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Katastrophentraining für Eltern

Züriost-Blog

Katastrophentraining für Eltern

Redaktion
Züriost
Sonntag, 11. August 2019, 09:46 Uhr Züriost-Blog

Zu Beginn eine Quizfrage, die alle Eltern von halbwegs normalen Kindern korrekt beantworten werden:

Was macht ein vierjähriger Bub, wenn man ihm sein erstes Veloschloss kauft?

a) Er nutzt die Gelegenheit, um den Härtegrad des Parketts zu testen.

b) Er benutzt das Schloss als Lasso und schlägt beim Schuhebinden in kurzer Folge sich, seiner Schwester und seiner Mutter eine Delle in den Schädel.

c) Er nimmt das Schloss mit in sein Zimmer und kettet sich selbst am Hals an den Bettpfosten.

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Lösung: Selbstverständlich sind alle drei Antworten korrekt. Mein Sohn jedenfalls hat all das in nicht einmal einer Stunde geschafft. Ihn vom Bettpfosten wieder loszukriegen, hat dann einen Moment gedauert, weil er bei jeder Bewegung meiner- oder seinerseits klagte, er bekäme keine Luft. So konnte ich mir einige Fertigkeiten aneignen, die jede Befreiungskünstlerin stolz gemacht hätten – und die mir seither immer wieder dienlich waren. Als derselbe Sohn seinen Kopf durch einen zu schmalen Gitterspalt im Treppenhaus gesteckt hat zum Beispiel. Das war einige Monate später. Erstaunlich, dass ich seinen Dickschädel frei bekommen habe.

Würde ich alle kleinen und mittelgrossen Zwischenfälle aufzählen, mit denen ich als Mutter irgendwie umgehen musste, müsste ich eher ein Buch schreiben als einen Blog mit beschränkter Zeichenzahl. Unbedingt erwähnen möchte ich aber noch den Salto, den meine damals zweijährige Tochter vom Spielplatzturm gemacht hat, direkt neben die ausgebreiteten Arme meines Ehemannes und hart auf den Rücken. Interessant war auch der Tag, an dem mein Sohn wie so oft von dem Baum auf dem Spielplatz springen wollte und dabei mit den Zähnen in einer Schnur hängen blieb, sodass er für einen Moment nur am Gebiss im Baum baumelte. Was die Schnur in dem Baum zu suchen hatte, wissen wir bis heute nicht; wo die beiden äusseren Schneidezähne abgeblieben sind, ist ebenfalls unklar. Dass sie weg sind, fiel mir nämlich erst nach einer Weile auf; in den ersten Minuten nach dem Unfall floss so viel Blut, dass ich nur Rot sah (und das ist auch buchstäblich gemeint).

Aber erfahrene Eltern wissen: Kleine und mittelgrosse Ereignisse solcher Art gehören dazu. Kinder haben zum Glück die Stabilität von Playmobilfiguren, sodass meist nichts Gravierendes zurückbleibt. Darum gilt: Unsere tägliche Katastrophe gib uns auch heute! Sie stählt uns für all das, was sonst noch so kommt.

Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

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