×
Züriost-Blog

Der Pandemie-Geburtstag und die stille Heldin im Wetziker Kino

Redaktion
Züriost
Montag, 13. Juli 2020, 08:51 Uhr Züriost-Blog

Was den 10. Geburtstag meines Sohnes beziehungsweise seinen Kindergeburtstag unvergesslich gemacht hat:

  • Der Sohn selbst, der trotz herrlichem Sommerwetter unbedingt ins Kino wollte, obwohl auch eine Poolparty im Angebot war.
  • Das Kind, das auf dem Weg ins Kino seine ganze Lebensgeschichte sowie jene sämtlicher Tanten und Onkel in zwei Ländern mit mir geteilt hat. Mein Lächeln ist immer noch eingefroren.
  • Der Junge, der die Filmauswahl öde fand, weil sein Vater hacken kann und den Streifen schon illegal zuhause gestreamt hatte.
  • Die beiden Kids, die von den Eltern aus eine Maske tragen mussten im Zug (noch vor der Maskenpflicht und unter 12-jährig) – und alle anderen Kinder, die dann unbedingt auch Masken haben wollten, sodass die Masken zum eigentlichen Partyhit avancierten.
  • Der seltsame junge Mann im Zug, der meine Zwangslage mit dem pausenlos schwatzenden Kind nicht erkannte und mir ungefragt und ausführlich berichtete, seine Schutzmaske mit Whisky-Motiv sei mit dem BH-Bügel seiner Mutter ausgestattet.
  • Mein Ehemann, der, da ich etwas abseits mit dem schwatzenden Kind absorbiert war, den Kindertross entschlossen und mit traumwandlerischer Sicherheit ins Wetziker Kino führte, allerdings nicht in unser Kino, sondern ein Sexkino.
  • Die junge Frau, die unsere prekäre Lage mit einem Blick vom Auto aus erfasste, extra anhielt und uns mitteilte, das mutmassliche Kino unserer Wahl befinde sich gleich um die Ecke.
  • Der Werbebildschirm im «richtigen» Kino, auf dem dann dummerweise auch gerade eine explizite Szene zu sehen war, die von den Kindern mit «iiiiiiik» kommentiert wurde.
  • Die einzige Person, die nebst unserer Truppe im Kinosaal sass an diesem heissen Nachmittag und die sich mit keinem Wort darüber beklagte, dass wir 12 Personen über den ganzen Saal verteilten und nicht immer mucksmäuschenstill waren.
  • Der Bub, der die brillante Idee hatte, den Explosionstrick mit Mentos und Cola nicht in einer Flasche, sondern im eigenen Magen auszuprobieren.
  • Die unglaublich geduldige und freundliche Frau am Empfang und Kiosk, die nicht nur unsere aufgekratzte Horde mit Engelsgeduld versorgte, sondern uns trotz der sowieso schon sehr günstigen Tickets noch mehrfach auf eine Rabatt-App hinwies.

Der Dame sei Dank: In dieses Kino gehe ich auch an einem Sommertag wieder! Nur nehme ich dann keine Kinder mit, bloss meinen Mann. Allerdings navigiere dann ICH.

Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

Kommentar schreiben

Kommentar senden