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Gespritzter Weisswein mit Zitrone und Eis

Züriost-Blog

Gespritzter Weisswein mit Zitrone und Eis

David
Kilchör
Mittwoch, 01. Mai 2019, 09:32 Uhr Züriost-Blog

Kürzlich im Feierabendbier. Wenn's denn Bier gewesen wäre. War es aber nicht. Zum Glück - oder auch nicht. Sonst hätte sich dies niemals zugetragen.

Ich bestelle eine Stange Bier. F., S. und X. je einen gespritzten Weissen mit Zitrone und Eis. F. und X. erhalten einen schönen Schnitz Zitrone, S. nur ein Stück Schale. S.'s Miene verfinstert sich zum grimmigen Blick, der zwischen den Gläsern von F. und X. hin und her schweift. Ich erlöse S., indem ich das Stück Schale aus dem Glas nehme und bei F. reinwerfe - mit der Absicht, dort das gute Stück Zitrone rauszufischen.

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Nur klappt das leider nicht. F. ist überraschend reaktionsschnell und schlägt meine Hand mit einer zackigen Bewegung zurück, hat nun also zwei Zitrönchen im Glas, davon eine Schale. X. fängt Feuer für das Unterfangen und streckt die rechte Hand schleichend in Richtung F.s Glas. F. schüttelt nur irritiert den Kopf und schützt das Glas mit den Armen. S. lacht und sagt, in X.s Hand wolle man reinbeissen. F. sagt: Oder sie einfach wegschmettern. Und ich sage, ein Messer reinstecken wär noch lustig. Das finden die andern ein bisschen derb.

S. berührt die Gruselhand und schaudert. Sie sei ganz kalt. Ein bisschen wie ein Zombie. X. ist von der wenig charmanten Feststellung unbeeindruckt und beginnt die unheimliche Handbewegung immer wieder von vorn. Natürlich ohne Effekt. F. schützt das Glas erfolgreich.

Dann muss X. aufs Klo und F. kann sich rasch entspannen. Während einer kurzen Streck- und Dehnbewegung klaue ich das Glas, worauf F. sich mit Gebrüll auf mich stürzt. Ich halte F.s Klauen mit der linken Hand von mir fern, während ich S. bedeute, die gute Zitrone aus dem Glas zu fischen. X. ist mittlerweile zurückgekehrt und fischt gleich mit. S. gewinnt die Zitrone, schmeisst sie sich mit Siegeslächeln ins Glas und lehnt sich zurück.

X. nutzt die Gelegenheit, um die eben errungene Zitrone erneut zu klauen und sie sich selber ins Glas zu werfen. Dabei bleibt das eigene Glas jedoch unbeaufsichtigt, was F. ausnutzt, um sich ebendort zu bedienen und das eigene Glas wieder zu bestücken. Doch macht F. dabei denselben Fehler wie X., was ich ausnutze, um dort die doofe Schale rauszuklauben und sie S. zurück ins Glas zu werfen. Nach dem Motto: besser als nichts.

Die Situation ist so eigentlich recht unbefriedigend - alles ist wieder wie zu Beginn. Wäre da nicht F.s kurze Unaufmerksamkeit, als X. wieder mit dieser Handbewegung startet. Ich klaue die gute Zirone raus und werfe sie bei S. ins Glas. X. zieht die Hand zurück, schnappt die eigene Zitrone und beisst hinein. Die will jetzt niemand mehr. S. schenkt F. die doofe Schale. F. trinkt sein Glas zügig aus und behauptet, damit sei das Spiel beendet - mit Sieg für F.

Ich widerspreche. X. habe mit dem Biss beschissen, F. habe mit den grossen Schlücken faktisch kapituliert. Ergo habe S. gewonnen. Bis auf F. sind alle mit diesem Befund einverstanden, X. behauptet lediglich, der Biss in die Zitrone sei kein Beschiss gewesen, bleibt aber den Gegenbeweis schuldig.

Und ich denke so: Freiwillig würde ich nach diesem Kindergarten aus keinem der drei Gläser mehr trinken. Aber ich hab mir ja ein Bier bestellt.

David Kilchör bestreitet seinen Blog wie sein Leben: Ohne Plan, ohne Themenschwerpunkt. Dafür mit viel Vertrauen, dass es trotzdem gut kommt. Oder zumindest nicht im Desaster endet. Und wenn es doch im Desaster endet, macht er daraus seinen nächsten Blogeintrag.

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