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Züriost-Blog

Wahre Liebe wartet

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 05. August 2020, 10:00 Uhr Züriost-Blog

Geliebte Streetparade

Hier sitze ich und schreibe diesen Brief an dich.

In drei Tagen wärst du eingetroffen. In drei Tagen hättest du mich und mindestens 999‘999 Menschen einmal mehr in deinen Bann gezogen. Wärst, hättest – wenn das Coronvirus nicht wäre. Ich bin ein wenig traurig, dass du nicht kommst, kann es aber auch verstehen. Doch dazu später.

Zuerst will ich dir sagen: Du bist jedes Jahr etwas ganz besonderes. Beispiel gefällig? 

Gehen wir in das Jahr 2014. Dein Motto war «Enjoy the Dancefloor – and save it». Wie ironisch, wenn man die aktuelle Situation bedenkt. Aber zurück zum 2. August 2014. Da kamst du nämlich etwas früher als sonst, was aber eine tolle Überraschung war. Denn: Ich wäre eigentlich in den Ferien gewesen. Spontan reisten wir früher zurück und ich konnte nach Zürich, zu dir. Zum Glück – denn wegen dir habe ich an diesem Tag meinen geliebten Freund kennengelernt. Lustig, wie das Leben so spielt, oder?

Seither war ich jedes Jahr rechtzeitig vor Ort, wenn du kamst. Ich habe mein Jahr immer so geplant, dass ich es zu deiner Ankunft nach Zürich schaffe. Denn es warst nicht nur du, liebe Streetparade, die dort gefeiert wurde. Nein, es war die Liebe, die Musik, die Freiheit.

Die Streetparade fällt dieses Jahr aus - sehr zum Leidwesen der Bloggerin. (Foto: Verein Streetparade Zürich)

Die Liebe zwischen mir und dem oben erwähnten Mann. Die Liebe zur Musik. Zur elektronischen, lauten Musik. Die Musik, die dafür sorgt, dass die Zeit stillsteht und ich mich frei fühle. Die Arme in der Luft, in einer Hand einen Drink, tanze ich Jahr für Jahr am Seebecken entlang.  

Die Wagen mit den wummernden Bässen, die vorbeiziehen, sind wie eine Überraschung, ein Mitbringsel von dir, geliebte Streetparade: Welcher DJ ist an den Plattenspielern? Entdecke ich Freunde auf dem Wagen? Brennt sich ein neues Lieblingslied in mein Gehör ein? Ich weiss nie, was mich erwartet, und doch hast du mich noch nie enttäuscht.

Zu dir gehören auch übergrosse Gummitiere, Konfetti-Regen und drückende Menschenmassen. Musik, die sich in Ohren und Herzen brennt. Lachende Gesichter, verlorene Sonnenbrillen, leichte Sonnenbrände, knutschende Leute, nackte Menschen. All diese Dinge machen dich aus! 

Der Konfetti-Regen gehört zur jährlichen Parade wie die Wildpinkler und wummernden Bässe. (Foto: Verein Streetparade Zürich)

Ich lobe dich ziemlich, fällt mir auf. Nun, leider muss ich auch sagen: Die Menschenmenge schreckt mich manchmal schon auch etwas ab. Vor allem, wenn ich sehe, wie gewisse Personen mit anderen umgehen. Oder welche Orte sie als Toilette missbrauchen. Ziemlich eklig.

Doch jede Liebesgeschichte hat ihre negativen Seiten, nicht wahr? Und eine davon ist, dass ich dieses Jahr meine Liebe zu dir nicht ausleben kann. Dieses Jahr bleibst du zu Hause, weil du nicht möchtest, dass sich deine Besucher mit dem Corona-Virus anstecken. Du bleibst zu Hause, weil auch du bemerkt hast, wie wichtig es momentan ist, solidarisch zu sein und die Ausbreitung des Virus zu minimieren.

Ich verstehe das, wirklich. Traurig bin ich trotzdem, dass es in drei Tagen um das Seebecken ruhig bleibt. Dass keine wummernden Bässe zu hören und kein Konfetti-Regen zu spüren ist.

Umso mehr freue ich mich auf das nächste Jahr. Auf dich, all deine Facetten und deine Überraschungen. Denn ich bin sicher: Stehen wir diese Krise alle gemeinsam durch, zeigen uns solidarisch und haben Verständnis für andere, werden alle Feste nächstes Jahr umso schöner!

In Liebe

Die Steinmetz-Bloggerin

Talina Steinmetz kann nie lange stillsitzen. Spontane Motorradausflüge, längere Sporteinheiten und dicke Bücher zu lesen, sind ihre Lieblingsbeschäftigungen. Ein Wochenende einfach nur zu Hause verbringen? Langweilig. Montags trotzdem fit zu sein, ist ihre Stärke. Und falls das mal nicht der Fall sein sollte, helfen Fotos von Babybüsis oder das Schreiben eines Blogs.

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