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Autofahren in Zeiten der Klimaerwärmung

Züriost-Blog

Autofahren in Zeiten der Klimaerwärmung

Thomas
Bacher
Mittwoch, 01. Mai 2019, 09:31 Uhr Züriost-Blog

Es geschah vor wenigen Tagen. Ich cruiste mit meinem Auto entspannt im Innerortsbereich und trommelte ein virtuoses Schlagzeugsolo auf dem Lenkrad, als mir aus einer Seitenstrasse unverhofft ein roter Golf vor die Nase fuhr. Ich stieg voll auf die Bremse und kam mit quietschenden Reifen (ABS ist defekt) etwa 7 Zentimeter hinter dem Golf zum Stehen. Ausser mir vor Wut, schrie ich: «Du blöde Kuh!» (Ob die Fahrerin männlich oder weiblich war, konnte ich wegen den getönten Scheiben nicht sehen, aber ich ging einfach mal davon aus, dass eine Frau am Steuer sass.) Und dann brüllte ich ihr noch hinterher: «Wegen Dir muss ich jetzt wieder anfahren, weisst du eigentlich, was das bedeutet?»

Autofahrer haben es bekanntlich nicht leicht. Sie werden nicht nur für die Mehrzahl der Autounfälle verantwortlich gemacht, man gibt ihnen auch noch eine Mitschuld an der Klimaerwärmung. Der Schuldanteil bewegt sich je nach Quelle zwischen 25 und 35 Prozent. Also nicht ganz unerheblich.

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Für mich gilt das selbstverständlich nicht. Denn eigentlich ist es ja ganz einfach. Man setzt sich ins Auto rein, gibt kurz Gas - und schon rollt das Ding los. Und rollt. Und rollt. Und rollt. Das Problem ist, dass man dauernd abbremsen und anhalten muss. Zum Beispiel, wenn einem eine Frau vor die Nase fährt. Und das Anfahren, ja, das gebe ich zu, das benötigt natürlich ein wenig fossile Energie und setzt demzufolge ein bisschen CO2 frei.

Noch schlimmer als die Kühe aber sind die Schleicher. Mit Hut und Brille und 79 km/h stoisch auf der gut ausgebauten Landstrasse unterwegs, auf der man locker mit 130 Sachen fahren könnte. Und wegen des dichten Gegenverkehrs kann man nicht überholen. Ja, ich weiss, langsam fahren bläst weniger CO2 in die Luft. Aber die Zeit, die ich hinter einem solchen Sonntagsfahrer verliere, fehlt mir am Ende des Tages, um einen Baum zu pflanzen oder die Wale zu retten. Das sollte man nicht vergessen.

Das grösste Übel sind jedoch die Fussgänger. Dauernd wollen sie von der einen Strassenseite auf die andere Strassenseite. Und sie werfen sich förmlich auf den Fussgängerstreifen, im Bewusstsein, im alleinigen Recht zu sein. Was macht der Autofahrer? Er bremst ab, fährt wieder an, bremst ab, fährt wieder an. Undsoweiterundsofort. Wahrscheinlich verursachen Fussgänger, indem sie Autofahrer zum Abbremsen und wieder Anfahren zwingen, mehr CO2 als die Autofahrer selber. Zieht euch das mal rein, ihr grünen Weltverbesserer.

Aber eigentlich ist die Welt ja selber schuld, dass sie immer mehr ins Schwitzen gerät. Wäre sie nicht so verdammt gross, müsste ich in den Ferien nicht mit dem Auto nach Südfrankreich fahren, sondern könnte ganz locker hinspazieren.

Thomas Bacher ist überzeugt davon, dass die Welt um ihn herum immer verrückter wird. Seinen Psychiater möchte er damit nicht belästigen, viel lieber schreibt er darüber. 

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