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Züriost-Blog

Ein Rosengartentunnel für Uster!

Benjamin
Rothschild
Mittwoch, 05. Februar 2020, 11:00 Uhr Züriost-Blog

Ich muss es an dieser Stelle noch einmal betonen: Ich bin ein «fremder Fötzel». Und aus Zürcher-Oberländer-Optik wohl erst noch einer der schlimmsten Sorte: Ein Stadtzürcher. Kein zugezogener Hipster aus Chur, Bern oder irgendeinem anderen Kaff, sondern ein Alteingesessener.

Als solcher stehe ich angeblich visionären städtebaulichen Grossprojekten in meiner Nachbarschaft naturgemäss mit grosser Skepsis gegenüber. Die Seilbahn über den See? Braucht kein Mensch. Schon gar nicht ab Wollishofen, dem südlichsten Zürcher Quartier mit vereinzelt tropischer Vegetation. Der millionenverschlingende Polizei- und Justizpalast? Finde ich etwas vom Unnötigsten, was in dieser Stadt in den letzten Jahrzehnten geplant wurde. Ein neues Stadion? Habe ich an der Urne nun schon mindestens drei Mal «versenkt».

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Falls Sie mich nun für einen knorrigen, engstirnigen Stadt-Bünzli halten, muss ich Ihnen widersprechen. Denn in meinem Arbeitsalltag merke ich, dass ich visionären Projekten durchaus zugeneigt bin.

Vor Jahren besuchte ich zum Beispiel in Greifensee jene Gemeindeversammlung, an der das neue Landenberghaus (das baugewordene Greifenseer Kultur- und Begegnungszentrum schlechthin) vorgestellt wurde. Der Zuspruch für das Projekt war damals gross, den wenigen Kritikern im Saal wehte ein fast schon feindseliger Wind entgegen.

Auch mich holten die Visualisierungen vom prunkvollen Gemeindesaal und der aufgehübschten Aussenfassade ab. Ich musste aufpassen, meine journalistische Distanz zu wahren, nicht in die Begeisterungsstürme einzustimmen und mich ab den wenigen «Verhinderern» zu nerven.  

Versprach Grandezza: Die Visualisierung des neuen Saals im Landenberghaus.

So geht es mir auch heute, wenn ich über Grossprojekte in Uster berichte. Da musste ich mich schon bremsen, um mich nicht von der allgemein grassierenden Urbanisierungseuphorie anstecken zu lassen. Kollegen auf der Redaktion meinen, dass mir dies nicht immer gelinge.  

Aber die Ustermer machen es einem diesbezüglich auch nicht einfach. Immer wieder sind in der drittgrössten Stadt des Kantons Grossstadtvergleiche zu hören. Vom «Venedig am Aabach» war schon ebenso die Rede wie vom Pariser «Centre Pompidou» und von «Brooklyn», das für Teile der lokalen Jazz-Szene offensichtlich Referenzgrösse ist.

Und als es um die Stadtentwicklung der Zukunft ging, meinte ein Gemeinderat einst, dass ihm die Visionen der Verantwortlichen viel zu wenig weit gingen. Statt einer Politik der kleinen Schritte forderte er «den grossen Wurf»: Die Untertunnelung der Stadt, um das ewige Barrieren-Problem zu lösen.

Damit hatte er mich im Sack. Es braucht so etwas wie ein Ustermer Rosengartentunnel! In der Stadt Zürich hingegen…

Problemfaktor Barrieren: Ein Untertunnelung der ganzen Stadt könnte in Uster Abhilfe schaffen.

Benjamin Rothschild beschäftigt sich tagtäglich mit Regionalpolitik und glaubt, dass sich in dieser immer wieder die grosse Politik spiegelt – und umgekehrt. Und wenn die Ebenen mal überhaupt nichts miteinander zu tun haben sollten, kann man ja trotzdem darüber schreiben.

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Ein Tunnel für die Winterthurerstr ist eine Ilusion. Wir haben ein Stadtrat der die Finken nicht bewegt. Es ist Ihnen wichtiger Hochhäuser zu bauen und die Bäume um das Ganze zu verschöner werden vergessen. Und die Parkplatzgebühren an den Sportplätze?? An die haben sie gedacht. Wie sagt man dem so schön "ABZOCKE"

Es ging auch nicht darum die Winterthurerstrasse zu untertunneln. Sondern um den "grossen Wurf": also die Bahnlinie unter den Boden zu legen. Dabei lässt sich gleich das vierte Gleis für Uster realisieren sowie die Doppelspur Richtung Aathal und meinetwegen auch eine Haltestelle Oberuster, wie sie Paul Stopper zuweilen ins Spiel bringt. Dies würde nicht nur endlich die leidige Diskussion um Über-, Unter-, und Ver-Führungen beenden, Nein es würde auch ein Freiraum mitten in Uster geschaffen, wo die Stadt bisher wie mit einer Narbe gespalten ist. Ein grosszügigerer Busbahnhof? Ein Cafe am Lokremisen-Platz? Ein Park mit Velo-Schnell-Verbindung. Ein Ort der Begegnung. - Bislang jedoch vor allem ein Ort der Träume.

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