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Züriost-Blog

Einmal den Mund abwischen – und Lukaschenko ist weg

Thomas
Bacher
Sonntag, 14. Februar 2021, 16:00 Uhr Züriost-Blog

Folgendes Szenario: Ich infiziere mich irgendwo mit dem Coronavirus, weil ich ein einziges Mal nach dem Verlassen des Hauses nicht sofort eine Maske aufgesetzt habe. Wider Erwarten sterbe ich nicht, sondern bekomme sogar noch Hunger und kaufe mir deshalb einen Döner. Nach dem Essen säubere ich meinen saucenverschmierten Mund mit einer Papierserviette. Diese stopfe ich in den bereitstehenden Abfalleimer, wobei 647 Coronaviren am Rand der Öffnung hängen bleiben.

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Eine Frau mit schwarzen Haaren (es könnte auch ein blonder Mann sein, aber irgendwie muss man diese Geschichte ja illustrieren) hat ihr Döner-Mahl kurz nach mir beendet und stopft ihre Serviette ebenfalls in den Abfallkübel, dabei streift sie den Rand der Öffnung und 639 der 647 Viren bleiben an ihrem Handrücken hängen.

Zu Hause packt sie das schlechte Gewissen, weil sie ihre 1000-Kalorien-Diät so schändlich vernachlässigt hat. Also steigt sie auf den Hometrainer, beginnt zu schwitzen, wischt sich mit dem Handrücken übers Gesicht, wobei 598 Viren in ihr linkes Auge und über die Schleimhaut nahe des Tränenkanals in ihren Organismus geraten und sich in den folgenden Stunden ungehemmt vermehren. Einen Tag später ist sie hoch infektiös und gibt das Virus beim Abschiedskuss an ihre Frau weiter (sie könnte auch hetero sein, aber die Diversität sollte auch in fiktiven Erzählungen nicht zu kurz kommen).

Von der Putzfrau angerempelt

Die Frau der Frau mit den schwarzen Haaren arbeitet in einer Molkerei, die Billig-Emmentaler herstellt und nach Russland exportiert. Um zu prüfen, ob der Käse reif genug ist, klopft sie jeweils am Käselaib und riecht daran, wofür sie kurz die Maske unters Kinn zieht. Einmal ist sie dabei ein wenig unvorsichtig und streift mit der Nasenspitze ganz leicht die Käserinde, wobei sie 1228 Viren auf dem Käse absetzt.

Es könnte aber auch sein, dass die schwarzhaarige Frau am Abend zuvor die Sendung «mein Leben mit 300 Kilo» geschaut hat und deshalb am nächsten Tag anstelle eines Döners eine Salatgurke isst.

Von den 1105 Viren, die den Transport nach Moskau überlebt haben, springen 998 auf den Importeur über, der beim Prüfen der Qualität zwar eigentlich genügend Abstand hält, ab im blödsten Moment von hinten von der korpulenten Putzfrau angerempelt wird und mit dem Gesicht voll auf den Käselaib klatscht.

Während der allabendlichen Wodka-Party in seiner Wohnung steckt der Importeur im Zuge mehrerer Schlägereien und anschliessenden Verbrüderungen erst seine Nachbarn Andrej und Piotr und dann noch seinen Cousin Iwan an. Letzter arbeitet im Kernkraftwerk Kalinin südwestlich von Moskau und entwickelt bis auf einen hartnäckigen Husten keine weiteren Symptome.

Blöderweise schüttet Iwan eines schönen Morgens bei einem Hustenanfall seinen Kaffee über das Schaltpult des Kernkraftwerks, verursacht dabei einen Kurzschluss, der zu einer Kernschmelze und schliesslich zu einer ordentlichen Explosion führt, was die Militärs irrtümlicherweise als Nuklearangriff der USA deuten und mit dem Abschuss von 500 mit Atomsprengköpfen bestückten Langstreckenraketen beantworten, was die Amis ihrerseits nicht ganz zu Unrecht als Attacke der Russen erkennen und entsprechend reagieren, womit die Evolution auf der Erde erst einmal ausgebremst wird.

Der verhängnisvolle Penis-Vergleich

Eigentlich wäre das ein Argument dafür, die Maske ständig zu tragen. Es könnte aber auch sein, dass die schwarzhaarige Frau am Abend zuvor die Sendung «mein Leben mit 300 Kilo» geschaut hat und deshalb am nächsten Tag anstelle eines Döners eine Salatgurke isst. An ihrer Stelle holt sich dann der eingangs dieser Geschichte ignorierte blonde Mann die Viren, die ich an der Öffnung des Abfallkübels hinterlassen habe.

Aufgrund des gepanschten nordkoreanischen Wodkas mutiert das Virus und befällt fortan nicht mehr primär die Lungen, sondern das Hirn.

Wie es der Zufall so will, ist der blonde Mann ein weissrussischer Spion, der in der Schweiz nach weissrussischen Regimegegnern sucht, um sie zu bestrafen. Weil er keine gefunden hat, fliegt er noch am selben Abend zurück nach Minsk, wo es nach einer Wodka-Saufparty zu einem spontanen sexuellen Kontakt mit Chefspion Wladimir kommt, der am nächsten Morgen beim Rapport den weissrussischen Präsidenten Lukaschenko mit einem Bruderkuss begrüsst und so das Virus weitergibt.

Kurz darauf bricht Lukaschenko auf zu einem Treffen der Vereinigung der Diktatoren und Gewaltherrscher (VDG) in Pjöngjang, wo er nach Mitternacht an einer Wodka-Party einen Penis-Vergleich vorschlägt, bei dem er – auf die schmutzigen Details möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen – sämtliche Kollegen ansteckt. Aufgrund des gepanschten nordkoreanischen Wodkas mutiert das Virus und befällt fortan nicht mehr primär die Lungen, sondern das Hirn, wo es dafür sorgt, dass die infizierte Person den zwingenden Drang verspürt, sich ununterbrochen selber in die Fresse zu schlagen.

Und genau deshalb ziehe ich eben nicht sofort eine Maske an, wenn ich das Haus verlasse. Man weiss ja nie.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

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