×
Pfäffiker Salzproduzentin

Sie nimmt morgens sogar Salz in ihren Kaffee

Dina Holzapfel hat sich während des Lockdowns auf den Aufbau ihrer ersten eigenen Firma konzentriert. Die Würze in ihrem Leben fehlt seither kaum.

Lea
Chiapolini
Montag, 05. September 2022, 17:00 Uhr Pfäffiker Salzproduzentin

Sie ist 30 Jahre alt, arbeitete viele Jahre in der Ölindustrie, danach im Venture Capital und im Softwarebereich. Sie kommt ursprünglich aus Deutschland, ist in den USA aufgewachsen, hat viele Jahre in Holland gelebt. Jetzt verkauft sie Salz. Innert eines halben Jahres hat Dina Holzapfel gemeinsam mit ihrem Partner Murat Bolat die Firma «Smiqql» aus dem Boden gestampft. Ihr Angebot: «Flaky Salt», veredelt mit verschiedenen Gewürzen.

Während er sich von Holland aus um den Vertrieb in ganz Europa kümmert, hält sie in Pfäffikon die Stellung und kümmert sich um den Versand in der Schweiz. Angefangen hat jedoch alles mit Chilis. «Ich liebe scharfes Essen», sagt Holzapfel. «Aber Tabasco ist mir zu sauer, auch andere Schärfemittel haben mich nie überzeugt.»

Rohstoff aus Australien

In ihrer WG-Küche in Pfäffikon hat die 30-Jährige begonnen, mit hausgemachtem Chili-Öl zu experimentieren. 150 kleine Fläschchen hat sie abgefüllt und als Weihnachtsaktion im Bekanntenkreis verschenkt. Von den Rückmeldungen bestärkt, führte sie bereits Gespräche mit den Betreibern einer Ölmühle in Deutschland, um die Produktion im grösseren Stil zu starten. «Doch wie an so viel Orten kam auch bei uns durch die Corona-Pandemie viel zum Stillstand.» So musste ein neues Projekt her.

«Zuerst habe ich versucht, den Geschmack von Gewürzen auf Fleur de Sel zu übertragen», erzählt sie. Dann sei sie auf ein besonderes «Flaky Salt» aus Australien gestossen. Diese Salzkristalle wachsen viel langsamer, und sind darum dünner und feiner als etwa das bekannteste Flockensalz Maldon. «Und dadurch nicht so überwältigend salzig.»

Im Zentrum von Pfäffikon haben Murat Bolat und Dina Holzapfel das Smiqql-Büro. (Foto: PD)

Dina Holzapfel und Murat Bolat haben sich in die Arbeit gestürzt, hunderte verschiedene Geschmackskombinationen ausprobiert, Ideen wieder verworfen, bis sie zufrieden waren und sich entschieden, die Produktion zu starten. «Salz ist ein viel einfacheres Produkt als etwa das Chiliöl, nur schon wegen der Haltbarkeit aber auch in der Verarbeitung.»

Der Rohstoff stammt dabei aus Australien, in Deutschland wird das Salz mit den Bio-Gewürzen kombiniert. «Und in Holland haben wir die Mischungen dann kiloweise von Hand in kleine Gläschen abgefüllt, in denen je zehn Gramm Salz Platz haben.» Die diversen Geschmackssorten sind über ihren Onlineshop erhältlich – laufend kommen neue Produkte dazu.

«Wir haben so ziemlich alles, was wir haben, in dieses Projekt gesteckt.»
Dina Holzapfel

Ihre alten Jobs haben die beiden mittlerweile gekündigt, helfen nur noch da und dort etwas aus. «Wir versuchen es einfach», sagt Dina Holzapfel und strahlt. «Wir haben so ziemlich alles, was wir haben, in dieses Projekt gesteckt.»

Am Wochenmarkt Pfäffikon konnte sie ihr Salz zum ersten Mal der möglichen Kundschaft präsentieren. «Man kann noch so viel Werbung machen – ein Lebensmittel muss man erleben, schmecken können, damit man es kaufen will.» Zudem kocht sie mehrmals pro Woche im Zürcher Café Leto, wo sie gleichzeitig ihre Produkte vorstellen kann. «Es geht so viel über Mund-zu-Mund-Propaganda, ich will an möglichst vielen Orten präsent sein.»

Smikkel smakkel!

Dass sie in finanziell schwierigen Zeiten ein Luxusprodukt auf den Markt bringt, bereitet ihr wenig Sorgen. «Man kauft ja auch nicht nur noch die Flasche Wein für drei Franken. Wer von Essen begeistert ist, leistet sich eben gern etwas.» Sie greift mittlerweile bei jeder Mahlzeit auf ihre Produkte zurück. Bei wirklich jeder. Süsse Speisen wie Guetzli, Kuchen oder Glacé aber auch Kaffee gibt es für sie nur noch mit einer Prise Salz. «Im Kaffee merkt man die salzige Note gar nicht, aber die Säure wird vermindert.»

Ein Set mit 4 Gläschen «Flaky Salt» à je 10 Gramm kosten rund 25 Franken. Da sich das Salz sowieso nicht zum eigentlichen Kochen eignet, sondern erst am Schluss über das Gericht gestreut wird, würde man auch nur wenig davon brauchen. «Und darum muss man sich auch keine Sorgen über einen zu hohe Menge an Salz machen, die man einnimmt.»

Auch für Süsses benutzt Dina Holzapfel ihr Salz. (Foto: Seraina Boner)

Der Name «Smiqql» stammt indes vom holländischen Verb «smikkelen», das übersetzt etwa geniessen oder naschen bedeutet. «Wenn meinem Partner ein Gericht schmeckt, sagt er immer ‹smikkel smakkel!› – so war der Name innert fünf Minuten geboren.»

Auch wenn das Pendeln zwischen Holland und der Schweiz zuweilen zeit- und nervenaufreibend ist, halten die beiden momentan an diesem Modell fest. «Ich bin schon oft umgezogen und habe in vielen verschiedenen Ländern gelebt», sagt Dina Holzapfel. «Ich bin es mir gewohnt, Beziehungen über Telefon oder Computer zu pflegen.»

Gutes Netzwerk und etwas Glück 

Irgendwann wollen die beiden dann aber doch wieder am gleichen Ort wohnen. Und Smiqql vergrössern. «Wir erhalten immer mehr Bestellungen und erhoffen uns vom Weihnachtsgeschäft natürlich viel.» Momentan verkaufen sie noch die Produkte, die sie im Sommer selbst abgefüllt haben. «Wenn wir dann an jenem Punkt ankommen, an dem wir parallel produzieren und verkaufen, brauchen wir zusätzliche Personen.»

Der Ölindustrie trauert Holzapfel, die ursprünglich Umweltingenieurwesen studiert hat, nicht nach. «Diese oft negative Welt hat irgendwie nicht zu mir gepasst.» Nun versuche sie, ihr Leben so positiv und offen wie möglich anzupacken. Sie glaube an ein gutes Netzwerk, an gute Zusammenarbeit mit anderen Kleinunternehmen und nicht zuletzt ans Glück. «So kann ich viel besser schlafen als früher.»

Weitere Informationen online via www.smiqql.com

Dieser Artikel erschien ursprünglich im November 2020. Im Rahmen unseres Essen&Trinken-Specials veröffentlichen wir ihn nun erneut.

Kommentar schreiben