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Die Wiederentdeckung der Freiheit

Camping

Die Wiederentdeckung der Freiheit

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung In den Nachkriegsjahren stiegen auch die Wünsche und Träume – und auch die Sehnsucht nach Reisen in fremde Länder.

Monika
Zeller-Spross
Dienstag, 06. März 2018, 11:52 Uhr Camping

Italien galt lange als das Traumziel schlechthin: Sonne, Sand und Meer. Flugreisen waren nur etwas für Gutbetuchte. Doch mit der Massenproduktion erschwinglicher Autos kam eine neue Freiheit auf – das Reisen mit dem Camper oder Wohnmobil. Heute, rund 70 Jahre später, entdecken wieder immer mehr Europäer die Freiheit des Reisens mit einem Camper. Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass 1950 eine Flugreise in die USA fast gleich viel kostete wie ein neuer VW Käfer. Und es verging noch einige Zeit, bis Fliegen erschwinglich wurde. Für viele Menschen blieb so die Reise mit dem Auto das Nonplusultra.

Mit 25 PS durch Europa

Den Anfang des Reisebooms mit dem Auto in Europa machte der VW Käfer – damals der Volks­wagen schlechthin. Am 8. März 1950 landete VW einen Coup mit dem Produktionsbeginn des Kleinbus T1, bekannt geworden unter dem Namen «Bulli». Er kostete nur wenig mehr als ein Käfer. Mit einer Campingbox von Westfalia war der Bulli eines der ersten Fahrzeuge, die zum Reisen und Übernachten im Auto geeignet waren. Weil diese Boxen nicht fix im Fahrzeug montiert wurden, konnte der Wagen im Alltag weiter als Personenwagen eingesetzt werden. Noch sind solche Boxen ein beliebtes Accessoire und in verschiedenen Varianten erhältlich. Übrigens wurden die ersten Bullis von einem 25-PS-Motor mit Luftkühlung angetrieben. Spitzentempo: 85 km/h! Bereits 1951 ging das Sondermodel «Samba» in Produktion. Der Bus hatte sage und schreibe 23 Fenster! Und, kaum zu toppen damals: das erste Autoradio überhaupt: ein Röhrenempfänger.

Die Geburt des Reisemobils

In Kombination mit der Campingbox von Westfalia wurden der Bulli und der Samba zu den ersten familientaug­lichen Reisemobilen. Die Box war ausgerüstet mit einem Gaskocher, einem Platz für zwei Gasflaschen und einem Klapptisch. Über dem Motorenraum gab es einen zusätzlichen Schrank, und an den Doppeltüren konnten Regale eingehängt werden. Einen als Campingbus konzipierten T1 gab es ab 1961, ausgerüstet mit Schlafplätzen, Wassertank, Kochstelle, Kühlbox, Chemie­toilette und auf Wunsch mit ­Aufstelldach. Mit diesen wandel­baren, kompakten Reisemobilen kam eine neue Freiheit auf: die Individualreise. Mit dem Aufkommen billiger Pauschalreisen mit dem Flugzeug ebbte der Trend mit den Reisemobilen in den 1970er Jahren wieder ab.

Reisemobile: So beliebt wie nie

Heute jedoch ist eine Trendwende im Gang. Nie zuvor wurden so viele Reisemobiles gekauft wie letztes Jahr. Weshalb? Viele Menschen haben in der indivi­duellen Reise mit dem Camper, dem Reise- oder Wohnmobil, wieder die Freiheit beim Reisen entdeckt. Und viele haben gemäss einer Umfrage auf euro­päischen Campingplätzen die Warteschlangen an den Check-Ins und die Sicherheitskontrollen und immer schärferen Auf­lagen beim Fliegen satt. Beliebte Ziele von Pauschalreisen sind zudem durch Terroranschläge in Verruf geraten.
Auf den vielen schön gelegenen Campingplätzen gerät man jedoch kaum in Gefahr, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Die heimische Schweiz oder attraktive Ziele in Europa mit dem Camper zu erkunden, hat einen neuen Reiz gewonnen. Und nicht zuletzt lassen sich mit dem Camper Orte entdecken, die weitab vom Massentourismus gelegen sind.

Welcher Typ Camper, Reise- oder Wohnmobil?

Möchte man Ferien mit einem Camper, Reise- oder Wohnmobils machen, sollten folgende Überlegungen gemacht werden: Mieten oder kaufen (siehe Box unten)? Neuwagen oder Occasion? Fertig ausgebautes Wohnmobil oder Kompaktreisemobil, das zu diesem Zweck mit wenigen Handgriffen angepasst werden kann? Mit welchen Fahrzeugen darf ich mit meinem Führerausweis fahren?
Wer viel unterwegs ist, sollte ein fertig ausgebautes Fahrzeug ins Auge fassen. Das Marktangebot ist gross. Eine der führenden und ältesten Marken ist Hymer, für dessen Fahrzeuge es aber einen extra Standplatz benötigt. Des Weiteren kommt es darauf an, welche Führerscheinkategorie man besitzt. Für grössere Reisemobile über 3,5 bis 7,5 Tonnen ist die Kategorie C1 nötig.
Wer das Fahrzeug im Alltag als Familienkutsche benutzt und an Wochenenden oder ein- bis zweimal pro Jahr auf Reisen geht, der könnte einen Van ins Auge fassen, der entweder als Kombifahrzeug konzipiert ist oder für die Reise mit passgenauen ­Campingboxen oder -einschüben bestückt werden kann. Das Angebot ist auch hier breit und die Preise dafür erschwinglich.
Die beliebtesten und meistverkauften Fahrzeuge in der ­Kategorie der kompakten Reise- und Freizeitmobile sind die VWs der T-Serie oder jene der Marco-Polo-Serie von Mercedes. Beide Wagen sind alltagstauglich und lassen sich mit wenigen Handgriffen in ein Reisemobil umwandeln.

Kauf vs. Miete: Der Vergleich

Das spricht für einen Kauf:

  • Sie können jederzeit losfahren, ohne ein Miet-Wohnmobil organisieren zu müssen.
  • Sie richten das Reisemobil nach Ihren Vorstellungen ein und können auf Ihre besonderen Bedürfnisse achten.
  • Es fallen keine hohen Mietkosten und Kilometerpauschalen an, und bei regelmässiger Nutzung kann sich bei einem gebrauchten Fahrzeug der Kauf recht zügig amortisieren.
  • Ein langatmiges Beladen und Entladen entfällt.
  • Kücheneinrichtung, Badehandtücher, Tische und Stühle – alles ist schon an Bord, wenn Sie losfahren.

 

Das spricht für eine Miete:

  • Möchten Sie ab und zu mit einem Wohnmobil in den Urlaub fahren, sind die Kosten im Vergleich zu einem Kauf wesentlich tiefer.
  • Reisemobile sind weltweit mietbar. Dadurch bleiben Sie flexibler bei der Wahl des Reiseziel.
  • Falls die Familienmitgliederzahl wächst, mieten Sie einfach ein grösseres.
  • Es entstehen keine Kosten für Reparaturen oder Winterreifen.
  • Sie haben sich weder um Versicherungen noch um einen Winterstellplatz zu kümmern.

(Quelle: www.ins-blaue-magazin.de)

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