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Okay, jetzt ist endlich Schluss mit den Beleidigungen

Züriost-Blog

Okay, jetzt ist endlich Schluss mit den Beleidigungen

Thomas
Bacher
Mittwoch, 03. Juli 2019, 13:27 Uhr Züriost-Blog

Neulich schrieb ich einem Artikel folgenden Satz: «Die Dübendorfer bekommen neu eine separate Rechnung.» Das war natürlich nicht korrekt, denn auch die weiblichen Dübendorfer, also die Dübendorferinnen, bekommen neu eine separate Rechnung (was für eine Rechnung soll uns an dieser Stelle nicht kümmern). Also schrieb ich «Dübendorferinnen und Dübendorfer», denn ich weiss, dass Frauen nicht einfach mitgemeint, sondern auch explizit erwähnt werden wollen. Kann ich auch voll verstehen.

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Doch dann beschlichen mich Zweifel. Was, wenn einige Dübendorferinnen beleidigt sein würden, weil sie zuerst genannt werden. So wie halt einige Frauen männliche Galanterie als unangenehm empfinden und nicht möchten, dass man ihnen in den Mantel hilft oder die Tür aufhält. Von der Gewichtung her wäre es zwar korrekt gewesen, die Dübendorferinnen zuerst zu erwähnen, denn der Frauenanteil ist in Dübendorf mit 50,4 Prozent leicht höher, aber das müsste man ja dann in jedem Artikel anmerken, was reichlich umständlich wäre.

Sind auch wirklich alle mitgemeint?

Also schrieb ich das unverfängliche «Dübendorfer*innen», machte mir aber sogleich Sorgen, dass ich mit dem Stern jemandes religiöse Gefühle verletzen könnte. Also schrieb ich «Dübendorfer_innen» und kurz darauf «Dübendorfer___innen», damit dazwischen wirklich genug Platz war für Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen, sich nicht festlegen können oder wollen oder asexuell sind. Und am Schluss noch ein Plus für alle, die sich davon noch nicht angesprochen fühlen, also «Dübendorfer___innen+»

Und das ist es, das neue Wappen, das hoffentlich niemanden beleidigt. (Bildmontage: Thomas Bacher)

Doch reichte das? Was war mit den neu Zugezogenen, sagen wir mal Volketswiler___innen+, die noch nicht richtig in ihrer neuen Heimat angekommen sind und sich nach wie vor ein wenig als Volketswiler sehen? Diese Menschen als Dübendorfer___innen+ zu bezeichnen, käme ja einem Übergriff gleich. Deshalb schrieb ich «Düben___dorfer___innen+», damit war zwischen dem «Düben» und dem «dorfer» noch genügend Raum für Heimweh.

Auch die Hater gilt es einzubinden

Doch was, wenn Dübendorf beleidigt wäre, dass es immer noch als Dorf bezeichnet wird, wo es doch bald 30‘000 Einwohner hat und damit definitiv eine Stadt ist? Also baute ich noch eine Skyline als Symbol der Urbanität ein: «Düben___dorfer___/\/\oll/\___innen+».

Bis es mich glühendheiss durchfuhr: Ich hatte diejenigen vergessen, die zwar in Düben___dorf___/\/\oll/\ wohnen, es jedoch hassen, aber nicht wegziehen können, weil sie die Kinder nicht entwurzeln wollen oder vom Partner oder der Partnerin oder das Partner___in+ dazu gezwungen werden? Für diese Menschen musste es ein Hohn sein, als «Düben___dorfer___/\/\oll/\___innen+» bezeichnen zu werden, also schrieb ich ganz einfach: «Düben___dorfer___/\/\oll/\___innen+». Gar nicht schlecht, finde ich. Vielleicht ein wenig sperrig, aber daran gewöhnen wir uns schon.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber.

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