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Züriost-Blog

Ahhh, immer diese verdammten Captchas

Thomas
Bacher
Sonntag, 20. September 2020, 10:20 Uhr Züriost-Blog

Ich weiss nicht, ob Billy Gates oder die jüdisch-marxistische Weltverschwörung dahintersteckt, jedenfalls will man mich ganz offensichtlich daran hindern, mich frei im Cyberspace zu bewegen. Als Torwächter fungieren dabei so genannte Captchas. Eigentlich dafür gedacht, Internetsurfer aus Fleisch und Blut als solche zu erkennen und gleichzeitig Spam-Bots am Verbreiten von Werbung und sonstigem Schweinkram zu hindern, legen sie ein mieseres Verhalten an den Tag als ein Nachtclub-Türsteher, der seine brennenden Hämorrhoiden in eine zu enge Lederhosen gezwängt hat.

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Der Klassiker ist das textbasierte Captcha, also der verfremdete Ziffern-Buchstaben-Salat mit Strichen und Flecken, der aussieht, als hätte ihn jemand ausgekotzt. Und den Spam-Bots offenbar nicht lesen können. Nun, Menschen leider auch nicht. Und dazu macht man sich Sorgen, noch nicht ganz vom letzten LSD-Trip runtergekommen zu sein.

Fuck you, bestelle ich halt nichts

Noch schlimmer ist das Foto, auf dem man alle Felder markieren soll, in denen sich Strassenschilder befinden. Oder Autos. Oder Velos. Eigentlich egal, was man erkennen soll: Die Fotos haben eine dermassen schlechte Qualität, dass man ein Auto sowieso nicht von einem Velo unterscheiden kann. Und so läuft es in der Regel darauf hinaus, wer schneller aufgibt: Du oder das System.

Kann ich wirklich mit Fug und Recht behaupten, ich sei kein Roboter?

Superschlimm sind die Websites, die nur betreten kann, wer eine Rechnung löst. Und dann nicht etwa eins plus eins gleich zwei. Sondern was richtig Schwieriges, 42 plus 25 zum Beispiel. Okay, einer Herausforderung, also erst einmal 40 plus 20, ergibt 60. Jetzt 2 plus 5, ergibt 7. Äh, was war nochmals die erste Addition? Wo ist der Taschenrechner? Fuck you, bestelle ich halt nichts.

Noch viel viel schlimmer ist das Captcha, bei dem man mit einem Häkchen bestätigen muss, man sei kein Roboter. Eine heikle Sache. Kann ich wirklich mit Fug und Recht behaupten, ich sei keiner? Jeden Tag die gleiche stumpfsinnige Maloche, unfähig, Gefühle zu empfinden. Und wenn man am Morgen die Bettdecke zur Seite schlägt, muss man regelmässig feststellen, dass eine Ölleitung geplatzt ist. Oder so.

Glücksbärchis oder heisse Schenkel?

An Schlimmheit kaum noch zu überbieten sind die digitalen Türsteher, die nur reinlassen, wer ein bestimmtes Mass an Allgemeinwissen mitbringt. «Welches ist die Hauptstadt der Schweiz?», wurde ich letzthin gefragt. Da hatte ich eigentlich nur einen Hass-Kommentar in einem Forum hinterlassen wollen und fand mich plötzlich mitten in einem Einbürgerungstest wieder. Ich wollte schon lässig «Bern» eintippen, da fiel mir ein, dass die Schweiz ja gar keine Hauptstadt hat, sondern eine Bundesstadt. Das war eindeutig eine Falle. Ha, aber nicht mit mir, Billy, du Schlawiner!

Am allerallerschlimmsten aber sind diejenigen, die einen eine Sicherheitsfrage beantworten lassen für den Fall, dass man einmal das Passwort vergessen könnte. Selbstverständlich vergisst man das Passwort und muss dann eine Frage beantworten, die man vor zig Jahren mal ausgewählt hat im festen Glauben an eine universelle Gültigkeit der Antwort. Wie blauäugig! Denn wie soll ich heute wissen, was damals mein Lieblingsfilm war? War das noch die «Glücksbärchis»-Phase oder schon die «Heisse Schenkel»-Dekade? Okay, wie sich herausstellte, waren es die Schenkel.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

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