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Züriost-Blog

Club-Feeling in der Dönerbude

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 03. Februar 2021, 10:20 Uhr Züriost-Blog

Meine Augen sind geschlossen. Ich spüre hunderte von Menschen um mich herum. Ihre Arme berühren mich, immer wieder. «Sorry, keine Absicht», höre ich ab und zu. Ist mir sowieso egal, denn in meinen Ohren dröhnt Musik. Laute Musik. Der Bass ist hart und durchflutet meinen ganzen Körper. Ich nehme ihn nicht über die Ohren auf, sondern mit meinem ganzen Körper. Das gibt mir Energie. Ich wippe im Takt. 

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Es riecht nach einer Bier-Schweiss-Mischung. Der Boden ist übersät von klebrigen Getränke-Pfützen, meinen Fuss kann ich nur mit ein wenig Verzögerung heben. Ich schwitze stark, ein paar Haarsträhnen kleben mir auf der Stirn, die restlichen im Nacken. In meiner Hand befindet sich ein Gin Tonic. Schützend halte ich meine andere Hand darüber und dränge mich zum DJ durch. Dieser hat eine Hand in der Luft und drückt mit der anderen irgendwelche Knöpfe. Er bewegt seine Lippen, ohne dass man etwas versteht. Sein Security steht neben ihm und beobachtet die Menge. Menschen quetschen sich an mir vorbei. Davon lasse ich mich nicht ablenken und lausche weiter der Musik.  

Doch stopp, da ist  noch ein anderes Geräusch. Eine Stimme, die immer lauter wird. Sie stört, weshalb ich sie nicht ausblenden kann. Also höre ich hin. 

«Halloooohooo, wollen Sie bestellen?»

Ich reisse die Augen auf. Weisses Neonröhren-Licht blendet mich, der Bass ist verschwunden. Vor mir steht der «Security» und blickt mich mit fragendem Blick an. In seiner einen Hand hält er eine Grillzange, mit der anderen tippt er mich mehrmals an. «Alles gut bei ihnen?», fragt er.  

Ich blicke mich um.

Neben mir hat ein Mann sein Bier verschüttet. Der Geruch erfüllt den Raum. Ich bin in die Pfütze getreten, weshalb meine Schuhe klebrig sind und ich sie nur mit ein wenig Verzögerung anheben kann. «Sorry, keine Absicht», entschuldigt sich der Typ und wendet sich ab, wobei er meinen Arm streift.

Um mich herum sind diverse Grillstationen in Betrieb, die eine enorme Wärme ausstrahlen – die Haare kleben mir auf der Stirn und im Nacken. In einer Hand halte ich eine Cola-Dose, die andere Hand habe ich auf die Öffnung der Dose gelegt – warum, keine Ahnung. Peinlich berührt lasse ich die schützende Hand sinken und in der Jackentasche verschwinden.

Dort, wo der Bier-Verschütter stand, hat sich schon wieder jemand platziert. Ich schiele an dieser Person vorbei. Ein Mann neben dem zwei-Meter-Mann hebt einen Döner hoch, während er mit der anderen Hand die Kassen-Knöpfe bedient. «Einmal Dürüm mit Zwiebeln ohne Scharf, bitte abholen», ruft er. Jemand hinter mir setzt sich in Bewegung und quetscht sich an mir vorbei, um sein Mittagessen entgegenzunehmen.  

Ein kleines, unscheinbares Gerät neben der Kasse zieht meinen Blick auf sich. Ein Radio, aus dem Musik ertönt. Zwar in miserabler Qualität, aber immerhin Musik. Ein Technosong, wie mir bei genauerem Hinhören klar wird.

Ich schliesse die Augen. Mein Fuss beginnt zu wippen. Ob die Clubs bald wieder öffnen?

Talina Steinmetz kann nie lange stillsitzen, liebt Babybüsis und hasst den Winter. Aber sie passt sich an. Mal mehr, mal weniger. 

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