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Mit 140 Pferden in eine grüne Zukunft

Züriost-Blog

Mit 140 Pferden in eine grüne Zukunft

Thomas
Bacher
Sonntag, 28. Juli 2019, 09:55 Uhr Züriost-Blog

Vor einigen Wochen habe ich an dieser Stelle versucht, mich als Autofahrer von der Schuld der Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung reinzuwaschen. Ich tat dies mit lächerlichen Argumenten, für die ich mich von ganzem Herzen entschuldigen möchte.

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Denn schliesslich habe ich es gar nicht nötig, mich hier als Büsser in den Staub zu werfen. Ganz im Gegenteil. Klar, richtige Autos verbrennen Benzin oder Diesel und stossen ein bisschen Kohlendioxid aus, das gemeinhin als Klimakiller gilt. Man muss das aber immer in der richtigen Relation sehen. Mein Auto – ich nenne es Black Beauty – hat 140 PS. Und PS steht für Pferdestärken. Für die gleiche Leistung müsste ich also 140 Pferde vor meine Kutsche spannen.

Wenn das alle täten, dann hätten wir ein extrem krass-massives Stauproblem, zumal die Männer mit kleinen Penissen ja dann mit 600- oder 700-Spännern unterwegs wären. Dazu kommt: Eine dermassen riesige Anzahl von Pferden würde den Vegetariern den Hafer und die Rüebli wegfressen. Und, man muss es so sagen: Die Viecher wären in der Lage, die ganze Gegend innerhalb weniger Wochen meterdick zuzuscheissen.

Als Autofahrer hat man viele Möglichkeiten, etwas für die Natur und gegen die Erderwärmung zu tun. Während der letzten Hitzewelle etwa bin ich mit geöffnetem Fenster und voll aufgedrehter Klimaanlage rumgefahren, um der Umwelt ein bisschen Kühlung zu verschaffen. Nur ein kleiner Beitrag, ich weiss, aber man muss seine Verantwortung wahrnehmen.

Das ist der Hungrige Hugo. Zur Abwechslung lasse ich ihn mal in meinen Finger beissen.

Besonders stolz bin ich allerdings auf das kleine Biotop in meinem Auto. Angefangen hat es mit einer Ameise, einer ziemlichen grossen, schwarzen. Der Hungrige Hugo, so nenne ich sie, wohnt seit bald zwei Monaten bei mir. Dass Ameisen ohne ihre Artgenossen nach einer Woche sterben, stört ihn wohl nicht. Jedenfalls scheint der Hungrige Hugo jeweils förmlich auf mich zu warten. Denn kaum bin ich eingestiegen, klettert er auf meinen Fuss, krabbelt aufwärts und beisst mich in die Wade, dieser kleine Racker.

Vor etwa zwei Wochen ist noch eine etwas kleinere Ameise eingezogen, die wie besessen die Brot- und Kekskrümel abtransportiert. Auf sie folgte eine Fliege, und schliesslich eine Spinne, die ich zwar nie sehe, deren Netz mich aber jeden Morgen aufs Neue überrascht. Während die Tierwelt also in der Glyphosat-verseuchten Natur elendig verreckt, habe ich in meinen Auto ein völlig intaktes Biosphärenreservat inklusive Nahrungskette.

An der Spitze dieser Nahrungskette befindet sich der Hornochse, der immer hinter dem Steuer sitzt. Hornochsen kommen zwar häufig vor in Autos, meiner ist aber ein besonders stattliches, gut aussehendes Exemplar. Äh Moment, Ochsen sind doch kastrierte Stiere, oder? Egal, dann kann er wenigstens keine CO2 verursachenden Kinder zeugen.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber. 

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