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Oktoberfest in Hinwil

Mögliche Covid-Zertifikatspflicht: Veranstalter bangt um die «HiWi Wiesn‘»

Am Wochenende vom 10. und 11. September ist mit der «HiWi Wiesn‘» die Premiere eines Hinwiler Oktoberfests geplant. Der hängige Bundesratsentscheid zur Einführung einer Covid-Zertifikatspflicht für Veranstaltungen lässt das Unterfangen zur Zitterpartie werden.

Matthias
Müller
Freitag, 27. August 2021, 16:30 Uhr Oktoberfest in Hinwil
Uster hat schon ein Oktoberfest, die Premiere in Hinwil ist dagegen noch in der Schwebe.
André Gutzwiller

Pascal Hotz hat eine schwierige Zeit hinter sich. Seit bald 18 Monaten hat der Event-Veranstalter aus Männedorf keine Projekte mehr umsetzen können. Eine eigentliche Befreiung hätte für ihn deshalb die für Freitag, den 10. und Samstag, den 11. September geplante «HiWi Wiesn‘» auf dem RAK-Areal in Hinwil werden sollen. Ein Fest in einem grossen Zelt mit einer Band, 30 Tischen, 240 Leuten, mehreren Hektolitern Bier ­– und bislang als «Veranstaltung OHNE Zertifikat» beworben.

«Die aktuelle Situation bereitet mir Kopfzerbrechen», gibt Pascal Hotz freimütig zu. Er weiss: Der für den Mittwoch erwartete Bundesratsentscheid hinsichtlich einer Ausweitung der Covid-Zertifikatspflicht könnte für sein Oktoberfest erhebliche Konsequenzen haben und ihm im schlimmsten Fall sogar den Garaus machen.

Wenn nötig, dann auch mit Zertifikat
«Natürlich würde ich mich den Auflagen beugen und versuchen, die Veranstaltung mit Zertifikat durchzuführen», sagt Hotz. Es bleibe ihm ja gar nichts anderes übrig. Doch weil er bislang erst für etwas weniger als die Hälfte der Plätze Reserverationen hat, könnte ihn eine zu grosse Anzahl Absagen in die Knie zwingen, da ihm die kurze Reaktionszeit nur noch sehr wenig Spielraum lassen würde.

Umgekehrt gebe es zwar auch die Möglichkeit, dass Leute sich dann sicherer fühlen und sich noch für einen Besuch entschliessen könnten, gibt Hotz zu bedenken. Doch man merkt ihm an, dass er bei der Sache ein mulmiges Gefühl hat. «Es hat Leute, die erst reserviert haben, nachdem sie sich zuvor telefonisch versichert hatten, dass es keine Zertifikatspflicht gibt.»

Veranstalter Pascal Hotz. Foto: PD

Die Entscheidung, das Oktoberfest bereits im Juni ohne Zertifikatspflicht auszuschreiben, verteidigt er. «Wir hatten im Juni nach den damaligen Vorgaben geplant und uns bewusst für eine gedeckelte Grösse von 240 entschieden.» Um das Zelt trotzdem voll wirken zu lassen und dennoch der Kapazitätsobergrenze von zwei Dritteln zu entsprechen, habe er entschieden, statt zehn nur acht Personen an einen Tisch sitzen zu lassen. Ausserdem habe er extra einen Termin im frühen September gewählt, um einer möglichen vierten Welle noch zuvor zu kommen. «Dass die ansteckendere Delta-Variante so früh einschlug, kommt uns selbstverständlich nicht entgegen.»

Ein weiterer erschwerender Umstand sind die finanziellen Perspektiven. Die Leute hätten zwar das Bedürfnis zu feiern, doch in der aktuellen Situation scheine der Respekt vor Veranstaltungen wieder zu steigen. «Das spüren auch andere Oktoberfeste, die Reservationen laufen schleppend», sagt Hotz. Ausserdem sitze auch in der Wirtschaft der Sponsoringfranken nicht mehr so locker wie in Vor-Pandemiezeiten. Zwar kann Hotz mit dem Zeltvermieter RAK auf einen starken Partner zählen, mit einer schwarzen Null herauszukommen, dürfte dennoch schwierig werden.

«Wir wollen proaktiv sein, der Bevölkerung ein Signal geben, dass es weiter geht. Vielleicht kommt und das ja auch im nächsten Jahr zugute.»

Pascal Hotz, Veranstalter «HiWi Wiesn'»

Ins Korn werfen mag Pascal Hotz die Flinte trotz aller Widrigkeiten nicht. Seit Juni ist er mit den Vorbereitungen beschäftigt, im Projekt steckt eine Menge Herzblut. So hat er beim Bundesamt für Gesundheit nach dem Status seines Fests angefragt ­– die Antwort ist noch offen. Mit der Apothekenkette «Toppharm» hat er immerhin schon einen nahe am Festgelände gelegenen Partner, bei dem man sich auch Samstag bis um 17.30 Uhr testen lassen kann. Und sobald er weiss, wie die Rechtslage aussieht, werde er die Leute kontaktieren, die bereits reserviert haben.

Aller Unklarheit zum Trotz gibt er sich kämpferisch: «Wir wollen proaktiv sein, der Bevölkerung ein Signal geben, dass es weiter geht. Vielleicht kommt uns das ja auch im nächsten Jahr zugute.»

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