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Der Röhrli-Dealer

Züriost-Blog

Der Röhrli-Dealer

Thomas
Bacher
Samstag, 30. November 2019, 23:15 Uhr Züriost-Blog

Ich mag Trinkröhrli aus Plastik, ab und zu für einen Drink, damit ich einschlafen kann, oder für einen Smoothie für die lieben Kinderchen. Natürlich weiss ich, wie umweltschädlich die Dinger sind. Und deshalb war mir auch immer klar gewesen, dass sie früher oder später nicht mehr verkauft würden. Dennoch war es ein Schock für mich, als ich vor einer Woche in meinem Lieblingssupermarkt vor dem Regal stand und dort, wo normalerweise die Röhrli sind, eine klaffende Lücke war.

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In meiner Verzweiflung wandte ich mich ans Verkaufspersonal. Ein junger Mann mit modischem Haarschnitt erklärte mir mit sichtlichem Stolz, dass man die Plastikröhrli aus Gründen des Umweltschutzes aus dem Sortiment genommen habe. Und tatsächlich: Im Regal gab es nur Plastikteller, Plastikgabeln, Plastiklöffel in zwei Grössen, Plastikmesser, Plastikbecher (1dl, 2dl, 3dl und 5dl), Kaffeetassen aus Plastik, Sektkelche aus Plastik. Aber keine Röhrli aus Plastik.

Und was ist mit den Keimen?

Dafür gab es gleich daneben diese neumodischen Röhrli aus Papier. Die mag ich gar nicht, weil ich fast durchdrehe, wenn meine Lippen Papier berühren. Das ist sogar noch schlimmer als Alufolie kauen oder wenn jemand mit der Gabel über eine Schiefertafel kratzt. Auch wiederverwendbare Röhrli aus Glas oder Metall sind nichts für mich, denn als Hypochonder mit mysophobischen Zügen fürchte ich mich vor den Keimen, die sich auf den Schmutzrückständen im Röhrli bilden könnten.

Ich wollte gerade frustriert den Laden verlassen, da hörte ich ein leises Pfeifen. Es kam von der anderen Seite des Regals. Da stand ein Typ mit einem hellbeigen Trenchcoat, der mir verschwörerisch zuzwinkerte. Ich ging zu ihm rüber. Er nahm mich zur Seite. «Ey Alter, bist du auf der Suche nach Plastikröhrli?». Ich stutzte. «Äh ja, in der Tat bin ich das.» Er schaute nach links und rechts und öffnete schliesslich seinen Trenchcoat. «Dann schau dir mal das hier an.»

Und dann noch einer

In diversen Innentaschen hatte der Typ die verschiedensten Plastiktrinkröhrli stecken. Dünne, solche mit einem Knick, dicke für Cocktails und sogar solche mit einem kleinen Löffeli für Slushies. Ich war tief beeindruckt, hatte aber meine Zweifel: «Und die kann ich nach Gebrauch dann einfach so in dem Müll werfen? Zusammen mit der Plastikverpackung des Veggie-Burgers? Mit der Verpackung für den Reis und die Kartoffeln? Mit der Plastikfolie über der Bio-Gurke? Den leeren Spülmittel- und Shampooflaschen? Den Joghurtbechern?» «Ganz genau, mein Freund», sagte der Typ und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. «Einfach wegwerfen.»

Ich entschied mich für sechs Cocktailröhrli in Schwarz und nahm für die Kinder auch noch zwei rote Röhrli mit Knick, bezahlte Fr. 12.60 und wollte gerade hochzufrieden den Laden verlassen, da bemerkte ich beim Regal mit den Sparlampen einen weiteren Mann mit hellbeigem Trenchcoat. «Na super!», schoss es mir durch den Kopf, «der Typ hat sicher die guten, alten Glühbirnen mit ihrem schmeichelhaften Licht im Angebot.» Prompt zischte er mir verschwörerisch zu: «Ey Alter, schau mal, was ich für dich habe.» Ich ging zu ihm rüber, und er öffnete seinen Mantel. Leider hat er mir dann keine Glühbirnen gezeigt.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

So, und jetzt ist es Zeit für ein bisschen Plastikröhrli-Porn.
Da haben sie sich hingelegt, diese Luder.
Es gibt sie in allen Farben. Voll multikulti!
Das kann man mit ihnen tun: trinken. (Ehrlich, das ist nicht sexistisch gemeint, es gab kein Bild mit einem Mann drauf.)
Im Gegenlicht. Geil!
Und hier ganz sinnlich in der Farbe der Liebe.
Am schärfsten aber sind sie, wenn sie feucht sind. Lechz!

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