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Egelsee: Blutegel-Panik im Moorbad

Badi-Test

Egelsee: Blutegel-Panik im Moorbad

Zum Sommer gehört neben Glacé, Sonnenbrand und Flipflops auch die Badi. Züriost hat Freibäder in der Region unter die Lupe genommen. Der Badi-Test zeigt: Die Oberländer haben die Qual der Wahl.

Dienstag, 15. August 2017, 10:42 Uhr Badi-Test

Die Sonne bringt die Wasseroberfläche des Egelsees in Bubikon zum Glitzern. Kinder spielen sich im seichten Bereich des Sees einen Ball zu. Hinter ihnen schwimmen hunderte rosarote Seerosen. Ein Floss treibt weiter aussen. Am liebsten würde ich sofort ins Wasser springen. Doch ich bin nicht deswegen hier. Ein Moorbad steht auf dem Programm.

Paranoia vor Blutsaugern

Beim Bad Egelsee kann man so richtig «dräckle». Etwas versteckt hinter dem Schilf auf der linken Seite des Sees gibt es ein aus dem Torfboden gestochenes Loch. Über eine Treppe gelangt man in das Moorbad. Im Vorfeld wurde ich von Kollegen aufgezogen. Ich solle auf die Blutegel aufpassen. Der See heisse schliesslich nicht ohne Grund Egelsee. Dummes Zeug, dachte ich mir. Mehr Blutegel als in anderen Gewässer wird es wohl nicht haben. Als ich dann aber so vor dieser braunen Suppe stehe, habe ich schon ein mulmiges Gefühl. Ich steige langsam ins Bad und bin überrascht. Ich habe mir das Moor fester, schlammiger vorgestellt. Nur an den Füssen ist es etwas teigig. Ich sitze in einer braunen Sauce und schaue etwas nervös über die Schultern. Damit ich sofort merke, wenn sich ein ekliger Egel hinter meinem Rücken an mein Blut machen will.

Ich habe mir das Moor fester, schlammiger vorgestellt. Nur an den Füssen ist es etwas teigig.

Um dann doch noch eine kleine Moorpackung zu haben, greife ich mit den Händen in die schleimige Masse und reibe es mir über den Körper und ins Gesicht. Zum Glück habe ich ein altes Bikini angezogen. Das Zitronengelb ist nun Rostbraun. Es riecht nach Erde, nach Holz, einfach nach Natur. Blättchen, die an meinem Körper kleben bleiben, lassen mich aufschrecken. Sie sehen Blutegeln zum Verwechseln ähnlich. Oder vielleicht bin ich etwas paranoid. Die Kollegen haben ihr Ziel erreicht. Es ist ihr Verdienst, dass ich mich im Moorbad nicht entspannen kann. Ich bin ganz froh, als ich dem Moorloch entsteige und in den See springen kann. Das Moor wird abgewaschen, ich gönne mir eine Fahrt mit dem Seilbähnchen und sause über den See. Tarzan lässt grüssen.

Blättchen, die an meinem Körper kleben bleiben, lassen mich aufschrecken. Sie sehen Blutegeln zum Verwechseln ähnlich.

Im Umkleidehäuschen untersuche ich meinen Körper auf Blutegel. Ich finde keinen. Dafür fällt mir auf, dass meine Haut extrem geschmeidig und weich ist. Ich muss nicht einmal Bodylotion benutzen. Das Moorbad ist also kein Egel-Schlamassel, sondern eine Wohltat für die Haut.

Lauschige Plätzchen

Die Seebadi bietet mit ihren vielen versteckten, lauschigen Plätzchen im Grünen Rückzugsmöglichkeiten für Verliebte und Pärchen. Seerosen, Schilf, Binsen und Holzbrückchen: Das Seebad wirkt schon fast etwas kitschig. Bei einer so romantischen Szenerie dürfte auch der eine oder andere Flirt drin liegen.

Wer keine Lust auf Moor und Flirt hat, kann sich aber auch sonst die Zeit im Bad Egelsee gut vertreiben. Für Kinder gibt es einen Spielplatz mit Piratenschiff, für Sportler Beachvolleyballfelder. Und auch das Essen macht einen guten Eindruck. Beim Verlassen der Badi sticht mir ein herrlich angerichteter Salatteller ins Auge.

Der Eintritt beträgt fünf Franken und der Parkplatz direkt vor dem Seebad ist gratis.

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