×

Wir Medien, die Panikmacher

Züriost-Blog

Wir Medien, die Panikmacher

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 11. März 2020, 15:46 Uhr Züriost-Blog

«Du bisch vode Medie, du machsch au nur Panik!» oder «Schribed doch eifach nüme drüber, ihr macheds immer schlimmer!»

Ich könnte hier noch zig weitere solche Kommentare zum Coronavirus aufzählen, die mich und meine Kollegen alle in den letzten Tagen erreichten – entweder aus dem privaten Umfeld oder über die Kommentarspalten in den sozialen Medien. Oft fordern die Kommentierenden im gleichen Atemzug auch, Hintergrundartikel rund um das Coronavirus für jeden frei zugänglich zu machen. Schliesslich gehe es bei diesem Thema um die Gesundheit aller und wir würden nur Profit daraus schlagen.

Eine Doppelmoral, die mich ankotzt!

Nicht mehr über das Coronavirus zu schreiben – man stelle sich das einmal vor. Ein Virus löst eine weltweite Pandemie aus, löscht tausende Menschenleben aus und ein Medium nimmt sich das Recht, nicht darüber zu berichten – nur weil es «sowieso schon überall Thema ist».

Unser Auftrag als Journalisten ist es, aktuelle und relevante Themen aufzugreifen, diese zu hinterfragen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren – mit kritischem Aspekt, wenn möglich. Und dazu gehört aktuell auch das Coronavirus: eine auf der ganzen Welt grassierende Krankheit, deren langfristige Folgen nur bedingt abgeschätzt werden können und für die es noch keinen Impfstoff gibt. 

Die Frage ist also nicht, ob, sondern wie wir darüber schreiben. Sachlichkeit und Einordnung sind journalistische Grundsätze – Panik und Unklarheit zu schaffen nicht. Ein «So viele tausend Tote könnte es geben»-Titel dient der Sachlichkeit ebenso wenig, wie wenn man nur «Was-wäre-wenn»-Szenarien beschreibt. Und auch wenn bestimmte Medien das machen, kann man deswegen nicht gleich alle Journalisten in einen Topf werfen. Oder gehen Sie auch nicht mehr zum Zahnarzt, wenn ihr Hausarzt Ihnen ein falsches Medikament verschreibt?

Eben.

Apropos Arzt: Fragen Sie diesen doch mal, ob er sie gratis behandelt. Schliesslich geht es um Ihre Gesundheit. Ein abstruser Gedanke, oder? 

Der Arzt erbringt einen Dienst, man bezahlt. Einen Dienst, wie ihn auch wir Journalisten erbringen. Alle Informationen, die das Verhalten und die Massnahmen zur Hygiene in Zeiten des Coronavirus betreffen, findet man auf der Internetseite des Bundes – gratis. Damit aber eine dazugehörige Einordnung oder entsprechende Hintergrundinformationen überhaupt erst an die Öffentlichkeit gelangen, leisten Journalisten Recherchearbeiten – und leben unter anderem von den Abonnenten, die sich für diese Geschichten interessieren und dafür bezahlen.

Die Arbeit eines Journalisten ist also nicht weniger wert als jene von Ärzten, Pflegekräften oder Apothekern – egal, in welcher ausserordentlichen Situation sich die Welt gerade befindet. Wer recherchierte Informationen will, soll dafür bezahlen. Und wer dazu nicht bereit ist, soll sich nicht über reisserische Titel von Gratisblättern beschweren.   

Talina Steinmetz kann nie lange stillsitzen. Spontane Motorradausflüge, längere Sporteinheiten und dicke Bücher zu lesen, sind ihre Lieblingsbeschäftigungen. Ein Wochenende einfach nur zu Hause verbringen? Langweilig. Montags trotzdem fit zu sein, ist ihre Stärke. Und falls das mal nicht der Fall sein sollte, helfen Fotos von Babybüsis oder das Schreiben eines Blogs.

Kommentar schreiben

Kommentar senden