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Tschipolata Tschapolini

Züriost-Blog

Tschipolata Tschapolini

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 25. Dezember 2019, 08:00 Uhr Züriost-Blog

Gopfriedstutz, Mannsgöggel, Chrüsimüsi, Hoigümper, Bütschgi, Hundsverlochete, Rätschbäse, Gaggelaari, Güsel, Grüsel! Ich liebe Schweizerdeutsch. Was für fremde Ohren oft nach Erstickungstod durch Halskratzen tönt, ist Musik in meinen. Püschele, lädele, toibele, gigele, schmüsele – zergeht Ihnen das nicht auch auf der Zunge? 

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Und dann das «Li»! Eine der besten Erfindungen der Weltgeschichte. Weggli, Gürkli, Füdli, ein wahres Freudeli. Meine «Li»-eblinge sind diejenigen Wörter, die ohne das Suffix gar nicht mehr funktionieren würden. Ein Rüeb? Ein Chlüpper? Ein Bettmümpf? Ein Nastüech? Ein Guetz?

Das Züritüüsche-Lexikon hat sein fixes Plätzli im meinem Büchergestell.

Es soll ja Kritiker geben, die behaupten, die deutsche Sprache sei dem Tod geweiht, bald rede man sowieso nur noch Englisch. Oder Chinesisch. Egal, gegen welches Regime man sich wehren muss, ich mache es auf jeden Fall. Nur schon die bewusste Abgrenzung vom Hochdeutschen ist mir heilig. Darum konzentriere ich mich bewusst darauf, Telifon statt Telefon zu sagen, oder Elifant statt Elefant. Wehret den Anfängen.

Manchmal sind wir Schweizer aber auch ganz schön nervig mit unserer Sprache. Dies allerdings primär, weil wir oft derart an unseren Dialekten festhalten, dass wir andere Sprachen gar nicht mehr ohne Akzent aussprechen können. Die Klassiker: das «Schtiek» (Steak) oder der «Expresso». Liebe Landsleute, es gibt sympathisch-falsch und dann gibt’s falsch-falsch. Das ist mir ein ganz persönliches Anliegen. Denn mit meinem Nachnamen erlebe ich solche Situationen fast täglich. 

Wenn ich im Lexikon schmökere, pöpperlet mein Herzli freudig. (Fotos: Lea Chiapolini)

Vor meiner Hochzeit hiess ich Müller. Musste ich übrigens auch schon buchstabieren. Oder mir wurde Meier, Huber, Keller gesagt. Aber was ich mit Chiapolini schon alles erlebt habe, ist eine ganz andere Welt. Zu sagen, ich hätte nicht gewusst, auf was ich mich einlasse, wäre gelogen. Aber hey, Liebe und Zusammengehörigkeitsgefühl undso. 

Chianti, Chiasso, Chiapolini – so die beliebteste Eselsbrücke meiner Schwiegerfamilie, um die richtige Aussprache zu erklären. Klappt zwar für den Anfang des Gesprächs jeweils gut, am Ende heissts dann doch wieder «ade Frau Tschapolini». Jänu. Da sich sogar meine lieben Mitarbeiter fast täglich einen Spass daraus machen, mich falsch zu nennen, reagiere ich mittlerweile ohne mit der Wimper zu zucken auf die Rufe. Nur wenn man mich Cipollata nennt, hört der Spass langsam auf. Gopfriedstutz. 

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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