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Als die Polizei mein Haus durchsuchte

Züriost-Blog

Als die Polizei mein Haus durchsuchte

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 13. November 2019, 11:15 Uhr Züriost-Blog

«Ich bin das WG-Mütterlein von Wetzikon und weiss, dass mancher schräge Vogel bei mir wohnt...» So hat es meine Familie als Ständchen an meiner Hochzeit gesungen. Ein Lied über die diversen WG-Mitbewohner, mit denen mein Mann und ich schon das Haus geteilt haben. Und es immer noch tun. Auch nach über drei Jahren Ehe haben wir drei Mitbewohner. Meist geht sowas ja gut. Und trotzdem hat jeder, der schon einmal in einer WG gewohnt hat, mindestens eine Schauergeschichte auf Lager. Auch ich.

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Für ein Ranking der grüseligsten oder hirnverbranntesten Aktionen meiner lieben Mitbewohner reicht der Platz hier leider nicht. Sowieso wäre es schwierig, die verschiedenen Vorfälle mit einer einheitlichen Skala zu messen. Was ist jetzt schlimmer: Der Kraftprotz, der jeden Morgen zwei rohe Eier schluckte und dabei immer Geräusche von sich gab, als müsse er sich gleich übergeben, oder der Held, der sich nach einer durchzechten Nacht tatsächlich übergeben musste und sein Werk noch einige Wochen auf dem Vordach unseres Gartensitzplatzes vor seinem Fenster zwischenlagerte?

Wie vergleicht man den Typ, der das Porzellanschüsseli in den Kompost geworfen hatte – «ah das kompostiert nöd?» – mit der Dame aus gutem Hause, die sich Bedienstete gewohnt war und deshalb nie putzen wollte? Die hatte sowieso einen gröberen Flick weg. Sie hatte einerseits das Gefühl, vom Staat beschattet zu werden und war andererseits felsenfest davon überzeugt, das Buch «50 Shades of Grey» sei vom österreichischen Straftäter Josef Fritzl geschrieben worden... 

Doch nicht nur meine Mitbewohner bringen mich auf die Palme. Mein Mann hat das unglaubliche Talent, am Anfang von Erzählungen für das Verständnis essenzielle Grundinformationen wegzulassen, was mich regelmässig in den Wahnsinn treibt. Speziell mühsam ist dieser Umstand, wenn er mich per Whatsapp informiert, dass gerade zwei Polizisten unser Haus auseinander nehmen, da der Verdacht eines Vermögensdeliktes vorliegt – natürlich ohne zu sagen, wer der mutmassliche Verbrecher unter meinem Dach sein soll.

Somit wären wir beim Mitbewohner, der den WG-Vogel komplett abgeschossen hat – auch ohne offizielles Ranking. Er hatte bei seinem damaligen Arbeitgeber nämlich den Tresor ausgeräumt und einige Zehntausend Franken eingesackt, wie wir ein paar Tage nach der Hausdurchsuchung erfahren haben. Gesehen haben wir ihn nie wieder. Unvergesslich wird er trotzdem bleiben.

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

 

Schlimmer gehts immer...

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