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Mayhem-Konzertverhinderer kämpft gegen «exzessive Unkritik»

Nichts mit der Juso am Hut

Mayhem-Konzertverhinderer kämpft gegen «exzessive Unkritik»

Die norwegische Black-Metal-Band Mayhem gibt einem Fan die Schuld, dass in ganz Europa Konzertabsagen gefordert werden - so auch in Wetzikon. Jetzt spricht der Fan selber.

David
Kilchör
Montag, 18. November 2019, 18:01 Uhr Nichts mit der Juso am Hut
Die Black-Metal-Band Mayhem aus Norwegen kommt nach Wetzikon - ein streitbarer Auftritt.
PD

Homophobie und Rassismus werfen Kritiker einzelnen Mitgliedern der norwegischen Black-Metal-Band Mayhem vor. Die Juso Zürcher Oberland versucht aus diesem Grund, das Konzert der Band zu verhindern, das am Mittwochabend in der Wetziker Hall of Fame stattfindet. Doch die Veranstalter wollen davon nichts wissen (wir berichteten).

Die Band hat sich zudem von ihren Aussagen distanziert und behauptet, hinter der Aktion stehe eine einzelne Person, die sämtliche Konzerte der Europatour torpediere. Sie nennt den Mann in einer Mitteilung beim Namen, behauptet allerdings, es handle sich dabei um ein Pseudonym.

Nun hat sich der Mann – er ist selber ein Black-Metal-Fan – bei der Redaktion gemeldet. In einer Email bittet er, auf die Namensnennung zu verzichten, da dies sein tatsächlicher Name sei.

«Ich bin auch jenseits von Mayhem der Meinung, dass es mehr Kritik braucht.»
Fan, der Konzertabsagen fordert

Er betont, dass er weder einer Institution angehöre, noch im Namen einer Non-Profit-Organisation agiere. «Ende Oktober und Anfang November wandte ich mich aus einer spontanen Reaktion heraus an die jeweiligen Veranstaltungsorte und schrieb an diverse lokale LGBT-Vereine.» Er habe keinen Bezug zu einer politischen Gruppe oder Partei. Auch habe er sich an niemand sonst gewendet, bis auf die Veranstaltungsorte, die LGBT-Vereinen und vereinzelte Medien. «Ich übernehme daher ausschliesslich Verantwortung für Schreiben meinerseits, die durch mich selber an genannte Empfängergruppen übermittelt wurden.»

Die Juso selber teilt mit, dass eines ihrer Mitglieder die Band kenne und die Partei auf die Unzulänglichkeiten des Schlagzeugers Hellhammer aufmerksam gemacht habe (siehe Box). Ein direkter Kontakt zu besagtem Fan hat demnach nicht stattgefunden.

Dem Ärger Luft gemacht

Der Fan selber sagt, er habe von der geplanten Tour von Mayhem gehört und sich über die «exzessive Unkritik» geärgert. Deshalb habe er in die Tasten gehauen und seinem Ärger Luft gemacht.

«Ich bin auch jenseits von Mayhem der Meinung, dass es mehr Kritik braucht, wenn es um meines Erachtens eher fragwürdige Protagonisten der norwegischen Black-Metal-Szene geht.» Er sei als Fan einfach enttäuscht und verärgert, mit welcher Unkritik die Metal-Szene teils bedenkliche Vertreter und Aspekte des Subgenres behandle.

«Immerhin wurde durch den Bericht meines Wissens tatsächlich erstmals eine klare Distanzierung der Band publik.»
Fan

«Ich glaube, dass es wichtig war, hierauf aufmerksam zu machen», sagt der Fan. Das Aufstehen der Juso und die redaktionelle Berichterstattung dieses Mediums zeigten ihm, dass seine Briefe oder Emails irgendetwas gebracht haben könnten. «Immerhin wurde durch den Bericht meines Wissens tatsächlich erstmals eine klare Distanzierung der Band publik.»

Keine weiteren Aktionen

Der Fan glaubt, er könnte selber etwas naiv gehandelt haben. Und doch hoffe er, einen wichtigen Anstoss für mehr Kritik im Umgang mit bestimmten Vertretern der Szene geliefert zu haben. «Ich bin der Meinung, dass es einen Anstoss braucht und bestimmte Bedenken hinsichtlich der Szene nicht einfach unkritisch totgeschwiegen werden dürfen.»

Für ihn sei die Sache damit erledigt, er werde auch keine weiteren Mails an LGBT-Vereine oder Veranstaltungsorte mehr schicken. «Ich bin einzig und ausschliesslich ein Fan des Genres, der hier spontan seinen Ärger kund gemacht hat.»

Die Kritik

Homophobe und rassistische Äusserungen werden vor allem dem Drummer von Mayhem mit dem Pseudonym Hellhammer vorgeworfen. Zum einen äusserte er sich in einem Buch über Norwegens Black-Metal-Szene mit den Worten, dunkelhäutige Menschen hätten im Black Metal nichts verloren. Generell sehe er - wie bei Tieren - einen Unterschied der Intelligenz bei den verschiedenen Rassen. Und in einer Doku applaudierte er einige Jahre später einem anderen Balck-Metal-Schlagzeuger verbal, der einen Homosexuellen erstochen hatte, der ihn sexuell belästigt habe. Zu letzteren Äusserungen schreibt die Band, diese seien missverstanden worden. Hellhammer habe lediglich sein Verständis für die Notwehrsituation des später wegen Mord verurteilten Schlagzeugers kundgetan. (kö)

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