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Scheiss Morgen, scheiss Tag

Züriost-Blog

Scheiss Morgen, scheiss Tag

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 30. Oktober 2019, 10:30 Uhr Züriost-Blog

Ein Tag wie jeder andere unter der Woche. Arbeiten, mit dem Team ein paar Witze reissen und nach Feierabend zum Sport. Dann Abendessen mit den Mitbewohnern. So wäre es geplant gewesen. Bis zu diesem einen unachtsamen Moment. Im Schwung meines Vom-Stuhl-Erhebens streife ich die Kaffeetasse. Diese fällt um und ihr gesamter Inhalt ergiesst sich genüsslich über meine Interviewnotizen und Tastatur.

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So.

Da wäre es also, mein persönliches Omen dafür, dass der Tag nur noch schlechter wird. Ein bisschen habe ich es ja schon beim Aufstehen geahnt. Der Wecker ging zu spät ab. Die Zahnpasta war leer und auch der Kaffeerahm gab nur noch einige Tröpfchen her. Trotzdem hatte ich Hoffnung, dass das einfach morgendliches Pech war und ich vom restlichen Tag mit offenen Armen empfangen werde.

Nun, dem sollte nicht so sein. Ab dem Zeitpunkt, an dem die Tasse umfiel, ging es nur noch bergab. Denn, wie sollte es auch anders sein, bekam auch mein T-Shirt Flecken ab – ein weisses T-Shirt, versteht sich. Ich wusch das Gröbste dann mit Mühe und Not aus und sass fortan nur noch mit Pullover am Schreibtisch. Und schwitzte natürlich ungemein. Also hatten meine Kleider nicht nur Kaffee-, sondern auch Schweissflecken.

Mittlerweile war es 10.30 Uhr. Ich konnte verdächtig gut vorwärts arbeiten – zu gut, wie das Universum dann entschied. Plötzlich wurde mein PC-Bildschirm schwarz und meine nicht vorhandene Geduld strapaziert. Als ich das dämliche #x!!?@**xh-Teil dann endlich wieder zum Laufen gebracht hatte, war mein geschriebener Blog irgendwo im Nirvana der verschwundenen Texte gelandet.

Alles. War. Weg.

Tief durchatmen. Und gleich noch einmal.

Okay. Ich habe mich beruhigt. Zumindest äusserlich. Innerlich tobte ich. Verzweiflung, Wut, Trauer, Belustigung. All diese Emotionen kamen zusammen. Und das ist kein schönes Gefühl, das kann ich Ihnen sagen.

Etwa so sah es in meinem Inneren aus. Können Sie sich das vorstellen?

Ich entschied also, mich erst einmal abzulenken und am Nachmittag den Tag noch einmal neu anzugehen. Frischer Wind, neue Energie und so. Haghörtdashilft.

Hat es nicht, wird es nie. Der Tag wurde nicht besser. Kurz zusammengefasst: Vergessenes Besteck für das Mittagessen. Verlorene Kaffeekapsel. Schreibblockade. Ein mühsames Telefonat. Dreimal das falsche Passwort eingegeben. 

Also gab ich mich geschlagen. Eine Stunde vor Feierabend bat, nein, ich bettelte darum, bereits früher nach Hause gehen zu dürfen, um mich dort in Selbstmitleid zu suhlen und mich dann noch einmal an meinen Text zu setzen. Durfte ich dann auch. Und stand, logischerweise, im Stau, während es wie aus Kübeln schüttete. Ich wurde ein wenig melancholisch und dankte dem Himmel, dass er mit mir weinte. 

Ungefährt so fühlte ich mich. Help. 

Zuhause angekommen, ging der Tag zwar auf ein Ende zu – wenn auch immer noch schrecklich. Zuerst fiel mir jede einzelne Cherry-Tomate aus der Packung, weil diese nicht richtig zu war. «Schiss verdammti huere Tomätli, wer nennt die überhaupt so herzig, sind müsstet Teufels-Werkli heisse wennscho. Aaaaah!»  

Weiter ging es damit, dass ich mein Abendessen zu lange im Backofen liess und dieses ein bizzeli verbrannte. Aber wen kümmern schon schwarze Spuren am Rand des Käse. Hauptsache endlich Essen, denn: Essen hilft immer. Erinnern Sie sich?

Nachdem ich den verbrannten Käse verschlungen hatte, flüchtete ich ins Bett. Das schien mir der einzige Ort zu sein, an dem mir nichts passieren kann. Und ich sollte Recht behalten. Am nächsten Morgen war ich froh, den so üblen Tag hinter mir gelassen zu haben und in einen neuen, wunderbaren, erfolgreichen Mittwoch starten zu können. 

Bis ich im Zug bemerkte, dass ich mein Handy zu Hause vergessen habe. 

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