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Züriost-Blog

Gürkliplatz und andere Missverständnisse

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 23. September 2020, 10:11 Uhr Züriost-Blog

In meinem Blogbeitrag zur Sternschnuppennacht im August habe ich mich bereits als Astronomie-Freak geoutet. Diese Faszination wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Bereits mein Grossvater und mein Vater waren  beziehungsweise sind – Sternengucker mit Leib und Seele. So war der Komet Hale-Bopp, der 1997 gut sichtbar über den Himmel zog, ein Highlight für die ganze Familie. 

Erst rund 20 Jahre später haben wir durch einen Zufall entdeckt, dass sowohl meine Schwester als auch ich den Namen dieses Kometen komplett falsch verstanden hatten. «De hell Bob» – so war er in unseren Köpfen abgespeichert. Das Missverständnis flog erst auf, als wir im Familien-Whatsapp-Chat das Thema zum ersten Mal schriftlich streiften.

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Es ist sowohl beeindruckend, lustig als auch etwas beängstigend, wie viele Momente solcher Art ich regelmässig erlebe. Und wie sie ausgelöst werden. So habe ich etwa vor Kurzem beim Durchblättern des Tiptopfs – ohne Zweifel das allerallerallerbeste Kochbuch aller Zeiten – ein Rezept mit Einback entdeckt.

Einback? Zweiback? ZWIEBACK?? Ja. Ich musste 30 Jahre alt werden, um mir dieser Genialität bewusst zu werden. Komischerweise habe ich just eine Woche später beim Einkaufen Einback entdeckt.

Einback? Der Geschmackstest steht noch aus. (Foto: Lea Chiapolini)

Zum Glück bin ich in dieser semantischen Misere nicht allein. Oft, wenn ich etwas zerknirscht zugebe, einen Begriff mein ganzes Leben lang falsch verstanden zu haben, werde ich von weit aufgerissenen Augen angeschaut. «Was, es heisst gar nöd Linkshändler???»

Dann rückt das Umfeld dankenswerterweise jeweils auch mit eigenen Geständnissen heraus. So etwa die eine Kollegin, die lange gemeint hatte, der Bürkliplatz würde Gürkliplatz heissen. Aber hey, dort wird schliesslich regelmässig Gemüse verkauft. Logisch, oder? Oder die andere Kollegin, die am Boden zerstört war, als sie als Kind erfuhr, dass es keine Guetnachtischli sondern einfach nur ganz banal den Nachttisch gibt.

Gehasster «Häggiir»

Sobald sich dann noch Fremdsprachen in die ganze Chose einmischen, wird es erst recht komplex. Doch dieses Faktes muss man sich erst bewusst werden. Als Kind rafft man doch nicht, ob es sich bei einem Begriff um einen deutschen oder fremdsprachigen Begriff handelt. Und ja, ich singe auch heute die Kelly-Family-Lieder von früher falsch mit.   

Die Erkenntnis, dass Wörter wie Pullover aber tatsächlich einfache Übersetzungen sind, fährt dann irgendwann im Erwachsenenleben umso härter ein. So entpuppt sich der «Häggiir», der mir zu Zahnspangenzeiten das Leben schwer gemacht hat, plötzlich als «Headgear». Mind. Blown.

Einer meiner Lieblinge stammt jedoch aus der Erzählung meines Vaters. Als Mittelstufenlehrer wollte er die Aufmerksamkeit seiner Schüler zum Thema Dschungel lenken. Darum fragte er in die Runde, wo denn Mogli wohne? Die Antwort kam schnell und klar: «Im Wald Disney!»

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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