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Hittnauer Whisky-Kenner

Seine Degustationen finden nun online statt

Andreas Salim aus Hittnau ist begeisterter Whisky-Kenner – wie schon sein Vater. Zur Sammlung im Kemptthaler Valley zählen die seltensten Destillate der Welt.

Mirja
Keller
Samstag, 03. April 2021, 10:04 Uhr Hittnauer Whisky-Kenner

Hätte der schottische Whisky eine zweite Heimat, wäre diese wohl in und um Illnau. Hier hat Hans Peter Salim, der lange das Restaurant Rössli in Illnau geführt hatte, einst ein Liebhabermuseum betrieben. Und unweit davon hat nun sein Sohn im Kemptthaler Valley Fuss gefasst. Mit seinem Fach- und Onlinehandel für Spirituosen «Maltymore» will er weiterführen, was sein Vater aufgebaut hat.

«Mein Vater hat viel Herzblut in den Whisky und seine Szene gesteckt. Ich kümmere mich nun um den wirtschaftlichen Hintergrund», sagt der heute in Hittnau wohnhafte Andreas Salim.  Kurz vor Ausbruch der Pandemie ist er deshalb mit tausenden von Whisky- und weiteren Spirituosenflaschen in das einstige Maggi-Areal gezogen.

Whisky bis unter die Decke

Die bis zu 60 Jahre alten Whiskies, die der Vater gesammelt hat, lagern nun in Kemptthal, wo sie sich bis unter die vier Meter hohe Decke stapeln. Verstauben werden sie hier allerdings kaum. Die Destillate bietet Salim nämlich immer wieder in Tastings an – und da diese vor Ort derzeit nicht mehr möglich sind, führt er sie nun eben online durch.

«Die virtuellen Tastings können das gesellige Beisammensein vor Ort nicht ersetzen», gibt Salim unumwunden zu. Den Teilnehmenden fehle der lockere Austausch, der sich normalerweise am Ende des Abends ergebe. Dennoch würden die Online-Tastings, an denen im Schnitt etwa 30 Personen teilnehmen, bisher auf grosses Interesse stossen: «Ich überlege, ob ich sie auch nach der Pandemie weiterführen werde», sagt Salim.

Gerade für Whiskyeinsteiger sei eine Online-Durchführung interessant, da sie relativ passiv bleiben können. «Wer sich nicht exponieren will, stellt eben die Kamera aus und stellt seine Fragen im Chat.»

Experten aus aller Welt

In den Tastings stellen Whiskyexperten aus der ganzen Welt ihr Werk vor – ihre Proben werden den Teilnehmern zeitig vor dem Event postalisch zugestellt. Salim konnte das Netzwerk, das sein Vater über Jahre aufgebaut hat, um einige Whiskykenner erweitern.

In seinen Wanderjahren ist Andreas Salim als Hotelier herumgekommen, hat unter anderem in England und in den USA gearbeitet. «Erst wollte ich eigentlich etwas anderes machen als meine Eltern», erinnert er sich. Nach seiner Lehre als Schlosser kam er von diesem Plan aber wieder ab und wechselte in die Hotellerie.

Auf Du und Du mit den Brennmeistern

«Die Gastronomie liegt in der Familie, so bin ich aufgewachsen», sagt Salim heute. Dass nicht nur das Gastgebersein, sondern auch die Welt der Whiskies abfärbte, dafür sorgte sein Vater schon früh. Er nahm die Familie auf diverse Ausflüge nach Schottland mit. «Wir haben zahlreiche Destillerien besucht und kannten viele Brennmeister persönlich», so Salim. Von den Besuchen zeugen noch heute Fotos an den Wänden seines Ausstellungsraumes. Daneben belegen Landkarten, wie dicht die Szene der Brennereien in Schottland noch heute ist.

Als besonders wertvoll gilt der Single Malt Whisky, von dem in Salims Showroom einige Exemplare lagern. (Foto: Christian Merz)

Viele Destillerien produzieren hauptsächlich für sogenannten Blended Whisky, also eine Mischung verschiedener Whiskies. Salims Kundschaft interessiert sich jedoch für ein selteneres Produkt: «Die meistverkaufte Rubrik ist eigentlich der Single Malt Whisky.» Salim hat mit der Eröffnung seines neuen Standortes im letzten Frühjahr zwar auf weitere Spirituosen wie Gin und Rum expandiert, dennoch bleibt der Single Malt jedoch ein wichtiges Standbein.

Unkomplizierter Konsum

Er gilt als qualitativ besonders hochwertig und wird – je nach Jahrgang und Alter – unter Kennern teuer gehandelt. Auch Hans Peter und Andreas Salim versteigern ihre Whisky-Raritäten teils auf dem Auktionsmarkt. Obwohl dabei Destillate aus dem letzten Jahrhundert  für gut tausend Franken den Besitzer wechseln, betont der Hittnauer: «Guter Whisky muss nicht teuer sein.» Auch in der Preisklasse ab 50 Franken würden sich gute Produkte finden lassen.

«Bei vielen Konsumenten hört das Verständnis auf, wenn sie erfahren, wie teuer Spirituosen teilweise verkauft werden. Aber das ist die eine wirtschaftliche Seite des Whiskies, es gibt auch andere.»  So plädiert der Connaisseur im Allgemeinen für eine unkomplizierte Konsumkultur. Für ihn gebe es keine Do’s and Dont’s, sagt Salim: «Man braucht kein Experte zu sein, um Whisky zu trinken und sich eine Meinung darüber zu bilden.»

Das nächste Online-Tasting findet am Donnerstag, 15. April, um 19.30 Uhr statt. Anmeldeschluss via www.maltymore.com ist am 6. April.

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