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Spionage-Alarm in der Badi

Züriost-Blog

Spionage-Alarm in der Badi

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 04. September 2019, 10:18 Uhr Züriost-Blog

Eigentlich wollte ich ja noch über Badis schreiben. Jetzt, Ende Sommer, wo die Stunden am kühlen Nass gezählt sind. Ich wollte mich noch etwas lustig machen über die Familie, die ihren Soda-Club - Sprudelturm mit an den See genommen hatte, um ihren ganz persönlichen Vorrat an Blööterliwasser sicherzustellen.

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Oder über die drei Familien, die sich in der Badi getroffen haben – um «endlich wieder mal etwas Zeit zusammen zu verbringen». Alle spielen schöne heile Welt. Doch sobald zwei der drei Ehepaare im Wasser und das dritte allein war, begannen die beiden, aufeinander herumzuhacken. Wer mit Spionage-Sonnenbrille lange genug auf seinem Badetüechli-Beobachtungsposten ausharrt, kann die schillerndsten Varianten von Gefühlslagen beim Badinachbar ausfindig machen.

Und dann alle zwei Minuten «Selma chum!», «Selma nöd det übere!», «Selma chum etz ändlich» vom Vater der einen besagten Familie. Selma wollte den Freunden nämlich nicht hallo sagen. «Das gibt Punktabzug für dich als Vater!», rief der eine plötzlich Selmas Papi zu. Autsch! Darf man das? Auch als Witz? Darüber hätte ich gerne noch etwas philosophiert. Und mich daran erinnert, dass ich früher beim Schwimmflügeli abziehen jedesmal halb geheult habe, als sie mir von meinen Eltern von den nur noch halbnassen und dadurch nicht sehr rutschfreudigen Armen gerissen wurden. Wie bei Selma kurz darauf, die dann nämlich wirklich heulte.

Die Badi Auslikon – wo sich an schönen Sommertagen Badetüechli an SUP-Boards kuscheln. (Foto: Lea Chiapolini)

Und ich wollte mich noch einmal ein wenig über die prekären Platzverhältnisse auf der Liegewiese enervieren, die ich zwar mit meinem zwei auf zwei Meter grossen Strandtuch jeweils auch kräftig unterstützte. Aber darüber hätte ich dann natürlich nicht geschrieben. Viel lieber über die SUP-Boards, die neben jedem dritten Badetuch zu liegen schienen und beim Wegtragen den Tüechlinachbarn knapp über die Rübe gezogen werden, was die Situation ja auch nicht unbedingt entspannt. Aber so ist das halt in der Badi, hätte ich dann gesagt. In der Sonne verbrennen sich die Männer die Glatzen und im Schatten zittern die Kinder, ausgekühlt vom langen Bad. Und dann sagen sie: «Mami ich han chalt und ich han Hunger. Dörf ich es Glacé?»

Aber mittlerweile sind die Äpfel an den Bäumen schon rot und die Luft am Morgen auf dem Arbeitsweg ist nicht mehr nur frisch, sondern bereits kalt. Darum schreibe ich jetzt wohl besser nicht mehr über Sommerthemen wie die Badi.

Hoi Herbst.

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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