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Darf ich vorstellen: Prinz Eisenbart

Züriost-Blog

Darf ich vorstellen: Prinz Eisenbart

Thomas
Bacher
Mittwoch, 15. Januar 2020, 08:00 Uhr Züriost-Blog

Der Frauenstreik hat für mich vieles verändert. Früher hab ich gedacht, die Klitoris sei ein Knopf, auf den man draufdrückt – ähnlich wie bei einem Rennwagen der Startknopf –, und dann läuft die Maschine. Doch dann hab ich gesehen, wie die Frauen an ihrem Streiktag riesengrosse Klitorisse mit sich herumtrugen und die Zuschauer anschrien, dass Klitorösen imfall so und nicht anders aussehen. Das hat mich einigermassen verwirrt, denn diese neumodischen Klitorae hatten ein gar ungewöhnliches Erscheinungsbild. Und vor allem: Wo soll man da draufdrücken?

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Natürlich haben bis zu diesem Zeitpunkt auch die meisten Frauen nicht gewusst, wie eine Klitoris wirklich und wahrhaftig aussieht. Aber jetzt tun alle so, als sei man ein Neandertaler, wenn man beim ersten Date in der Bar die Form einer Klitoris nicht exakt auf den Untersetzer zeichnen kann. Dabei darf man von den Männern nun wirklich nicht verlangen, Bescheid über etwas zu wissen, das man nur sieht, wenn man die Frau aufschneidet.

Die Dose auf dem Schrank

Umgekehrt könnten wir Männer nämlich genau so vorwurfsvoll durch die Welt laufen. Denn was vielen nicht bewusst ist: Der Penis ist auch grösser, als er aussieht, weil nämlich noch vier bis fünf Zentimeter Penis im Bauchraum drin sind. Bei einer Penisverlängerung zieht man diesen Teil ganz einfach heraus, also nicht man, sondern der Arzt. Und auch nicht einfach.

Aber ich möchte mal sehen, wie eine Frau, die sich gerade über den kleinen Penis beschwert hat, auf diese Information reagiert. Denn das ist natürlich etwas gaaahanz anderes und nicht zu vergleichen mit der sträflichen Herabminderung der grossartigen Klitoris auf einen profanen Startknopf.

Diese Ungleichbehandlung des Mannes ist für mich ein Skandal, auch wenn ich ein klitzekleines bisschen Verständnis habe. Denn fünf Zentimeter Penis im Bauch eines Mannes bringen der Frau ja nicht allzu viel. Das ist etwa wie die Guetzlidose ganz oben auf dem Schrank. Man weiss, dass da die Leckerlis drin sind, aber man kommt trotzdem nicht ran.

So sah die Klitoris bis zum 14. Juni 2019 aus. Illustration: Thomas Bacher

Während die neumodische Klitoris nun also ihren Platz im kollektiven Bewusstsein eingenommen hat, hat sich die von Feministinnen geforderte Bezeichnung für das ganze primäre Geschlechtsteil der Frau nicht durchgesetzt: Vulva. Dass man «das da unten» nämlich jetzt so nennt, habe ich in mehreren Interviews mit Aktivistinnen gelesen. Nicht mehr Scheide oder Vagina («zu medizinisch»), Pussy («zu vulgär»), Schnäggli («zu doof»).

Das Wort «Vulva» hatte ich damals schon lange nicht mehr gehört, und ich muss zugeben, am Anfang hat es mich auch ein wenig erschreckt. Es klang so fordernd, irgendwie lüstern, ja geradezu aggressiv. Aber mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt und verwende es bereits mehrmals am Tag.

Ein kleines Anliegen hätte ich aber schon, liebe Frauen. Könntet ihr nicht, als Gegenleistung und Zeichen des guten Willens, den Penis des Mannes künftig «Prinz Eisenbart» nennen? Das wäre wirklich nett. Ach ja, und wenn ihr ihn direkt ansprecht, dann bitte mit «Eure Majestät».

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

So sieht die Klitoris seit dem 14. Juni 2019 aus. Illustration: Thomas Bacher

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