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Faustschlag war keine schwere Körperverletzung

Faustschlag war keine schwere Körperverletzung

Nach einem Disput im Oberland wurde ein Schläger zu Recht bloss wegen versuchter einfacher und nicht wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Mittwoch, 29. Juli 2015, 18:55 Uhr

In der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 2012 besuchten ein Mann und zwei Kollegen einen Nachtclub im Zürcher Oberland. Zwischen 1 und 2 Uhr begab sich der alkoholisierte Barbesucher zu einer Table-Dance-Stange und begann zu tanzen. Als er gar Anstalten traf, sich auszuziehen, forderte ihn ein Angestellter auf, damit aufzuhören und zurück zur Bar zu gehen. In seinem alkoholisierten Zustand versetzte der Möchtegern-Table-Dancer dem Aufseher einen Stoss, worauf er von diesem eine Ohrfeige kassierte. Faustschlag gegen den Kiefer

Der Geohrfeigte fragte daraufhin seinen Widersacher, was das solle. Daraufhin verpasste ihm der Aufseher einen heftigen Faustschlag auf die rechte Kieferseite. Schliesslich griff ein Dritter ins Geschehen ein und gab dem Barbesucher im Laufe der Diskussion einen weiteren, heftigeren Faustschlag gegen die linke Gesichtshälfte. Daraufhin fiel der Geschlagene nach hinten und blieb rund 20 Sekunden bewusstlos am Boden liegen.

5000 Franken verlangt

Das Bezirksgericht Uster verurteilte den Aufseher wegen versuchter einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 70 Franken und einer Busse von 1000 Franken. Zudem muss der Schläger dem Barbesucher ein Schmerzensgeld von 500 Franken bezahlen.

Gegen diesen Entscheid erhob der Barbesucher Beschwerde ans Zürcher Obergericht und später ans Bundesgericht. Er verlangte, dass der Aufseher wegen schwerer Körperverletzung verurteilt wird und ihm ein Schmerzensgeld von 5000 Franken zu bezahlen hat.

Schlag von Unbekanntem

Das Bundesgericht hat die Beschwerde nun abgewiesen; damit bleibt es beim Entscheid des Bezirksgerichts Uster und bei der Verurteilung wegen versuchter einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten. Grund: Der entscheidende Schlag, welcher den Barbesucher niederstreckte und in Bewusstlosigkeit fallen liess, hatte ihm nicht der Aufseher, sondern der unbekannte Dritte verpasst. Dies hatten die beiden Kollegen des Niedergeschlagenen so zu Protokoll gegeben. Der Mann, der Beschwerde einlegte, muss die Gerichtskosten von 800 Franken bezahlen.

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