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Züriost-Blog

Meine 10 Corona-Lebensretter

David
Kilchör
Sonntag, 24. Mai 2020, 10:00 Uhr Züriost-Blog

Post-Corona ist für mich Überdruss. Überdruss an Telefonaten und Videokonferenzen, Überdruss an Netflix, Disney+ und Sky, Überdruss an langweiligen Abenden aufm Sofa mit Internet und allem, was es so zu bieten hat.

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Aber vor lauter Überdruss vergesse ich zuweilen fast, dass mir dieses Internet in der Zeit recht gute Dienste geleistet hat – respektive die Leute, die es mit Ablenkung gefüttert haben. Das ist deshalb ein kleiner Dankesblog an meine zehn liebsten Corona-Zerstreuer.

10. Ben und sein virtuelles Pub namens The Sheshlihem Arms

Bens englisches Pub ist eine Facebook-Gruppe. Sheshlihem bedeutet meines Wissens Bethlehem, einfach in englischer gelallter Version. Das Ding entstand um Ostern und irgendwie muss es dabei zu einer Verwechslung mit Weihnachten gekommen sein. Ich war nur zweimal drin, aber beide Male war das Happening der Engländer durchaus unterhaltsam. Ansonsten erhielt ich praktisch täglich so genannte Ninja-Anrufe von Leuten aus dem Pub, um dem Gruppen-Plausch beizutreten. Das war nett gemeint, aber zugleich so nervig, dass ich die Benachrichtigungen meines Handys grundsätzlich ausschalten musste. Das wiederum führte zu viel innerer Ruhe. Also Danke Sheshlihem.

9. Paul Simon

Einer meiner Musikhelden liess sich zu unregelmässigen kleinen Videosongs hinreissen, die er teils mit seiner Frau, Tochter und Schauspieler Woody Harrelson interpretierte. Irgendwann hörte er leider auf damit.

8. Bob Dylan

Zwar verzichtete er auf Live-Streams und dergleichen– oh Wunder -, dafür schickte er während des Lockdowns seine ersten drei neuen selbstkomponierten Songs seit acht Jahren in die Welt. Und zumindest einer davon ist grossartig.

7. Mürbel

Das Wort klingt etwas doof, dahinter steckt aber eine nette kleine Rahmtäfeli-Manufaktur mit Onlineshop aus der Ostschweiz, die ihre exquisiten Produkte – kombiniert mit Baumnuss, Ingwer, Chili, Kaffee etwa – per Post verschickt. Und weil Corona blöd war, beschlossen die Produzenten, bei Bestellungen ab fünf Pack Mürbel noch eins gratis dazuzulegen. Kleine Degustationen statt noch mehr Bildschirm waren nette Abwechslungen im Lockdown.

6. Panikhertz

Die Band aus Bäretswil fragte mich, ob ich bei einer kurzen Oberländer Live-Tour auf einem Traktorenanhänger dabei wäre. Aus Sicherheitsgründen verschob sich die Tour in den Bandraum und das Live-Erlebnis auf den Bildschirm. So kam ich als Hobbymusiker trotz Veranstaltungsverbot zum Musikmachen – und das auch noch auf der anderen Seite der Kamera, als ich es sonst so verfolgt hatte.

5. My Brother Rabbit

Ein wunderschön gezeichnetes Indie-Game, in dem man mit einem Plüschhasen Wimmelbilder nach Gegenständen absuchen und damit Rätsel lösen muss. «My Brother Rabbit» lässt sich ohne Zeitdruck spielen, und es dauert nicht zu lange. Das Spiel ist zwar schon etwa zwei Jahre alt, doch verschiedene Plattformen boten es während Corona zum Schleuderpreis an. Zum Glück auch gleich noch während der Regenphase.

4. Qoqas Bier-Aktionen

Qoqa ist ein Schweizer Aktions-Anbieter, der täglich online irgendwelche Elektrogadgets – so lange Vorrat – zu günstigen Preisen veräussert. Mit Qbeer hat er eine spezielle Unterseite mit Bier-Aktionen aufgebaut. Um 12 Uhr geht täglich solche eine Aktion online, wer nicht rasch genug zuschlägt, hat Pech. Innert zweier Stunden sind die Craft-Beers üblicherweise ausverkauft. Und da gibt’s immer wieder Biere, von denen selbst Kenner noch  nie gehört haben. Ein Segen während Corona.

3. Sophie Ellis-Bextor                                                                     

Die englische Sängerin ist seit dem Milleniumswechsel hierzulande mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Nach ihren Hits mit Spiller («Why does it feel so good?») und solo («Murder on the Dancefloor») heiratete sie offenbar einen Bassisten und stellte fünf Kinder auf die Welt. Im Lockdown baute der Clan seine Wohnung zur Disco um und lud jede Woche zu einer halbstündigen virtuellen Küchen-Party mit Discokugel, Glitzerkleidchen und so. Die Kinder turnten dabei auf Sofas, Stühlen und wild am Boden herum, während die Sängerin unbeirrt ihr Gesangsprogramm abspuhlte. Köstlich, dem Spektakel aus der Ferne beizuwohnen.

2. PokemonGo

Nach langer Zeit lud ich die Handy-App wieder heruter und entwickelte neuen Spass daran. Zugegeben, das Zeug funktioniert am besten, wenn man möglichst grossflächig unterwegs ist – also eigentlich ist die App höchst unpassend im Lockdown. Zeitgleich lässt sie einen die kleinen Ausflüge in den Supermarkt oder dergleichen bewusster erleben. Zudem schenkten die Entwickler den Spielern während der Lockdown-Phase sicher drei unterschiedliche Pikachus – immer wieder mit einem anderen doofen Hut auf dem Kopf. Was will man mehr?

1. The Whileaways

The Whileaways sind ein völlig unbekanntes irisches Folk-Trio, bestehend aus dem Pärchen Noelie und Nicola sowie Noriana. Seit Beginn des Lockdowns spielen die drei jeden Sonntagabend ein gut anderthalbstündiges Set in ihren Wohnungen, das sie auf Facebook streamen. Ich habe mich da praktisch jeden Sonntagabend zumindest für ein halbes Stündchen eingeklinkt. Mein liebstes Lockdown-Ritual.

 

Gepostet von The Whileaways am Sonntag, 17. Mai 2020

 

 

David Kilchör bestreitet seinen Blog wie sein Leben: Ohne Plan, ohne Themenschwerpunkt. Dafür mit viel Vertrauen, dass es trotzdem gut kommt. Oder zumindest nicht im Desaster endet. Und wenn es doch im Desaster endet, macht er daraus seinen nächsten Blogeintrag.

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