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Ich habe gelogen

Züriost-Blog

Ich habe gelogen

Lea
Chiapolini
Sonntag, 07. Juli 2019, 09:56 Uhr Züriost-Blog

«Seisch en Gruess!» Hat jemand schon mal mit einem Nein auf diese Aufforderung geantwortet? «Ja klar!» ist schneller gesagt, als man sich überhaupt daran erinnern kann, welcher Tag gerade ist. Und wie viele von diesen Grüssen werden wirklich ausgerichtet? Die Antwort liegt wohl im Promille-Bereich. Ich weiss nicht, wie viele Aberdutzende von Grüssen ich in meinem Leben schon nicht ausgerichtet habe. Wie viele wurden mir wohl nicht weitergegeben?

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Diese Grüsse wohnen hoffentlich irgendwo glücklich zusammen mit den Tausenden von Haarspängeli, die mir schon abhandengekommen sind, und bräunen sich mit ihren Kugelschreiber-Freunden im Licht all der Feuerzeuge, die sich Raucher gegenseitig stehlen.

«Ich mäld mi bi dir, denn chömmer öpis abmache!» Noch so eine Floskel, die meist auf eine etwas staksige Umarmung und ein vermurkstes Gespräch folgt, weil man sich seit der «Best Friends Forever»-Phase derart auseinandergelebt hat, dass man nicht mal mehr weiss, ob man sich jetzt umarmen soll oder ob ein Händedruck mehr als genug ist. Wenn wir uns wirklich treffen wollten, hätten wir es schon lange getan. Das weisst du, das weiss ich. Und das ist auch okay.

«Wie gahts der?» Ich probiere ja wirklich, ehrlich zu sein. Auch wenns schwer fällt. Aber würde man tatsächlich immer ehrlich antworten, wenn man diese Frage gestellt bekommt, würde dieser Brauch wohl zügig aussterben. So genau wollen wir es gar nicht wissen – besonders dann nicht, wenn wir diese Frage als Einstieg in ein Gespräch benutzen. Darum haben wir cleveren Menschen einen scheinbar brauchbaren Antwort-Code erarbeitet zu haben: «Gut» bedeutet gut. «Gutgut» bedeutet mittelgut. «Gutgutgut» bedeutet nicht gut. «Super, nei würkli, mega, mega guet» bedeutet «Können wir BITTE über etwas anderes sprechen?!?».

Manchmal will ich aber auch nicht ehrlich sein. Und genau dann klappts oft nicht. Wenn ich zum Beispiel von meiner Schwiegermutter zwei wunderschöne Orchideen geschenkt bekomme, diese dann aus unerfindlichen Gründen ein schnelles Ende auf meinem Chuchisims finden, ich in der Ikea zwei identische Blumen nachkaufe, weil die Schwiegermutter bald zum Znacht kommt, sie dann bei besagtem Znacht die Blütenpracht lobt und ich ein derart schlechtes Gewissen habe, dass ich den ganzen Betrug sofort zugebe.

Lea Chiapolini will doch eigentlich gar nicht so viel. Nur ein schönes Leben, gutes Essen, viel zu lachen und ab und zu etwas zu motzen. Und natürlich immer Recht haben. Aber dies ist ihr erstes Leben. Sie übt noch.

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