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«Fahren Sie mich zum Bahnhof?»

Züriost-Blog

«Fahren Sie mich zum Bahnhof?»

Beni
Frenkel
Mittwoch, 01. Mai 2019, 09:34 Uhr Züriost-Blog

Als Journalist bin ich für den «Zürcher Oberländer» eigentlich nicht genügend gut qualifiziert. Ich habe nämlich keinen Führerschein.

Beim Bewerbungsgespräch bin ich damals der Frage ausgewichen, ob ich denn Auto fahren könne. Ich habe dem Chefredaktor angedeutet, dass ich mich anstrenge, wenigstens den Fahrausweis für ein Töffli zu erlangen. Oder zumindest ein E-Bike anzuschaffen.

Mir war damals nicht bewusst, wie gross das Zürcher Oberland in Wirklichkeit ist. Ich lebe in Zürich benötige nie länger als eine halbe Stunde, um in der Stadt von A nach B zu gelangen.

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Mein erster Auftrag beim «Zürcher Oberländer» war dann ein Porträt in Russikon. Mit dem Zug und Postauto dauerte die Hinfahrt über eine Stunde. Mit dem E-Bike hätte ich es wahrscheinlich in 40 Minuten geschafft. Aber dann hätte ich bei der Ankunft mich gleich duschen müssen.

Das Porträt ist mir dann sehr gelungen, das darf ich sagen. Im Hinterkopf hatte ich allerdings immer die Abfahrtszeiten des Postautos. Das fährt dort nur einmal in der Stunde vorbei.

Ich guckte während des Gesprächs immer auf die Uhr und hörte meinem Gegenüber gar nicht mehr richtig zu. Wahrscheinlich wirkte ich sehr nervös. Denn der Interviewpartner fragte mich, ob ich einen Kaffee und ein Gipfeli möchte.

Dankbar sagte ich «Ja, bitte». Der Kaffee schmeckte vorzüglich. Die Person wollte noch mehr von mir erfahren. Zum Beispiel, ob alles okay sei mit mir.

Da gestand ich ihr, dass ich zur Menschengruppe ohne Führerschein zähle. «Dann fahre ich Sie zum Bahnhof», meinte sie.

Ich sagte natürlich: «Nein, das ist doch nicht nötig.» Und sie antwortete: «Schade, Sie haben gerade das Postauto verpasst. Das nächste kommt in einer Stunde.»

Ich liess mich dann doch zum Bahnhof fahren und erfuhr: Am nächsten kommt man sich im Auto. Da ist man ehrlich, offen und kann über alles reden.

Seitdem ist meine erste Interviewfrage immer: «Können Sie mich nachher zur Redaktion fahren? Oder wenigstens zum Bahnhof?»

Während der letzten sechs Monate durfte ich deswegen schon in einem Audi, BMW, Mercedes, VW und Mitsubishi sitzen. Und zwar vorne. Mein Wunsch ist nun, einmal in einem Jaguar oder Porsche zu sitzen.

Meine zweite Interviewfrage ist deswegen immer: «Welche Automarke fahren Sie?»

Beni Frenkel ist noch ein Redaktionsküken: Erst seit Herbst 2018 betreut er die Gemeinden Russikon und Bauma. Der dreifache Familienvater und mittelmässige Ehemann wohnt in Zürich. Seine Begeisterung für das Zürcher Oberland steigert sich von Tag zu Tag. Frenkel wandert gerne auf leicht hügeligen Wanderstrecken. Seine weiteren Hobbys sind: Briefmarken, Bücher und Schnaps.

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