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Züriost-Blog

Klicken Sie hier für die Traumfigur über Nacht

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 17. Juni 2020, 10:00 Uhr Züriost-Blog

Lange nahm man an, der Sommer 2020 wird kein richtiger Sommer. Nun sind die Grenzen zu allen EU-Staaten wieder geöffnet, Airlines bieten erste Flugverbindungen an und Ferien am Meer scheinen nicht mehr ganz so abwegig wie noch vor drei Monaten.

Das scheint auch die Fitnessindustrie verstanden zu haben – und macht sich diesen Umstand zunutzen. Auf Instagram und Facebook kursieren Werbungen und Rabattcodes für Fitnessprogramme, Fastsäfte, Detoxkuren, Fat-Burner-Pillen und Shape-Shakes. 

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Die gewünschte Figur kann man also quasi über Nacht erreichen – zumindest, wenn man den Werbungen Glauben schenkt: «Mit dem Abnehm-Shake einfach zwei Mahlzeiten am Tag ersetzen und so in kürzester Zeit die Traumfigur erreichen» oder «Diese Pillen lassen Ihr Fett schmelzen» sind nur zwei von vielen Beispielen, die mir untergekommen sind.

Und die mich ehrlich gesagt wütend machen.

Beschäftigt man sich auch nur ein wenig mit Ernährung, Sport und dem menschlichen Körper, ist einem klar, dass dieser nicht so einfach funktioniert und von heute auf Morgen grosse Mengen an Körperfett «abbauen» kann. Dies braucht Zeit, Ausdauer, Willen und vor allem eine langfristige Umstellung der Ernährung. Zudem ist jeder Körper anders gebaut, die Fett- und Muskelmassen anders verteilt und braucht eine individuelle Handhabung – eine Verallgemeinerung im Sinne von «Das ist DER TRICK, um ab (oder zu-) zunehmen» ist also unmöglich.

Das scheint die Anbieter von Fat-Burner-Pillen oder «So nimmst du in einer Woche 10 Kilogramm ab» aber nicht zu kümmern. Im Gegenteil: Sie preisen ihre Angebote wie Wundermittel an. Und jene, die darauf anspringen, sind der grossen Gefahr ausgesetzt, in eine Essstörung zu fallen.

Denn: In den meisten Fällen funktionieren solche Turbopläne- und Produkte über kurze Zeit, da man dem Körper über Wochen benötigte Kalorien verweigert. Ein Beispiel: Ich esse morgens ein Frühstück, ersetze aber mein Mittag- und Abendessen durch einen Abnehm-Shake, wie es in der Packungsbeilage empfohlen wird. Da ich dadurch viel weniger Kalorien zu mir nehme als üblich, greift mein Körper auf die Fettreserven zurück – ich nehme ab.  

Habe ich das zwei Wochen durchgezogen und esse dann wieder normal, folgt aber die Umkehrreaktion: Mein Körper erhält wieder normal viele Kalorien, ist also im Vergleich zu vorher im Überschuss – und legt diese als Energiereserven für eine «Notsituation» an. Ich nehme also zu. Und meist sogar mehr, als ich vorher abgenommen habe.

Dieses Szenario nennt man Jojo-Effekt – und kann, wie bereits gesagt, ein ungesundes Essverhalten herbeiführen. Auf den positiven Effekt folgt ein negativer, was einen dazu veranlasst, wieder auf das normale Essen zu verzichten – ein Teufelskreis, aus dem man nicht so leicht wieder rauskommt.

Schon in frühem Alter werden Jungen und Mädchen heute mit Schönheitsidealen konfrontiert und fühlen sich, verglichen mit Models, Fitnessinfluencern und Profisportlern nicht dünn, muskulös oder schön genug. Mit diesen Komplexen und Ängsten spielen die Anbieter von oben genannten Produkten. Ihre Pillen, Shakes und Pulver stossen auf grosses Interesse, weil sie schnellen Erfolg versprechen – die Risiken und Gefahren bleiben jedoch oft unbenannt.  

Dass man die Menschen dazu bringen möchte, sich mehr zu bewegen, gesünder zu ernähren und sich mit Sport auseinander zu setzen, kann ich gut verstehen und befürworte ich.

Jedoch wäre es wünschenswert, wenn das mit mehr Verantwortung passierte und gewisse Firmen mehr Geld in die Entwicklung hilfreicher und gesunder Supplements stecken würden, statt mit gegenteiligen Artikeln einfach auf Teufel komm raus Geld machen zu wollen. 

Denn die Traumfigur über Nacht gibt es nicht. Nicht einmal in diesem Blog. 

Talina Steinmetz kann nie lange stillsitzen. Spontane Motorradausflüge, längere Sporteinheiten und dicke Bücher zu lesen, sind ihre Lieblingsbeschäftigungen. Ein Wochenende einfach nur zu Hause verbringen? Langweilig. Montags trotzdem fit zu sein, ist ihre Stärke. Und falls das mal nicht der Fall sein sollte, helfen Fotos von Babybüsis oder das Schreiben eines Blogs.

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