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Federn – wärmen, verführen, fliegen

Startdatum
Enddatum
Kategorie
Ausstellungen/Museen

Wer sich in eine wärmende Daunenjacke kuschelt oder in einem Federbett versinkt und wohlig einschläft, weiss: Federn sind herausragende Schöpfungen der Natur. Sie sind so alltäglich wie staunenswert. Tausende Federn bedecken die Körper der Vögel, hochspezialisiert, je nach ihrer Funktion im Vogelkleid. Federn wärmen und kühlen, halten trocken, schmücken und tarnen. Gleichzeitig ist gerade die Schwungfeder ein aerodynamisches Meisterwerk, das den Vögeln etwas ermöglicht, wovon wir Menschen seit Jahrtausenden träumen: das Fliegen. Die Ausstellung «Federn – wärmen, verführen, fliegen» verneigt sich vor diesem äusserst komplexen Gebilde aus Keratin und bietet einen Überblick über seine verführerische Schönheit und Formenvielfalt. Sie untersucht die zahlreichen Funktionen der Federn, ihren kulturgeschichtlichen Gebrauch sowie die aktuelle Bedeutung im Design, in der Kunst und in der Popkultur.

Der Vogel, sein Federkleid und der Mensch
Ausgehend von Einzelfedern und Präparaten aus dem Tierreich wirft die Ausstellung einen Blick auf die funktionalen und ästhetischen Wesensunterschiede von Federn: Konturfedern, Daunen, Borstenfedern und viele andere können wärmen, kühlen, trocken halten, schmücken oder auch tarnen. Gleichzeitig wird anhand von ausgewählten Aspekten das Verhältnis zwischen Mensch und Vogel ergründet. So wirft «Federn – wärmen, verführen, fliegen» einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Biodiversität und hinterfragt das Geschäft mit Vogelfedern. In unserem Alltag treten die kommerziell gehandelten Federn vielerorts zu Tage: Beispiele dafür sind Federpinsel, Federbälle, Federboas, Daunendecken und -jacken, aber auch Katzenspielzeug oder die «Fliegen» zum sogenannten Fliegenfischen, wie sie die Schweizer Kunsthand-werkerin Daniela Misteli produziert.

Produkt- und Textildesign, Mode und Schmuck
Die lange Tradition des Gebrauchs von Federn in der Mode, in der Gestaltung von Designobjekten, Hüten, Schmuck und anderen Accessoires sowie in der Verarbeitung von Stoffen bringt auch heute bemerkenswerte Arbeiten hervor, die durch ihre Ästhetik und handwerkliche Exzellenz, ihre kritische Reflexion oder Neuinterpretation bestechen. Der Produktedesigner Glen Baghurst beispielsweise versieht Möbelstücke mit Leder und Federn, und die Designerin Heike Buchfelder kreiert kunstvolle Federlampen.

Mit vier Designerinnen und Designern erhält die Metropole Paris eine starke Position in der Ausstellung: Betony Vernon interpretiert erotisches Spielzeug neu und besetzt es mit Straussen- und Hahnenfedern; auch die junge Schmuckdesignerin Marion Delarue kreiert bemerkenswerte Federpreziosen. Daneben führt der junge Designer Maxime Leroy das alte Handwerk des Plumassiers in einer neuen gestalterischen Sprache weiter und die Textilgestalterin Janaina Milheiro entwirft mit handwerklicher Präzision filigrane, federleichte Stoffe und Entwürfe, die sie mit Federn verarbeitet. Die Haute Couture der Belgier Modedesignerin Ann Demeulemeester wiederum betört mit moderner Sinnlichkeit, während der Stop-Racism-Look von Walter van Beirendoncks eine kritische Reflexion unserer Zeit und ein Zeichen gegen kulturelle Aneignung in der Mode ist.

Zeichen des Widerstands
In der Popkultur ist die Feder ein häufig eingesetztes Bild. In der Ausstellung findet sie sich als naturnahes und schwereloses Mittel der Inszenierung bei Sängerinnen wie Florence Welch, fotografiert von André Pinces, oder bei PJ Harvey, aufgenommen von Seamus Murphy; aber auch als aufsehenerregendes Accessoire in Fashionshows, etwa bei Victoria Secrets, oder in Musikvideos, unter anderem von Kat Frankie. In Abgrenzung dazu werden Federn auch als eindringliches Zeichen der eigenen kulturellen Identität genutzt, die gegen die kulturelle Vereinnahmung ankämpft. Der indigene US-Rapper und Fancydancer Supaman trägt seinen traditionellen Federschmuck als Zeichen seiner Herkunft und für den Kampf für die Rechte indigener Völker.

Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14
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