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Züriost-Blog

Das Prinzessinnen-Problem

Lea
Chiapolini
Sonntag, 12. Januar 2020, 10:21 Uhr Züriost-Blog

Ich gebs ja zu. Auch ich habe als kleines Mädchen davon geträumt, eine Prinzessin zu sein. Mehrheitlich wegen der schönen Kleider und dem Schloss, die mit diesem Status einhergehen. Und natürlich das Krönchen. Als mein kleines Nachbarsmädchen kürzlich fragte, ob ich eine Prinzessin sei, hat es mich demnach vor Freude fast zerrissen.

Dies, obwohl der Wunsch, mit blauem Blut gesegnet zu sein, über die Jahre längst verschwunden ist. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt äusserst niveaulose TV-Formate wie Dschungelcamps, bei denen sich etwa deutsche von-und-zu-Figuren in Peinlichkeiten übertrafen.

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Doch das sind ja keine «richtigen» Royals. Die gibt’s nur in England. Ja, ich gebe es zu, ich habe die Hochzeit von Kate und William am Fernseher verfolgt. War schliesslich auch wunderschön. Bei Harry und Meghan hat es zeitlich leider nicht geklappt, aber zum Glück gibt’s Youtube.

Vor einiger Zeit durfte ich sogar den ehemaligen Fitnesstrainer von Prinzessin Diana interviewen. Ihren Tod bekam ich damals als Siebenjährige am Rand gerade noch so mit. Alles drumherum, ihre Depressionen, ihre Bulimie und die Scheidung von Prinz Charles, blieb meinen Kinderohren jedoch fern. 

Als vor einiger Zeit der Duke und die Duchess of Sussex die Bombe platzen liessen, sie wollen sich von ihren royalen Pflicht zurückziehen, war ich trotzdem nicht überrascht. 

Dass Harry und Meghan ihr eigenes Geld verdienen und sogar einen Teil des Jahres in Amerika verbringen wollen, ist meiner Meinung nach absolut nachvollziehbar. Denn warum den Royals weniger Selbstbestimmung zusteht als dem gemeinen Fussvolk, war und ist mir schleierhaft. 

Selber denken und Entscheidungen fällen ist bei den Kalt-, ou sorry, Blaublütern halt nicht sooo gern gesehen. Prinzessin sein wie in der Geschichte auf dem  Chaschperli-Kassettli? Tönt schono lässig. Prinzessin sein im richtigen Leben? Nein danke. Das hat nun auch Meghan gecheckt. 

Nur schon für die lustigen Reaktionen im Internet hat sich der Befreiungsschlag allemal gelohnt. «Da brauchte es mit Meghan also eine Amerikanerin, um den Engländern zu zeigen, wie man einen Brexit durchzieht», ist einer meiner Lieblinge. 

Mein Vater wusste sich übrigens schon vor 30 Jahren meine royalen Gedanken kreativ zu Knigge-Erziehungszwecken zu Nutze zu machen. Beim Essen sagte er jeweils: «Verhaltet euch so, als wäre ein Prinz am Tisch. Aber bringt mir ja keinen nach Hause!»

... und Harry und Meghan so: Bye Bitches! (Archivfoto: Alastair Grant)

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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