×
Fehraltorf

Sie steht seit 50 Jahren in der Dörranlage

Fehraltorf gehört zu den acht Gemeinden im Kanton Zürich, die noch ein eigene Dörranlage betreiben. Betreut wird sie seit 50 Jahren von Anna Schuppli.

Eduard
Gautschi
Donnerstag, 26. August 2021, 17:00 Uhr Fehraltorf

Zwei grosse Tische, drei hohe Trocknungsöfen und eine Waage, auf der man bis zu 100 Kilogramm abwägen kann, prägen den grossen Raum der Fehraltorfer Dörranlage. Unter den Tischen befinden sich unzählige Roste. Es sind feine Gitter, die in Holzrahmen gespannt sind. Sie stehen senkrecht in Reih und Glied da und warten darauf, mit Früchten und Gemüse beladen zu werden und dann in einen der Öfen geschoben zu werden.

Bis zu 18 Roste finden in einem Ofen Platz. Doch das ist meist ein rein theoretische Zahl. Derzeit läuft in der Dörranlage nicht viel. Das Wetter habe dafür gesorgt, dass alles etwas später reif sei. Für die Betreiberin Anna Schuppli ist das kein Grund zur Beunruhigung.

Bis zu zwölf Tonnen pro Jahr

«In einem schlechten Jahr dörren wir hier etwa vier Tonnen Früchte und Gemüse, in einem Spitzenjahr können es auch einmal zwölf Tonnen sein», sagt Schuppli. Dann aber hat sie alle Hände voll zu tun. Sie nimmt das Material entgegen, dass mehrheitlich Einwohnerinnen von Fehraltorf zum Dörren vorbeibringen. Deren Anlage ist eine von noch insgesamt acht im ganzen Kanton.

Schuppli vor einem der Trocknungsofen. (Foto: Christian Merz)

Angeliefert werden muss es in dörrfähigem Zustand. In der Aanlage werden keine Äpfel in Stückchen geschnitten. Diese Arbeit muss zuhause erledigt werden. Einzige Ausnahme bilden Tomaten. «Die werden hier halbiert», sagt Schuppli.

Im Voraus bezahlen

Die Betreiberin nimmt an diesen Tagen die Dörrware entgegen, wiegt sie und lässt sich den Preis sogleich gegen Quittung bezahlen. Mit der Quittung in der Hand holen die Kunden ihre Ware dann wieder ab. Schuppli ist nicht nur während der Öffnungszeiten in der Dörranlage anzutreffen.

«Am nächsten Morgen kontrolliere ich das Dörrgut, fülle das fertig Gedörrte ab und lasse den Ofen weiterlaufen für die Früchte oder das Gemüse, das noch ein paar Stunden braucht, bis es fertig gedörrt ist.» Getrocknet wird die Ware bei 50 bis 60 Grad. Eine Ausnahme bilden Baumnüsse. Sie werden bei Raumtemperatur getrocknet, im Ofen läuft dann nur die Lüftung.

Kunden haben einen Garten

Wer aber nutzt die Dörranlage? Schuppli: «Oft sind es Bauersfrauen und Hobbygärtner mit einem grossen Garten.» Wenn die Kapazität des eigenen kleinen Dörrex überschritten wird, bietet sich die Dörranlage an. Wenn man 30 Kilogramm Bohnen dörrt, wird man dies kaum auf dem eigenen Dörrex tun. Das würde viel zu lange dauern. Fraglich ist auch, ob man das Kilogramm Bohnen zuhause für 1,10 Franken überhaupt dörren kann und die Dörranlage nicht sogar billiger wäre.

Dörrbohnen frisch aus dem Ofen. (Foto: Christian Merz)

Das grössere Mengen zum Dörren gebracht werden, kommt oft vor, sagt Schuppli. «Wenn jemand einen Zwetschgenbaum hat, kann es vorkommen dass er gleich mehr als einen Harass voll zum Dörren bringt.» Zwetschgen seien denn auch heikel zu dörren: «Entscheidend ist, wie reif die Früchte sind», sagt Schuppli. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Während für Früchte und Gemüse fixe Preise gelten, wird für das Dörren von Zwetschgen zwischen 1,5 bis 3 Franken pro Kilogramm Frischprodukt verlangt.

Viele Pilze getrocknet

Neben Früchten, Nüssen und Gemüse werden in der Dörranlage auch Pilze zum Trocknen angeliefert. «Letztes Jahr waren es besonders viele, weil die Pilzsucher ihre Pilze den Restaurants nicht verkaufen konnten. Die Beizen waren ja geschlossen. Also wurden die Pilze getrocknet und teilweise pulverisiert und zu Gewürz verarbeitet.»

Während des Besuches in der Dörranlage tauchen nur zwei Kunden auf. Ein Mann holte die getrockneten Bohnen ab, die nach dem Trocknen in einen Stoffsack abgefüllt worden waren. Stoffsäckchen sind dafür ideal. An der Wand hängen denn auch ein gutes Dutzend solcher Säckchen, die Schuppli genäht hat und ihren Kunden verkauft.

Peperoni trocknen

Die zweite Kundin an diesem Abend war eine Frau, die knallrote, halbierte Peperoni zum trocknen ablieferte. Schuppli: «Für diese kleine Menge lohnt es sich nicht, einen Ofen laufen zu lassen, ich dörre sie deshalb im Dörrex, den ich einmal im Brockenhaus erstanden habe und den ich in der Dörranlage für solche Fälle einsetze.»

Schuppli ist es gewohnt, dass in einem Jahr viel, in einem andern wenig Dörrgut anfällt. Grundsätzlich ist die Menge über die Jahre hinweg jedoch gesunken. Einen grösseren Einfluss auf die Menge habe die Verbreitung von Kühltruhen gehabt. Das habe sich direkt auf die Dörrmenge ausgewirkt, sagt Schuppli.

In den 50 Jahren, die sie die Gemeindeeigenen Dörranlage betreut, hat sie sich einen grossen Erfahrungsschatz angeeignet. Dazu gehört, dass sie Zwiebeln immer auf den obersten Rosten platziert – wegen dem Geschmack. «Erst eine Kundin hat gesagt, das Dörrgut rieche leicht nach Zwiebeln», sagt Schuppli und schmunzelt: «Wahrscheinlich hat sie gesehen, dass auch Zwiebeln im Ofen waren.»

Die Dörranlage befindet sich an der Rumlikerstrasse 2 in Fehraltorf. Geöffnet ist sie von August bis Mitte Oktober jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag von 18.30 bis 19 Uhr. Von Mitte Oktober bis Mitte November jeweils nur noch am Mittwoch von 18.30 bis 19 Uhr.

Kommentar schreiben