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Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh'n...

Züriost-Blog

Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche zieh'n...

Lea
Chiapolini
Mittwoch, 31. Juli 2019, 10:02 Uhr Züriost-Blog

Ich hatte einmal eine ziemlich krasse Ahornsirup-Phase. Überall knallte ich das flüssige Gold rein –  pro Woche leerte ich bestimmt eine dieser Glaskaraffen. Dies führte dazu, dass ich einmal pro Woche einen kleinen aber feinen Wutanfall hatte. Die Kategorie Wut, die ich regelmässig beim Öffnen einer Zmorgeflöckli- oder Chipspackung habe. Sie kennen das. «Hier eindrücken» steht da etwa. Oder man soll an einer Lasche ziehen, damit man endlich Zugriff auf sein Lebensmittel erhält. Aber entweder reisst die Lasche ab oder der Müeslisack springt so weit auf, dass kein Klüppli oder Klämmerli der Welt das ganze Unglück noch zusammenhalten könnte. 

Und so eben auch beim Ahornsirup. Dort hat es sogar drei klitzekleine Laschen am Siegel, das zum Vorschein kommt, sobald man den Deckel abschraubt. Aber alle drei Versuche, dieses Sicherheitssiegel abzuziehen, scheitern jeweils kläglich. Ich begann, das ganze zu dokumentieren, um eines Tages den Saftladen mit einer geballten Ladung Beweisfotos zu bombardieren. Natürlich mit der Forderung, den Missstand sofort zu beheben oder mich zur Besänftigung wenigstens fortan gratis mit Ahornsirup zu versorgen. Sonst droht der Boykott. Imfall.

Ich glaube ja, es gibt im Detailhandeluniversum Personen, deren einzige Aufgabe es ist, Wege zu finden, um die Kunden für dumm zu verkaufen. Ist ja auch irgendwie eine Strategie. Der Kunde will sich nämlich nicht eingestehen, dass er dumm ist und kauft das Produkt immer wieder, um es irgendwann zu besiegen. Zumindest klappt es bei mir so. «Heute schaffe ich es!» Immer und immer wieder. Die Boykott-Drohung habe ich auf jeden Fall bisher nicht abgeschickt. 

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Zum Glück gibt es mittlerweile einen neuen Grund, mich regelmässig über Verpackungen aufzuregen. Ist Ihnen aufgefallen, dass man bei vielen Konservendosen den Boden plötzlich nicht mehr mit dem Büchsenöffner rausschneiden kann? Nun füllt sich der Sack mit den Dosen fürs Recycling natürlich doppelt so schnell, weil man die leeren Konserven nicht mehr flachdrücken kann. Ergo müssen wir auch doppelt so oft zum Container pilgern. 

Und genau darum führe ich jetzt Statistik. Und irgendwann schreibe ich dann eine wütende, mit ordnerweise Statistiken begleitete Nachricht an diesen Saftladen. Natürlich mit der  Forderung, den Missstand sofort zu beheben oder zur Besänftigung wenigstens fortan meine Dosen bei mir abzuholen und sie zu entsorgen. Sonst droht der Boykott. Imfall. 

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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