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Die beste Wurst, die ich nie hatte

Züriost-Blog

Die beste Wurst, die ich nie hatte

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 09. Oktober 2019, 14:09 Uhr Züriost-Blog

Flughafen Frankfurt, 11 Uhr mittags. In gut einer Stunde quetsche ich mich in einen Jumbo-Jet, um mich während ganzen 12 Stunden auf den Moment zu freuen, in dem ich in Los Angeles wieder aussteigen kann. Auch wenn ein Jumbo-Jet ziemlich cool ist. Aber vor allem von aussen. Oder wenn man First Class fliegt. Aber das ist ein anderes Thema.

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Und ja, ich fliege. Ja, ich verreise auch mit dem Motorrad. Sorry, liebe Greta und alle, die jetzt wütend in die Tasten hauen und einen hässigen Kommentar schreiben. Aber ein grosser Teil der Welt ist nicht direkt vor der Haustür. Dafür mache ich sonst Dinge für den Umweltschutz. Danke für das Verständnis. Oder zumindest das Weiterlesen.

Zurück zum Flughafen Frankfurt. Wo ich also darauf warte, endlich mein Ticket zeigen und einsteigen zu können. Aber warten bedeutet Langeweile. Und Langeweile bedeutet in den meisten Fällen Hunger. Beim Rumstehen fällt mir eine Streetfood-Bude auf. Und ich werde euphorisch. Currywurst und Hot Dogs am Flughafen, etwa zwanzig Meter von meinem Gate entfernt - der Traum ist zum Greifen nah. Mein Magen knurrt bestätigend.

Die Hand an meinem Oberarm hält mich jedoch auf. «Du willsch e Currywurst hole, gibs zue.» Ich versuche, die grössten Kulleraugen der Welt aufzusetzen und schaue meinen Freund unschuldig an. «Hmm, ja, aso mal go luege, aber eigentlich au eine esse. Glaub.» Er nuschelt irgendwas von «ich kenn dich» und «immer nur Esse im Chopf», bis er dann laut sagt: «Im Flugzüg gits imfall Esse, wie jedes Mal. Zwei Menüs und Snacks. Musch sicher ez nöd e Currywurst hole.»

Der Wurststand, der fast mein Leben verändert hätte. Aber nur fast. (Foto: Screenshot Google)

Sehnsüchtig schaue ich noch einmal zum Currywurst-Stand und nicke, denn eigentlich hat mein Freund ja Recht. Also denke ich an die Zeit, die ich und meine Currywurst fast miteinander gehabt hätten. Sie wäre kurz, aber intensiv gewesen. Erinnerungswürdig. Heiss. Ein bisschen viel Sauce vielleicht.

«Wir bitten nun die Fluggäste an Gate 23 einzusteigen. Ihr Flieger steht bereit.» Die Lautsprecherdurchsage reisst mich aus meinen Gedanken. Ich lasse die Vergangenheit hinter mir und freue mich auf eine sattmachende, leckere Zukunft im Flugzeug. Doch in den nächsten 12 Stunden werde ich bitter enttäuscht. Nachdem ich das erste Menü verdrückt habe, warte ich sehnsüchtig auf die versprochenen Snacks.

Die. Nicht. Kommen.

Nie.

Zu spüren kriegt das vor allem mein Sitznachbar und vermeintlicher Essensprophet. Ich mache ihm Vorwürfe und trauere an seiner Schulter um meine zurückgelassene Currywurst. «Weisch, sie wer das gsi woni brucht het. Und ich ha nöd gnueg kämpft defür!» 

Kaum haben wir amerikanischen Boden erreicht, schleift er mich zur nächstbesten Burgerbude. «Du bisch müehsam wennd Hunger hesch. Ich halte dich nie meh vom Esse ab!»

Ach. Liebe kann so schön sein.  

Talina Steinmetz ist das Redaktionsküken. Mit 22 Jahren möchte sie das Wochenende noch voll ausnutzen. Technopartys bis tief in die Nacht, spontane Motorradausflüge und längere Sporteinheiten gehören zur Tages-, beziehungsweise Wochenendordnung. Montags trotzdem fit zu sein, ist ihre Stärke. Und falls das mal nicht der Fall sein sollte, helfen Fotos von Babybüsis oder das Schreiben eines Blogs.

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