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WG-Party für Aussenseiter

Züriost-Blog

WG-Party für Aussenseiter

Redaktion
Züriost
Sonntag, 30. Juni 2019, 11:11 Uhr Züriost-Blog

Wenn du mit Mitte 30 nach langer Zeit wieder mal an eine WG-Party mit lauter Zwanzigjährigen eingeladen wirst, merkst du an folgenden Anzeichen, dass du irgendwie älter bist, als dir bewusst war:

1. Du hast Kinder dabei. Zugegeben, es sind ein paar Leute da, die offensichtlich sehr jung Eltern geworden sind und ebenfalls Kinder am Rockzipfel mitschleppen, aber sie nehmen es positiv formuliert viel gelassener, weil sie sich auf die Breite des Gartens gekifft haben, noch bevor du eingetroffen bist, weil du deine Kinder halt noch mit Sonnencreme einschmieren musstest und dich an deinen letzten Joint sowieso nicht mehr erinnern kannst.

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2. Angesichts der randvollen, aber etwas unübersichtlichen Kühlschränke und des offensichtlichen Mangels an Zeitmanagement fühlst du dich automatisch für die Zubereitung der Grillbeilagen verantwortlich, sodass du aus einer chaotischen Masse an Nahrungsmitteln nebst deinen mitgebrachten Salaten noch schnell eine Bowle mit Alk, eine ohne, einen Gurkensalat und ein Schoggimousse herstellst, obwohl es in dem Haushalt keinen Schwingbesen gibt.

3. Alle WG-Bewohner ausser demjenigen, der dich eingeladen hat, siezen dich höflich, obwohl du dich mit Vornamen vorstellst.

4. Die spät hinzugekommene WG-Bewohnerin, die dich allein antrifft, während du in ihren Schränken nach Zucker suchst, reagiert leicht ungehalten auf dein «Hoi, ich bi d Isa, ich ghöre zu...» und sagt: «Has fascht denkt. Sind Sie d Muetter?!» (da die fragliche Person 20 ist, wäre es biologisch möglich, aber die Bemerkung wirft unangenehme Fragen auf).

5. Die zwanzigjährigen Mädchen sehen in ihren bauchfreien Tops aus wie frische Nektarinen, während du im Direktvergleich allenfalls als reifer Pfirsich durchgehst.

6. Dass der Grill im Ausland gekauft wurde und die Schweizer Gasflasche nicht ganz gepasst hat, sodass man den Anschluss «umgebaut» hat, beunruhigt nur dich, höchstens vielleicht noch deinen sogar noch älteren Ehemann.

7. Bei der Unterhaltung mit den sehr netten jungen Frauen beginnst du deine Sätze mehrmals mit «weisch, früehner...», und einmal sagt dir eine darauf neckisch «isch alles besser gsi, das wüssemer!», dabei wolltest du nur erzählen, dass du in dem Alter deinen Freund noch bei dessen Eltern zuhause anrufen musstest, mangels Handy. Die jungen Frauen zweifeln an dieser Geschichte.

8. Alle Männer ausser deinem Ehemann tragen die Badehosen sichtbar mit Unterhosen drunter.

9. Du bist um 21 Uhr wieder zuhause und bist sehr happy mit einem unspektakulären Abend mit Ehemann, Rotwein und schlafenden Kindern, während die WG-Party mutmasslich erst richtig beginnt.

Isabelle Maissen fragt nicht, ob sich Beruf und Familie vereinen lassen. Sie packt einfach alles ins Leben, was ihr wichtig scheint: Den abenteuerlichen Alltag mit zwei Schulkindern, einen Job, der jeden Tag anders daherkommt und viel Auslauf in Form von sportlicher Betätigung. Manchmal liegt auch etwas Schlaf drin. Der Ehemann «hilft» nicht im Haushalt, sondern erledigt genauso selbstverständlich seine Hälfte, wie sie ihre Hälfte zum Einkommen beiträgt. Die Ehe funktioniert trotzdem und die Kinder wirken soweit unbeschädigt.

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