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Erpressungsfall «Globe»: Besitzer spricht von leeren Drohungen

Erpressungsfall «Globe»: Besitzer spricht von leeren Drohungen

Moralisten wollen Fotos von Besuchern im Schwerzenbacher Sexclubs Globe besitzen. Dabei sind dort gar keine Handys erlaubt. Auffallend: das Geld soll per Internetwährung Bitcoin an die Erpresser überwiesen werden.

Montag, 22. Februar 2016, 15:13 Uhr

Die Besitzer des Sexclubs Globe in Schwerzenbach und dessen Besucher werden erpresst (wir berichteten). In einem Brief, der den Betroffenen per Post zugestellt und vom «Blick» veröffentlicht wurde, werden von den Besitzern 75'000 und von den Kunden je 1999 Franken verlangt. Die Überweisung soll per Zahlungssystem und Internetwährung Bitcoin erfolgen. Ansonsten würden «Moralisten», so lautet der Absender, Kundendaten und Fotos im Internet veröffentlichen. «Leere Drohungen» «Globe»-Geschäftsführer Fritz Müller stolpert im Brief über die Passagen «Wir sind im Besitz der persönlichen Daten von Euren Kunden» und «Wir wissen mit wem Du wie lange, für wie viel, was gemacht hast.» Das seien leere Drohungen, sagte er gegenüber «Tele Züri». Im grössten Freudenhaus der Schweiz seien Handys verboten, weshalb auch keine Bilder von Besuchern existieren. An die Adressen der Kunden müssen der oder die Erpresser durch die Kennzeichen der parkierten Autos gekommen sein. Die «Globe»-Betreiber haben bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet und Sicherheitspersonal eingestellt, welches auf dem Gelände patrouilliert. Bitcoin – kein neues Phänomen Die Zürcher Kantonspolizei bestätigt auf Anfrage, dass die Ermittlungen aufgenommen worden seien. Die Anzahl der eingegangen Anzeigen bewege sich im einstelligen Bereich, sagt Mediensprecher Stefan Oberlin. Beim Absender «Moralisten» habe es die Polizei mit einem neuen Täter oder einer neuen Täterschaft zu tun. Interessenterweise soll die Zahlung per Bitcoins erfolgen. «Bitcoin ist für die Polizei kein neuartiges Phänomen. Es gibt Möglichkeiten, diese Überweisung zu verfolgen», sagt Oberlin. Beim Zahlungssystem Bitcoin wird das Geld im Gegensatz zum herkömmlichen Bankverkehr ohne zentrale Abwicklungsstelle überwiesen. Im weitesten Sinne erfolgt die Übergabe über einen virtuellen toten Briefkasten. Der Marktwert von Bitcoins ergibt sich aufgrund von Angebot und Nachfrage. Wer schrieb den Erpresserbrief? Weitere Informationen gibt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt. Sie empfiehlt allen, die ein Erpresserschreiben erhalten haben, Anzeige zu erstatten. Geschäftsführer Fritz Müller kann nur mutmassen, wer das Erpresserschreiben verfasst haben könnte: Vielleicht ein Konkurrent oder eine Gruppierung, welche das Rotlicht-Milieu ins Visier genommen habe. «Diese Moralisten wollen weniger unseren Kunden, sondern mehr dem Club schaden», sagte Müller in die Kameras von «Tele Züri». Buttersäureanschlag und Razzien In seiner elfjährigen Geschichte hat das «Globe» schon einen Brand- und einen Buttersäureanschlag sowie zahlreiche Razzien überstanden. «Ärger mit den Behörden und den Besuchern gehört zum Alltag eines Sexclubs», sagte Müller einst in einem «Blick-»Interview. Wenn es keine Razzien gäbe, sei das ein Zeichen dafür, dass der Laden nicht laufe. Die aktuellen Erpresserbriefe, dessen deutsche Schreibweise mit dem scharfen S auffällt, stellen allerdings kein alltägliches Ereignis dar. Müller: «Ich habe es zuerst gar nicht geglaubt. Das ist schrecklich.» Erstmals hat er am vergangenen Donnerstag von den Erpressungen gehört. Bis Sonntagabend hätten sich rund 50 Personen bei ihm gemeldet.

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