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Heimreise from Hell

Heimreise from Hell

Redaktion
Züriost
Sonntag, 01. September 2019, 10:00 Uhr

Schon klar: Wenn die Ferien mit zwei kleinen Kindern und einem Teenager auffällig entspannt verlaufen, schnappt die Elternfalle auf dem Heimweg zu.

Die Fahrt vom Plattensee nach Graz war noch ganz ok. Wir erreichten planmässig eine Parkgarage in der Altstadt. Leider fiel uns zu spät ein, dass wir gescheiter am Bahnhof parkiert hätten, um später schneller zu sein beim Autoverlad. Also fuhr mein Mann sofort wieder los, während wir anderen uns anschickten, Graz zu erobern.

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Leider versuchte mein Mann danach vergeblich, mich anzurufen, um einen Treffpunkt abzumachen (ich hatte den Flugmodus drin; logisch, wenn man auf den Zug geht). Zum Glück sah er uns dann zufällig vom Tram aus (Graz ist klein).

Beim Flanieren vergass der Junior, rechtzeitig aufs WC zu gehen; aber wir sind ja keine Anfänger und zückten entspannt den Rucksack mit den Ersatzkleidern.

Völlig trocken stiessen wir auf ein schönes, absolut nicht kindertaugliches Gartenrestaurant und nahmen todesmutig Platz. Die Kinder waren wirklich brav. Dass ein Teil der Edel-Tagliatelle auf dem Boden landete – geschenkt. Das zerbrochene Kristallglas – der Kellner lächelte stoisch.

Aber dann kotzte meine Tochter. Pardon, aber die beschönigenden Elternwörter passen hier nicht; sie hat wirklich richtig gekotzt. Vollkommen unerwartet über der Variation von der Erdbeere mit Basilikum. Nun geschah Vieles gleichzeitig: Noch mehr Ersatzkleidung kam zum Einsatz, mein Mann verlor den Appetit auf sein Zweierlei von der Zwetschge, der Kellner wurde doch noch sauer, was ich verstand, und der Hund vom Nachbarstisch sorgte für den Höhepunkt dieser Phase: Er kam herüber und frass, was meine Tochter von sich gegeben hatte, zum Entsetzen seiner geschniegelten Besitzer.

Wir verliessen das Restaurant mit einem Rest Würde und einer vollgekotzten Männerhose, weil sich die Eltern-Ersatzkleider in der Zugtasche befanden statt im Stadtrucksack.

Leider waren wir durch den Zwischenfall spät dran, weshalb mein Mann bei 32 Grad in Kotzhosen durch Graz joggte, um rechtzeitig das Auto zu verladen. Leider nahm er in der Aufregung das ganze Geld mit, sodass ich nicht wie geplant den Bus nehmen konnte, sondern mit Kindern, Buggy und Teenager hinterher joggte.

Mein Mann konnte am Bahnhof doch noch die Hose wechseln, wodurch der Vorrat an Ersatzkleidern erschöpft war (die alte Hose hat er am Bahnhof weggeworfen; oder hättet ihr die mit in den Zug genommen?).

Weil ich geistesgegenwärtig noch schnell ein Fläschchen Cognac besorgt hatte, konnten auch wir Erwachsenen gut einschlafen. Die Ankunft am Morgen in Feldkirch und die Heimfahrt nach Uster verliefen fast schon langweilig problemfrei. Daher dachten wir Eltern trotz allem schon vorfreudig an die Wanderferien im Oktober; zum Glück ist ja dann auch die Erdbeersaison vorbei.

Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

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