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Züriost-Blog

«S git nüt wos nöd git» oder: Knochensägen

Redaktion
Züriost
Sonntag, 21. März 2021, 13:00 Uhr Züriost-Blog

Dass es nichts gibt, was es nicht gibt, das lernen Menschen spätestens, wenn sie Kinder bekommen. So jedenfalls ist es mir ergangen.

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Oder war Ihnen bewusst, dass es Kinder gibt, die mit überzähligen Wachstumsfugen in beiden grossen Zehen geboren werden? Die dann dafür sorgen, dass die betreffenden (nur die betreffenden!) Zehen doppelt so schnell wachsen? Und dann schon mit zehn statt mit sechzehn oder siebzehn Jahren ausgewachsen sind?

Mein Sohn ist noch ein Kind, bestensfalls ein Vorteenager, seine grossen Zehen jedoch sind bereits erwachsen. Fertig ausgereift, riesig kleben sie vorn an seinem Fuss. Oder besser gesagt, klebten. Denn – «es git nüt wos nöd git» – ein netter Chirurg hat sie jetzt quasi abgesägt. Das war unser Familienprogramm vergangene Woche. Ein paar Millimeter wurden die Riesen unter Vollnarkose gekürzt (sie waren sogar schon zu gross für die errechnete Zielgrösse) und die überzähligen Wachstumsfugen durchtrennt. Damit das Ganze schön hält, steckt jetzt für vier Wochen in beiden grossen Zehen ein Draht, der einen halben Zentimeter oben herausragt. Wie ein Stecklein, das auf gar keinen Fall brechen darf. Noch schlimmer wäre, wenn der Draht versehentlich zu früh herausrutschen würde. Ein kleines Pflaster-Zelt («basteln Sie», hat der Pflegefachmann geraten) soll das verhindern. Klobige Spezialschuhe helfen dabei, sie erinnern mich an die Doc Martens, die ich während meiner Kantizeit in Wetzikon trug. Leider sind sie aus der Mode, sodass mein Sohn eher wenig begeistert ist. Dabei wären die Stahlkappen jetzt sehr nützlich.

Die Episode klingt etwas verrückt, aber wer Kinder hat, erlebt andauernd solche Sachen. Wie überrascht ich war, als meine Kinder das erste Mal Maul- und Klauenseuche hatten! Bei Menschen heisst es zwar beschönigend Hand-Mund-Fuss-Krankheit, aber die Kinderärztin meinte, es sei mehr oder weniger der gleiche Erreger.

Oder Wurmkuren… habe ich eher mit Haustieren in Verbindung gebracht, bis ich in der Apotheke Dosen für die ganze Familie geholt habe, weil meiner Tochter das Fudi «gebissen» hat. Herrlich auch der Moment, als mein Sohn von einem Baum sprang und in einer Schnur hängenblieb, die irgendjemand aus irgendeinem Grund dort gespannt hatte. Er hing ein paar Sekunden am Gebiss im Baum, danach purzelte er herunter; zwei seiner Zähne haben das Abenteuer nicht überlebt. Derselbe Sohn hat sich schon mit einem Veloschloss selber am Hals ans Bett gekettet. Und ebenfalls ihm mussten mein Mann und ich in der ersten Zahnspangenphase mit einem kleinen Schraubendreher tief im Rachen herumfuhrwerken und dabei ein winziges Löchlein treffen.

«S git nüt wos nöd git». Eltern wissen, dass dieser Satz durchaus wörtlich gemeint ist. Meine Kinder sind noch nicht erwachsen, sodass ich noch mit diversen interessanten Überraschungen rechne. Ich halte Sie hier auf dem Laufenden!

Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

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