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So entstehen Fake News

Züriost-Blog

So entstehen Fake News

David
Kilchör
Sonntag, 03. Mai 2020, 10:10 Uhr Züriost-Blog

Kürzlich brannte auf dem Ferag-Areal in Hinwil ein Gabelstapler. Wir von der Redaktion erhielten ein kleines Video als Beleg. Daraufhin schickten wir eine Fotografin los. Deren Bilder zeigten klar und deutlich einen abgefackelten Gabelstapler.

Auf dem Gelände der Ferag brannte ein Gabelstapler.

Bei kleineren Bränden wie diesem wissen wir oftmals erst Stunden oder gar Tage danach vom Vorfall. Für einmal hatten wir Glück, dass uns ein Augenzeuge informiert hatte.

Kantonspolizei und Feuerwehr geben uns Journalisten danach üblicherweise konkrete Infos. Das macht Sinn, denn sie gehen den Brandumständen am genausten nach und bewegen sich am nächsten vom Brandherd.

Die Feuerwehr vor Ort nahm das Telefon nicht ab. Die Polizei sagte auf Anfrage dann, ein Traktor habe da gebrannt. Ein Traktor? Wir von der Redaktion widersprachen dem Polizeisprecher. Das sei zweifellos kein Traktor, sondern ein Gabelstapler gewesen. Die Bilder zeigten das unmissverständlich.

Der Polizeisprecher klickte sich erneut durch den Rapport, las ihn sorgfältig durch und sagte schliesslich, es sei sehr wohl ein Traktor gewesen. Die Polizei habe eine Person vor Ort geschickt, die das untersucht habe. Das mit dem Traktor stehe in seinem Rapport - ebenfalls unmissverständlich. Und wenn die ausgerückte Person das so schreibe, dann sei es auch ein Traktor.

Wir versuchten den Polizisten von seinem offensichtlichen Faux-Pas abzubringen. Man will ihn ja nicht ins offene Messer laufen lassen. Zudem wüssten wir bestens, wie Traktore aussähen; wir stammten schliesslich vom Land. Der Polizist meinte dann, vielleicht sei das Gefährt ein zum Gabelstapler umgebauter Traktor gewesen. Doch auch das war unseres Erachtens völlig ausgeschlossen. Trotzdem blieb das Verdikt der Polizei klar: Da hatte ein Traktor gebrannt. Und als logische Folge versprach der Polizeisprecher, der Frage nachzugehen, was ein Traktor auf diesem Gelände überhaupt verloren hatte. Bei einem Gabelstapler hätte sich eine vergleichbare Frage gar nicht erst gestellt.

Der regelbewusste Polizist bestand also auf seiner bildlich widerlegbaren Aussage. Wir setzten über den Artikel deshalb den Titel «Dieser ‘Traktor’ brennt auf dem Ferag-Areal aus» - mit demonstrativen Gänsefüsschen - und stellten das Bild des Gabelstaplers darunter. Wir bezeichnen das als Text-Bild-Schere – üblicherweise eine journalistische Todsünde, in diesem Fall aber beabsichtigt.

Eine gute halbe Stunde später rief uns der Sprecher wieder an und sagte, es habe sich tatsächlich um einen Gabelstapler gehandelt - mittlerweile hatte er das Bild selber gesehen. Wir konnten also doch noch die Wahrheit schreiben.

Hätten wir indes kein Bild des Gefährts gehabt, etwa weil wir zu spät davon erfahren hätten, wäre offiziell ein unerklärlicherweise auf dem Ferag-Areal stehender Traktor abgefackelt. Eine nette Geschichte zwar, aber kreuzfalsch. Wer trüge dann die Schuld an den Fake News?

David Kilchör bestreitet seinen Blog wie sein Leben: Ohne Plan, ohne Themenschwerpunkt. Dafür mit viel Vertrauen, dass es trotzdem gut kommt. Oder zumindest nicht im Desaster endet. Und wenn es doch im Desaster endet, macht er daraus seinen nächsten Blogeintrag.

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Wenn dieselbe Zeitung schreibt "Mit 150 Sachen durch Uster", sich im Text aber herausstellt, dass dieses Verkehrsdelikt in der 80er-Zone bei Riedikon stattfand, ist dies auch Verbreitung von Fake News. Hat eine seriöse Zeitung wie der ZO solch reisserische Titel nötig?

Grüezi Herr Müller, das sehen Sie richtig. Fake News sind keine Enten. Nur stellt sich die Frage, wie eine Falschinformation beim Leser ankommt. Im vorliegenden Fall könnte es auch Informationsmanipulation sein, um die Ferag vor der Suva zu schützen, wofür es gute Gründe geben könnte. Vielleicht aber auch nicht. Das Endresultat wäre jedenfalls falsch, der Anlass dahinter für den Leser nebulös, der Schuldige im Zweifelsfall die Presse. Darauf versuchte ich aufmerksam zu machen. Wer manipuliert die Information oder macht den Fehler und weshalb? Und wer entscheidet, was Fake News und was eine Ente ist? Die Antwort hat man in den Einzelfällen meist schnell zur Hand, aber so simpel ist sie oftmals nicht.

genau so entstehen gefälschte nachrichten, ( modern geschrieben fake news ) vom hören sagen, um sieben ecken rum, bei gesprächen nebenbei im grossraum büro noch ohrline sein, nachfragen bei schutz und rettung, aber sicher keinen schritt aus dem haus, man könnte ja verpassen das in china ein stuhl umgefallen ist. ein solches rescherschieren ist natürlich für eine abosteigerung nicht förderlich, ich möchte ja vielseitig orientiert werden, mit einem guten netzwerk und mal aus dem hause gehen, wären wahre news möglich.

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