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Hosen sind überbewertet

Züriost-Blog

Hosen sind überbewertet

Talina
Steinmetz
Mittwoch, 18. September 2019, 09:56 Uhr Züriost-Blog

Drei Wochen Ferien. Drei Wochen lecker essen, ausschlafen und Sonne. Drei Wochen keine Mails, keine erfreuten oder verärgerten Leser und keine Schreibfehler. Zumindest nicht von mir. Doch bevor ich die Beine hochlagern kann, steht mir Schwieriges bevor: Das Packen. «Stell dich nöd so ah» oder «Mir gönd imfall ersch i zwei Wuche», sind Sätze, die mir mein Freund regelmässig an den Kopf wirft.

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Eine Information am Rande: Wir verreisen mit dem Motorrad und haben pro Person nur eine Seitentasche zu Verfügung. Diese ist kleiner als ein gängiger Handgepäckkoffer. Was Männer aber völlig unterschätzen: Ein Mann, der wenig packen soll, und eine Frau, die wenig packen soll, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.  Das eine ist ein Wellnessgang: entspannt, ruhig, ohne Stress – Shirt passt zu Hose, Hose passt zu Schuhen. Das andere ist eine Extremsportart: wenig Platz im Koffer, viele Kleider im Schrank. Unzählige Outfits, die aber als einzelnes Kleidungsstück nicht funktionieren. 

Ein Post, den ich eigentlich gerne befolgen würde:  

Da sitze ich also mit meiner vorbereiteten Packliste. Haarbürste. Sonnenbrille. Shorts. Ein Pullover. Lange Hosen. Und zägg, bin ich gestresst. Schwitzend öffne ich meinen Kleiderschrank. Da liegen sie, völlig unscheinbar: zwei Paar graue Hosen, drei schwarze, vier blaue. Aus Platzgründen kann ich nur eine mitnehmen. Eine Entscheidung, die den weiteren Packverlauf beeinflussen wird, denn: Davon, welche Hosen ich auswähle, hängt ab, welche T-Shirts ich einpacke. Blaue Hosen passen zu schwarzen, grauen und weissen Shirts. Zu allen anderen Farben aber nicht. Graue Hosen passen am besten zu Schwarz. Rot geht auch noch knapp. Die schwarzen Hosen sind neutral und passen zu jedem Outfit, haben aber so ein kratziges «Zätteliüberrestli». Am besten sitzen die Blauen, sind aber am schlechtesten kombinierbar. Die schönsten Beine machen die Grauen, die Gurtlaschen sind aber für meinen Lieblingsgurt zu schmal. 

Innerlich habe ich bereits eine Pro- und Contraliste erstellt, überlegt, ob ich auslosen soll und gleichzeitig mit dem Gedanken gespielt, einfach ohne Hosen zu verreisen. Hosen sind nämlich überbewertet. Sie drücken, kaum hat man einen Löffel Suppe gegessen, hinterlassen Abdrücke dort, wo die Nähte sind und haben Taschen, die eigentlich keine sind. Und wenn es welche sind, passt ein halber Tampon rein, der schreit: Seht her, ich werde gebraucht.  

Wutentbrannt werfe ich schliesslich die schwarze Hose in den Koffer – einfach nur, weil die Farbe zu meiner Stimmung passt. Einen Kaffee und ein Gespräch mit meiner Mitbewohnerin später habe ich mich ein wenig beruhigt und lache über mich selber. Auf halbem Weg zwischen Küche und meinem Zimmer fällt mein Blick auf das Schuhgestell im Gang. Und schwitzend wird mir klar, dass ich fünf Paar Sneakers besitze - aber nur eines auf die Reise mitnehmen kann. 

Talina Steinmetz ist das Redaktionsküken. Mit 22 Jahren möchte sie das Wochenende noch voll ausnutzen. Technopartys bis tief in die Nacht, spontane Motorradausflüge und längere Sporteinheiten gehören zur Tages-, beziehungsweise Wochenendordnung. Montags trotzdem fit zu sein, ist ihre Stärke. Und falls das mal nicht der Fall sein sollte, helfen Fotos von Babybüsis oder das Schreiben eines Blogs.

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