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Erste Frau an Spitze einer Landeskirche

Ehemalige Ustermer Gemeindepfarrerin schafft Historisches

Bis 2011 wirkte Rita Famos in Uster - zunächst als Dekanin im Pfarrkapitel, später dann als Gemeindepfarrerin. Kirchenpolitisch war sie dabei stets aktiv. Jetzt führt die Ustermerin sogar eine ganze Glaubensgemeinschaft.

Agentur
sda
Montag, 02. November 2020, 12:51 Uhr Erste Frau an Spitze einer Landeskirche
Rita Famos ist seit 28 Jahren in verschiedenen Funktionen für die reformierte Kirche tätig.
Foto: PD

Erstmals steht mit Rita Famos in der Schweiz eine Frau an der Spitze einer nationalen Glaubensgemeinschaft. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) wählte Famos an einer virtuellen Herbstsynode in Bern zu ihrer neuen Präsidentin.

Famos erreichte im ersten Wahlgang mit 47 Stimmen das absolute Mehr der stimmberechtigten Anwesenden deutlich. Die Ustermerin wurde für die Amtsdauer 2021 bis 2022 gewählt. Zum Rennen für das EKS-Präsidium angetreten war neben Famos auch die Westschweizer Pfarrerin Isabelle Graesslé. Auf Graesslé entfielen 25 Stimmen.

Die neugewählte EKS-Präsidentin sagte nach ihrer Wahl in einer Videobotschaft, sie sei sehr glücklich über das in sie gesetzte Vertrauen. Sie werde «die Ärmel hochkrempeln» und dazu beitragen, dass sich die evangelische Kirche gemeinsam bewege. Die Kirche lebe von der Vielfalt und der Arbeit an der Basis. 

«Fröhliche Macherin»

Vor der Wahl hatten sich verschiedene Delegierte der Kantonalkirchen für Famos ausgesprochen. Dabei wurde sie mehrfach als tatkräftige, dynamische und vermittelnde Person bezeichnet. Die EKS sei durch die Geschehnisse rund um den bisherigen EKS-Präsidenten Gottfried Locher erschüttert worden und diese Krise sei noch nicht überwunden. Sie sei die richtige für diese schwierige Lage.

Die Delegierte der Zürcher Kantonalkirche bezeichnete Famos als Zürcher Kandidatin, auch wenn sie eine Bernerin mit Bürgerorten in Graubünden und Luzern sei. Sie sei «eine fröhliche Macherin, auf die Verlass sei und die die Kirche vorantreiben» wolle.

Delegierte aus dem Kanton Waadt verwiesen vergebens darauf, dass es sei 35 Jahren keinen Westschweizer Präsidenten oder eine Westschweizer Präsidentin in der Evangelischen Kirche gegeben habe.

Unrühmlicher Abgang

Die 54-jährige Famos hatte bereits vor zwei Jahren für das Amt kandidiert und war damals gegen Locher unterlegen. Famos ist seit 28 Jahren in verschiedenen Funktionen für die reformierte Kirche tätig. Seit 2013 ist sie in der Zürcher Landeskirche Abteilungsleiterin Spezialseelsorge.

Die im Kanton Bern geborene und aufgewachsene Famos ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Ihr Mann Cla Famos ist FDP-Stadtrat in Uster. Famos selber gehört nach eigenen Angaben keiner Partei an.

Der bisherige EKS-Präsident, Gottfried Locher, war im Mai nach Vorwürfen im Zusammenhang mit mutmasslichen Grenzverletzungen gegenüber kirchlichen Mitarbeiterinnen zurückgetreten.

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