gebiet Bahnhof West: der neue Bushof und das Geschäfts- und Wohnhaus Rosenweg.

Nachdem letztes Jahr ein Studienauftrag durchgeführt worden war, stehen jetzt die Siegerprojekte fest, wie die Stadt am Montag anlässlich einer Medienkonferenz im Stadthaus bekannt gab.

Neuer Bushof

Der neue Bushof soll zentraler als der jetzige und auf der Nordseite des Bahnhofs zu liegen kommen auf Land der SBB, mit der die Stadt einen Baurechtsvertrag unterzeichnet hat. Die Stadt spricht aufgrund mehr Zentrumsnähe von einer «attraktiven Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr» und nennt zahlreiche Vorteile, die der neue Bushof mit sich bringe:

  • Der neue Standort liegt nahe beim hindernisfreien Durchgang zu den Perrons. Dies bedeutet kürzere Wege und einen höheren Komfort.
  • Kein Nasswerden bei schlechtem Wetter: Die Warte-, Einstiegs- und Umstiegsbereiche im Bushof sind grosszügig überdacht.
  • Genügend Haltekanten: Total werden neun Haltekanten zur Verfügung stehen, davon drei für Gelenkbusse. Dies ist auch eine Vorgabe der Betreiberin, der Verkehrsbetriebe Glattal.  
  • Auf die bisherige Haltestelle «Zentrum» auf der Rikonerstrasse kann verzichtet werden.

Über den Baukredit für den Bushof, der von den Huggenbergerfries Architekten aus Zürich entworfen wurde, wird die Bevölkerung voraussichtlich 2025 befinden können. Der Betriebsstart könnte frühestens zwei Jahre später erfolgen. 

Der neue ÖV-Umstieg funktioniert gemäss Stadtpräsident Ueli Müller dank seiner Architektonik auch als «angenehmer Aufenthaltsraum». Zudem soll er mittels Dachbegrünung und Photovoltaikanlagen ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen.

Wie viel der Bushof kosten soll, ist derzeit noch unklar. «Eine Kostenschätzung gibt es noch nicht, wird allerdings demnächst ausgearbeitet», sagt Müller.

Geschäfts- und Wohnhaus Rosenweg

Visualisierung des Rosenwegplatzes.
Im Sockel des Geschäfts- und Wohnhauses Rosenweg entsteht ein zeitgemässes Gastroangebot mit Aussenbereich.
Visualisierung: pool Architekten / huggenbergerfries Architekten AG

2027 ist auch der Erstbezug des Geschäfts- und Wohnhauses Rosenweg vorgesehen. Zu stehen kommen soll das 19-stöckige und sechseckige Gebäude an der Bahnhofstrasse 28. 

Jene Liegenschaft gehört seit Ende 2019 der Mettler2Invest AG (M2I) aus St. Gallen. Sie führte zusammen mit der Stadt Illnau-Effretikon den Studienauftrag für den Bushof und für das Geschäfts- und Wohnhaus durch. M2I-Projektleiter Daniel Grando sagt: «Die beiden Vorhaben sind eng miteinander verzahnt – mit dem gemeinsamen Wettbewerb konnten wir die Qualität durchgängig sichern.»

Entworfen hat den Bau das Büro pool Architekten, die ihren Sitz ebenfalls in Zürich haben. Auch für das Geschäfts- und Wohnhaus nennt der Stadtrat zahlreiche Vorteile: 

  • Der zweigeschossige Sockel springt gegenüber den oberen Stockwerken zurück. So entstehe am Boden mehr Platz für öffentliche Räume – zum Beispiel für ein zeitgemässes Gastroangebot. Daneben eignen sich die Flächen im Sockel u.a. auch für Läden und einen Coworking Space. Projektleiter Daniel Grando spricht vom «Erdgeschoss als Schnittstelle zum öffentlichen Raum».
  • Rund um das Gebäude werden grosskronige Bäume wachsen. Der neu entstehende Rosenwegplatz biete mit Sitzbänken und einem Brunnen eine hohe Aufenthaltsqualität und wirke als Bindeglied zum künftigen Stadtgarten.
  • Mehr als ein Drittel der Nutzfläche ist für Dienstleistungen und Büros vorgesehen. Mit seiner Lage direkt beim Bahnhof ist das Geschäfts- und Wohnhaus Rosenweg ein attraktiver Standort für kleine und mittlere Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen.
  • In den oberen Stockwerken des Gebäudes sind 98 Wohnungen vorgesehen, darunter auch kleinere, die in Effretikon zurzeit Mangelware sind.
  • Projektleiter Daniel Grando sagt, dass es sich bei allen Wohnungen um Mietwohnungen «im mittleren bis leicht gehobenen Segment» handeln werde. «Low Budget Wohnungen» werde es keine geben. Die Mietpreise seien allerdings noch nicht bestimmt. 

Bereits bestimmt ist, dass aus lärmtechnischen Gründen der Grossteil der Gewerbeflächen auf der Gleisseite zu liegen kommen werden, um Wohnattraktivität zu steigern. Es laufen zudem bereits Gespräch mit Kanton und Kantonspolizei, dass auf dem Abschnitt der Bahnhof vor dem hexagonalen Hochhaus Tempo 30 eingeführt werden kann. Auch ein Flüsterbelag soll verlegt werden, wie der Stadtpräsident erklärt.

Wie auch beim Bushof werden für die Nachhaltigkeit Photovoltaikanlagen verbaut. Allerdings statt auf dem Dach, wo es eine begrünte Terrasse für alle Bewohnenden geben wird, werden sie beim Hochhaus in der Fassade verbaut. 

Weiteres Vorgehen

Vom 31. Januar bis am 4. Februar 2022 stellen die Stadt Illnau-Effretikon und Mettler2Invest AG die beiden Projekte, Bushof und Geschäfts- und Wohnhaus Rosenweg, im Stadthaus in einer Ausstellung öffentlich vor (während der normalen Öffnungszeiten des Stadthauses).

Die weitere Planung ist in Schritten vorgesehen. Zuerst einmal gilt es, die Resultate des Studienauftrags zu überprüfen und zu konsolidieren.

Werden die beiden Projekte das Effretiker Zentrum bereichern?

Auswahlmöglichkeiten

Zur Zentrumsentwicklung in Effretikon

Basierend auf den Masterplänen Bahnhof Ost und Bahnhof West sind im Zentrum von Effretikon verschiedene Planungen und Bauarbeiten im Gange. Das Gebiet wird sukzessive mit Wohn- und Gewerberäumen erneuert und soll durch öffentliche Plätze und Anlagen eine hohe Aufenthaltsqualität erhalten.

BAHNHOF OST
An der Ecke Moosburgstrasse/Brandrietstrasse baut die Grundeigentümerin die Wohn- und Gewerbeüberbauung Rütlihof. Momentan werden die bestehenden Gebäude abgebrochen. Im Jahr 2024 sollen 47 Eigentumswohnungen und 1'700 Quadratmeter Gewerberäume bezogen werden.

Ebenfalls begonnen hat der Rückbau der ehemaligen Fabrik an der Ecke Brandrietstrasse/Florastrasse. Auf dem Areal Rosenhof entstehen in den nächsten Jahren rund 60 Wohnungen und 3'000 Quadratmeter Dienstleistungsflächen. Der neue Quartierplatz und die unterirdische Velostation bilden neue Infrastrukturen, die zur Nutzung durch die Öffentlichkeit bestimmt sind.

BAHNHOF WEST
Zurzeit weisen Bauprofile auf das laufende Baubewilligungsverfahren für eine Wohn- und Gewerbeüberbauung im Bereich Bahnhofstrasse, Bruggwiesenstrasse, Gartenstrasse hin. Basierend auf dem genehmigten Gestaltungsplan werden am Bahnhofplatz rund 45 Wohnungen und 2'300 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen. Zur Bahnhofstrasse hin entsteht ein öffentlicher Platz. Dem Stadtparlament wird demnächst der Gestaltungsplan Wohnen am Stadtgarten unterbreitet. Dieser sieht zwischen Bahnhofstrasse, Tagelswangerstrasse und Bruggwiesenstrasse den Stadtgarten sowie rund 50 Wohnungen und 400 Quadratmeter Dienstleistungsflächen vor. Der Baubeginn ist im Jahr 2023 geplant. (erh)

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