×

Hollywoodstar Jack Black lässt Vaginen und Penisse fliegen

Tenacious D in Dübendorf

Hollywoodstar Jack Black lässt Vaginen und Penisse fliegen

Tenacious D, das Rock-Duo von Hollywood-Schauspieler Jack Black, spielte am Donnerstagabend in der vollen Samsung Hall. Den infantilen Inhalten stand dabei ein gut komponierter und gespielter Rock’n’Roll gegenüber.

David
Kilchör
Freitag, 21. Februar 2020, 11:00 Uhr Tenacious D in Dübendorf

Jack Black ist ein primitiver Hund, ein Rock’n’Roll-Monster, ein Kindskopf. Aber er ist auch ein grossartiger Rock-Komponist, ein sehr anständiger Entertainer und ein erstaunlich vielschichtiger Sänger.

Diese Charakteristiken ruft der Hollywood-Star mit seinem Duo-Partner von Tenacious D, Kyle Gass, am Donnerstagabend in allen Nuancen ab. Die Samsung Hall in Stettbach ist voll, der durchschnittliche Fan trägt ein Band-T-Shirt, vielleicht von Pink Floyd oder Deep Purple, vielleicht auch eine Rocker-Weste, auf der ein Anarchie-Zeichen oder der Schriftzug «Jesus Freak» prangt.

Trickfilm statt Live-Musik

Wobei: Einen Durchschnittfan gibt’s eigentlich gar nicht. Wer hier auftaucht, will sich einfach von der black‘schen Rock’n’Roll-Komödie den Abend aufhellen lassen.

Allerdings kommt zu Beginn nicht unbedingt das, was das Publikum sich wünscht. Auf einer bühnenfüllenden Leinwand geht die Show mit dem Trickfilm «Post-Apocalypto» los, dem jüngsten Youtube-Projekt des Duos. Darin löst eine Explosion die Apokalypse aus. Jack Black und Kyle Gass überleben, geraten in die Fänge macht- und sexhungriger Amazonen, bekämpfen fliegende Penis-Drachen und kriechende Vagina-Monster, später dann auch Ku-Klux-Klan-Soldaten vor dem weissen Haus.

Die Filmsequenzen unterbrechen die beiden immer wieder mit Songs, die sie hinter dem transparenten Vorhang spielen. Die Story macht wenig Sinn und lebt von infantilem Humor.

Dem Publikum dauert das trotz einiger Lacher irgendwann zu lange. Es wird unruhig, schwatzt laut während der Filmsequenzen, der Bierkonsum steigt.

Tenacious D
Eine Vagina-Falter auf der Leinwand vor dem Rock-Duo Tenacious D.
Michelle Brügger

Nach 40 Minuten machen die beiden Musiker gerade noch rechtzeitig Schluss, treten vor den Vorhang und sagen, was hier soeben geschehen ist. «‘Tommy‘ von The Who! ‚The Wall‘ von Pink Floyd – und nun ‚Post Apocalypto‘ von Tenacious D!», ruft Jack Black. Das sei gerade eine Rock-Oper gewesen, nach allen Regeln der Kunst. Und jetzt komme Teil zwei des Konzerts, «The Greatest Hits!». Das Publikum johlt.

Und das tut es für den ganzen Rest des Abends. Song für Song, Zeile für Zeile, Wort für Wort, im Gleichklang mit der Band. Tenacious D hatte, abgesehen vielleicht vom Song «Tribute», bis heute keinen echten Hit zu verzeichnen. Und doch kann hier jeder alles mitsingen – und das sind mehrere Tausend Menschen im Saal.

Das Publikum johlt beim Song «Tribute» selbst die gesprochenen Zeilen mit.

Dieser Umstand erstaunt umso mehr, als dass die Inhalte des zweiten Konzertteils der infantilen Rock-Oper vom Anfang locker die Stange halten. Mal müssen die beiden Herren gemäss Liedtext einem Dämon beweisen, dass sie tolle Musiker sind. Dann wieder erörtern sie einer Frau, wie sie sie exakt begatten wollen.

All das verpackt das Duo musikalisch äusserst vielschichtig. Elemente aus Country, Südstaatenrock, Metal und Blues vermengen sie spielerisch zu einem wechselhaften Programm. Sie arbeiten mit dynamischen Steigerungen, kompositorischen Brüchen, eingängigen Refrains. Jack Black ruft dabei stimmlich eine erstaunliche Emotionenpalette ab. Er schmeichelt, zürnt, jammert. Und manchmal schreit er einfach sinnlos.

Der Kontrast könnte kaum krasser sein: So viel Musikgenie, so viel Gefühl, und das für so banalen Blödsinn. Genau darin steckt der Geist von Jack Blacks Komödie. Seine Figur will etwas sein, was ihr Wesen niemals zulassen wird, wenngleich es die technischen Voraussetzungen dafür erfüllt. Die Reaktion der beiden Musiker darauf ist sowohl Spott an der heiligen Aura des Rock’n’Rolls, als auch die Glorifizierung derselben. Jack Black und Kyle Glass wollen sich nicht entscheiden. Weil der Rock’n’Roll, den sie so lieben, sie im Gegenzug verachtet. Wer all diese Songs Wort für Wort mitsingt, trägt diesen inneren Konflikt womöglich genauso in sich.

Kommentar schreiben

Kommentar senden