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Digitalisierung in Oberländer Klassenzimmern schreitet voran

Wenn das iPad zum Etui wird

Digitalisierung in Oberländer Klassenzimmern schreitet voran

Bis zur Einführung des Lehrplans 21 2018/2019 müssen die Schulen im IT-Bereich aufrüsten und die Lehrer entsprechend weiterbilden. Das stellt die Gemeinden der Region vor grosse Herausforderungen.

Rico
Steinemann
Freitag, 12. Mai 2017, 13:55 Uhr Wenn das iPad zum Etui wird
Girl Using Digital Tablet In Computer Class
Girl Using Digital Tablet In Computer Class
Gehört längst zum Unterricht: Die Arbeit mit Tablets, Laptops oder Computern ist in vielen Schulen bereits Alltag. (Symbolbild: Fotolia)

Die Digitalisierung durchdringt unseren Alltag in vielen Bereichen. Klar, dass sie auch vor dem Klassenzimmer nicht Halt macht. Oder wie es Sarah Knüsel, Präsidentin des Verbandes der Zürcher Schulleiter, sagt: «Die digitale Revolution ist längst Alltag in der Schule. Der Hellraumprojektor ist an vielen Orten passé, Vorträge machen die Kinder in der Mittelstufe heute mit Power Point.»

Die Schulen des Kantons Zürich müssen laut Bildungsdirektion bis zur fünften Primarschulstufe ab 2018 den neuen Lehrplan 21 einführen. Die Sechstklässler und die Sekundarschulen sind ein Jahr später an der Reihe. Um der fortschreitenden Digitalisierung auch im Klassenzimmer Rechnung zu tragen und die Vorgaben des Lehrplans 21 umsetzen zu können, müssen die Schulen, insbesondere im IT-Bereich, aufrüsten.

Denn die Volksschule hat durch das Fach Medien und Informatik sicherzustellen, «dass Jugendliche ausreichende ICT (Information and Communication Technology) – und Medienkompetenzen erwerben, damit sie sich erfolgreich in einer von Medien stark beeinflussten Welt bewegen können», wie es auf der Website des kantonalen Volksschulamtes heisst.

Teure IT-Infrastruktur

Verantwortlich für die Umsetzung des Lehrplans sind die Schulleitungen, bezahlt wird die IT-Infrastruktur von den Gemeinden. Damit die Schulen ab 2018/2019 für das Fach Medien und Informatik gerüstet sind, müssen sie in die Infrastruktur investieren. Und das kostet. So plant beispielsweise die Primarschule Wetzikon für 1,7 Millionen Franken die Infrastruktur für ihre Schulinformatik bis Ende 2018 zu erneuern (wir berichteten).

Urs Kienast, Leiter Informatik der Primarschule Wetzikon, sagt dazu: «Wir haben rund 700 neue Geräte für 1750 Schüler und 250 Lehrer angeschafft. Die Infrastruktur war veraltet, jetzt haben wir eine gute Basis.» Ein Verhältnis von Computer zu Schüler von 1:2 oder 1:3 wäre ideal. Man sei daher in Wetzikon im guten Mittelfeld, so Kienast weiter. «Eine grosse Herausforderung ist es auch, alle Schulen mit einem Wireless-Netzwerk zu erschliessen. Das ist heute noch nicht der Fall.»

Idealerweise sind bis 2018 alle Schulen auf dem gleichen Stand, doch Sarah Knüsel winkt ab. «Es ist utopisch zu glauben, dass alle mit der gleichen Infrastruktur starten. Jede Gemeinde muss sich da ihre Gedanken machen.» Ironisch fügt sie an: «Hier kommt der Föderalismus besonders gut zum Tragen. Jedes Dorf kann selber entscheiden, wie es vorgehen möchte.»

Volketswil ist bereit

In der Region verfügt beispielsweise Volketswil über eine besonders fortschrittliche IT-Infrastruktur. Der dortige IT-Verantwortliche und Sekundarschullehrer Reinhard Spross hat bereits vor vier Jahren mit seiner Klasse probeweise das Arbeiten mit iPads eingeführt.

Seit letztem Sommer sind sämtliche Schüler der Sek-Klassen mit iPads ausgerüstet. «Die Geräte sind in jeder Stunde präsent. Sie sind wie ein Etui auf dem Tisch, die Schüler können so jederzeit einen Link aufrufen oder ein von mir bereit gestelltes Kurzvideo ansehen», so der Lehrer.

Spross, seit über 30 Jahren in seinem Beruf tätig, steht der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber. «Klar, es verändert den Unterricht, aber es gibt einem mehr Möglichkeiten, diesen interessanter zu gestalten.» Schulunterricht habe sich immer entwickelt, früher habe man Dias benutzt, später Hellraumprojektor und Beamer. Auf die Frage, ob die Aufmerksamkeit der Schüler durch die ständige Verfügbarkeit der Tablets nicht beeinträchtigt sei, antwortet Spross: «Da ist man als Pädagoge gefragt und muss klare Anweisungen geben. So, wie man früher für Ordnung sorgen musste, wenn zuviel geschwatzt wurde.» Was den verantwortungsvollen Umgang mit Tablet, Laptop oder Smartphone angeht, sieht Spross auch die Eltern in der Pflicht. «Regeln aufstellen und darauf achten, dass die Geräte zielgerichtet eingesetzt werden – da müssen auch die Eltern mitarbeiten.»

Stolperstein Weiterbildung

Obwohl es die Vorgabe des Volksschulamtes ist, dass alle Schüler mit den Medien umgehen können, kann nicht jede Gemeinde ihre Klassen so ausrüsten, wie es in Volketswil geschieht. Sarah Knüsel sagt dazu: «Es macht natürlich einen Unterschied, ob jeder in der Klasse ein Gerät hat oder nur drei Geräte für die gesamte Klasse zur Verfügung stehen.» Dennoch sieht sie die grösste Herausforderung nicht in den unterschiedlichen Voraussetzungen für die Infrastruktur, sondern in der rechtzeitigen Weiterbildung der Lehrer. «Wir möchten alle Lehrer bis 2019 ausbilden, was aber wegen dem Mangel an Ausbildungsplätzen nicht möglich ist. Das hat für Unmut gesorgt.» Man suche derzeit mit dem Volksschulamt nach Lösungen.

Auch Urs Kienast sieht in diesem Bereich noch Handlungsbedarf. Im Gegensatz zu Wetzikon hätten momentan nur wenige Oberländer Gemeinden eine speziell ausgebildete Lehrperson für pädagogischen ICT-Support, einen sogenannten PICTS. «Der PICTS kann den Lehrern in der Vorbereitung der Lektionen und im Unterricht selber Unterstützung anbieten», so Kienast. Etwas, was Informatiker eher nicht können würden.

Die Weiterbildung der Lehrer ist auch darum von Nöten, um mit dem Wissen der Kinder Schritt halten zu können. Die so genannten «Digital Natives» wüssten oft besser Bescheid, wie man die Geräte bedient. Reinhard Spross bemerkt: «Die Kinder bedienen den iPad teilweise besser als ich. Sie zeigen mir Dinge. Es ist für sie völlig normal mit diesen Geräten umzugehen.»

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