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Den Fernsehkoch im Nacken

Züriost-Blog

Den Fernsehkoch im Nacken

Thomas
Bacher
Sonntag, 10. November 2019, 14:57 Uhr Züriost-Blog

Ich hatte gerade Wasser für Spaghetti aufgesetzt, da hörte ich eine Stimme in meinen Hinterkopf. «Ey Alter…» (O mein Gott, das war Jamie Oliver, der Fernsehkoch!) «… du musst mehr Salz reinmachen, nachsalzen geht später nicht mehr.» Ich bedankte mich bei Jamie und schüttete noch etwas Salz rein. Die Spaghetti waren perfekt.

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Das war vor ein paar Jahren. Mittlerweile ist es so: Kaum steh ich am Herd, sind sie schon da, die Fernsehköche, und geben mir unaufgefordert Ratschläge. Und sie sind auch nicht mehr in meinem Kopf, sie stehen direkt hinter mir und schauen mir über die Schulter. So jedenfalls fühlt es sich an.

«Scharf anbraten, sonst kriegste da keine Röststoffe rein», brüllt Frank Rosin. Ich mache gerade Pfannkuchen, aber okay, er hat zwei Sterne, er wird es wissen. Und dann will er auch noch, dass ich eine richtige Kalkulation mache, 3,5 mal Wareneinsatz. Ich rechne also aus: Eier, Mehl, Milch… ja super, dann kann ich von meinen Kindern je Fr. 4.50 verlangen. Das ziehe ich ihnen vom Sackgeld ab.

Fernsehköche verlangen ihren Zuschauern alles ab. (Foto: Pixabay)

Zwei Tage später koche ich Hackfleisch. Tim Mälzer meint, ich solle die Zwiebeln «richtig stückig» schneiden. Ich weiss, dass er einfach viel zu faul ist, Gemüse schön klein zu schnippeln, machs aber trotzdem. Johann Lafer erscheint, reibt sich salbungsvoll die Hände. Er empfiehlt mir, das Lafer-Santokumesser und zum Umrühren den Lafer-Silikonspachtel zu verwenden. Da drängt sich Steffen Henssler vor und will, dass ich «die Scheisse flambiere».

Alexander Herrmann verlangt nach «mehr Crunch». Horst Lichter wünscht «Sahne und 'nen Stückschen Bütterschen». Alfons Schuhbeck verdreht die Augen, er will Ingwer, und zwar viel. Andreas C. «Studi» Studer möchte auch was sagen, wird aber von den Ausländern verdrängt.

Ralf Zacherl rettet mich

Cornelia Poletto reicht mir einen Bund Basilikum. Basilikum??? Zum Glück höre ich nicht auf Frauen. Nicht zu überhören ist Gordon Ramsey. Er bezeichnet mich als «verdammten Penner», weil ich die Küche nicht aufgeräumt habe. Zum Glück ist da noch Ralf Zacherl. Er hält mir eine Flasche Fairy Ultra hin, damit das Geschirr so sauber wird wie in Villariba.

Alles schön und gut – bis die jungen wilden Fernsehköche vor einiger Zeit damit begonnen haben, konsequent schwarze Gummihandschuhe zu tragen. Sieht natürlich geil aus zusammen mit den Unterarmtätowierungen. Bei mir hat das den Spass allerdings stark eingeschränkt. Denn wenn sich hinter mir einer die Gummihandschuhe anzieht, dann will ich nicht kochen, sondern kneife die Hinterbacken zusammen.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

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