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Züriost-Blog

Badi-Eintritt nur für die Reichen? So eine Sauerei!

Thomas
Bacher
Mittwoch, 27. Mai 2020, 10:17 Uhr Züriost-Blog

Ich muss sagen, ich freu mich auf die Badisaison. Die wird dieses Jahr ja ein ganz spezieller Spass, wenn man sich das Schutzkonzept des Verbands Hallen- und Freibäder anschaut. Besonders gelungen ist die Beschränkung von einer Person auf zehn Quadratmeter Liege- und Wasserfläche.

In meiner zuweilen doch ziemlich stark frequentierten Stammbadi in Dübendorf lief das bis anhin so. Ich: «Hey Badmeister, wo ist das Schwimmbecken?» Badmeister: «Das ist gleich da hinten.» Ich: «Etwa dort, wo die vielen Leute stehen?» Badmeister: «Ganz genau.» Ich: «Aber da ist ja gar kein Wasser drin.» Badmeister: «Doch doch, gerade steigt ein dickes Kind aus dem Becken, jetzt sollten Sie es sehen.»

Der Badmeister und die Mara-Gang

Das mittelgrossen Becken in der Badi Dübendorf ist 800 Quadratmeter gross, was bedeutet, dass nun noch 80 Personen rein dürfen – und nicht mehr 8000 wie bis anhin. Mit anderen Worten: Die Anfrage wird das Angebot übersteigen, und das bei weitem. Was also ist zu tun?

In Bern haben sie schon von einer zeitlichen Begrenzung des Aufenthalts geredet, wie das in vielen Indoor-Spassbädern gehandhabt wird. Das gäbe zwar ein interessantes Spektakel, wenn der schmächtige Badmeister am Sonntagnachmittag bei schönstem Sommerwetter die 30-köpfige Mara-Gang, die gerade den Grill annektiert hat, zum Verlassen der Badi auffordert.

Die Folge: Tumulte, mehr Ansteckungen, eine abgeriegelte Stadt, kein WC-Papier, Leichen überall.

Das eigentliche Problem würde in den Stosszeiten dadurch jedoch nicht gelöst. Frau im Kassenhäuschen: «Tut mir leid, das Kontingent für dieses Wochenende ist ausverkauft, aber ich kann Ihnen am nächsten Dienstagmorgen um 8 Uhr einen Drei-Stunden-Slot anbieten, es ist leichter Nieselregen vorhergesagt, zwölf Grad, darf ich Sie eintragen?» Und der verschwitzte Vater mit seinen drei brüllenden Kleinkindern unter den Armen sagt dann, «klar, da greif ich doch zu»?

Bisher sah es im Dübendorfer Freibad so aus.

Doch wer war darf rein? Vielleicht nach dem Motto «de Schnäller isch de Gschwinder»? Und dann kommt es in der Warteschlange bei 35 Grad im Schatten (bloss hat es keinen Schatten) zum Tumult, worauf die Zahl der Neuansteckungen mit dem Virus lokal stark ansteigt, das Militär die Stadt abriegelt und sich die Dübendorfer gegenseitig umbringen, weil der Nachschub an Toilettenpapier blockiert ist?

Wasser für die Linken

Vielleicht ist es auch an der Zeit, mal Klartext zu reden. So ein Freibad ist hoch defizitär, wird also massiv mit Steuergeldern finanziert. Wäre es da nicht logisch, die besten Steuerzahler zu bevorzugen? Blöd nur, dass die ihre eigenen Pools haben, gegen die die Becken im Freibad wie Schweinetränken wirken. Obwohl, wer einen eigenen Pool hat, zahlt vielleicht und möglicherweise gar nicht so viel Steuern?

Dann lassen wir doch lieber den Markt regieren – Angebot und Nachfrage, weisch –, verkaufen die Badi-Eintritte an den Meistbietenden und befüllen dann das Pinkel- äh Kinderbecken mit Champagner. Die vielen französischen Expats werden es lieben. Oder doch lieber an die Flüchtlinge? Die bekommen ja im Winter vom Sozialamt neue Lederjacken geschenkt, wie man hört. Da wär so ein Badi-Eintritt eine nette Aufmerksamkeit für den Sommer. Natürlich müsste man dann auch die Linken reinlassen, denen ein bisschen Wasser ja nicht schaden würde, wie man ebenfalls hört.

Man muss an dieser Stelle schon mal sagen, dass dieser Stadtrat ein verdammt gut aussehendes Grüppchen ist.

Eine Idee wäre, die Eintritte in einer Lotterie zu verlosen. Wobei, das könnte in der heutigen, ideologisch doch recht aufgeladenen Zeit auch wieder für Unruhe sorgen. Man stelle sich vor, das Losglück begünstigt zufälligerweise die Ausländer, oder die Rechten, oder die Hippies, oder die Blondinen. Da wittern die Glücklosen doch sofort eine Verschwörung. Die Folge: Tumulte, mehr Ansteckungen, eine abgeriegelte Stadt, kein WC-Papier, Leichen überall.

Letztlich denke ich, dass wir nicht darum herumkommen werden, uns die Chinesen zum Vorbild zu nehmen. Jeder Einwohner, jede Einwohnerin startet am 1. Juni mit 1000 Punkten. Wer brav nur bei Grün über die Strasse geht, sich vor dem Einhorn auf dem Lindenplatz bekreuzigt und dem Stadtrat den Respekt zukommen lässt, den er verdient, sammelt Extrapunkte, die sich in Badi-Eintritte umtauschen lassen. Und man muss an dieser Stelle schon mal sagen, dass dieser Stadtrat ein verdammt gut aussehendes Grüppchen ist. Und wie er das mit dem Tempo 30 im Zentrum gemacht hat, also das ist schon allerhand. Und nicht zu vergessen das neue Mehrzweckgebäude, dieses planerische Meisterwerk sondergleichen…

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