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Koordinierter Einsatz der Rettungsdienste

Ernstfallübung auf brennender Panta Rhei

Ein herrenloser Rucksack explodiert auf einem Kursschiff: Die Blaulichtorganisationen probten am Montagabend den Ernstfall auf dem Zürichsee und dem Fährsteg in Horgen.

Redaktion
Tamedia
Dienstag, 07. September 2021, 09:20 Uhr Koordinierter Einsatz der Rettungsdienste

Der friedliche Spätsommerabend auf dem Zürichsee hat ein jähes Ende. Beim Fährsteg in Horgen sammeln sich Feuerwehren und andere Rettungsdienste. Ein Löschfahrzeug fährt auf eine Fähre, die sogleich auf den See hinaussteuert. Der Grund ist den vereinzelten Schaulustigen zu diesem Zeitpunkt bereits klar: Auf der Höhe von Horgen brennt das Kursschiff Panta Rhei. Vom Ufer her sieht man den Rauch.

Beim Kursschiff zeigt sich die Lage dramatisch. Kurz vor 20 Uhr ist ein Feuer ausgebrochen. Das Schiff steht mittlerweile in Flammen, der Rauch beisst in den Augen und im Hals. Einige der rund 80 Passagiere, die um 19 Uhr am Bürkliplatz eingestiegen sind, liegen verletzt am Boden. Andere sind panisch ins Wasser gesprungen. Wie ein Crewmitglied beobachten konnte, wurde das Feuer durch einen explodierenden herrenlosen Rucksack ausgelöst.

Ernstfall inszeniert

Ein Terroranschlag auf dem Zürichsee? Zum Glück nicht. Unter der Federführung von Bruno Keller, Kommandant der Kantonspolizei Zürich, wurde der Ernstfall inszeniert, um Rettungskonzepte und die Zusammenarbeit zwischen den Blaulichtorganisationen zu testen. Auch alle Passagiere auf dem Schiff waren Figuranten.

Der Fokus der Übung wurde in erster Linie auf die schnelle Rettung und Evakuierung der Schiffspassagiere gelegt. Diese Aufgaben übernahmen diverse Feuerwehren, unter anderem diejenige von Horgen, die Seepolizei sowie Seerettungsdienste, beispielsweise von Schutz und Rettung Zürich oder auch vom See-Spital Horgen. Um diejenigen Passagiere zu finden, die in der einsetzenden Dunkelheit ins Wasser gesprungen waren, kreiste ein Helikopter über dem See.

Für die Evakuierung der Passagiere auf der Panta Rhei wurde mit der MS Albis ein zweites Fahrgastschiff der ZSG eingesetzt, das von Wädenswil herkommend am Unglücksschiff angelegt hat, die Passagiere aufnahm und zur Fährstelle Horgen beförderte. Dort triagierte die Sanität und identifizierte die Polizei die geretteten Passagiere. Um die Unverletzten kümmerte sich der Zivilschutz.

Fahndung ausgelöst

Parallel zur Rettungsaktion musste aber auch kriminalpolizeilich ermittelt werden. Schliesslich wurde der Brand laut Drehbuch mittels eines herrenlosen Rucksacks ausgelöst. Dieser wurde von einer Person deponiert, welche das Schiff kurz danach wieder verlassen hat. Die Kantonspolizei musste ermitteln und eine Fahndung auslösen.

[Pascal Münger]

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